Freitag, 12. Februar 2016

Kinderbibeln im Licht des jüdisch-christlichen Dialogs

Fachtagung erarbeitet Qualitätskriterien

"Kinderbibel-Forschung und Kritik scheinen die Flut an Neuerscheinungen kaum zu beeinflussen." Gastredner Professor Dr. Thomas Nauerth von der Universität Osnabrück brachte die Ausgangssituation der zweitägigen Fachtagung "Judentum in christlichen Kinderbibeln" auf den Punkt. Auf Initiative des Gesprächskreises "Juden und Christen" hatten sich interessierte Fachleute aus Wissenschaft, Schulpraxis und Kita-Alltag sowie TheologiestudentInnen  vom 10. auf den 11. Februar in Georgsmarienhütte zusammengefunden, um gemeinsam Qualitätskriterien für die Darstellung des Judentums in Kinderbibeln zu erarbeiten.

Unter Anleitung der Gesprächskreismitglieder Dr. Ilse Müllner, Professorin für Altes Testament an der Universität Kassel, Dr. Barbara Schmitz, Professorin für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen an der Universität Würzburg und Dr. Uta Zwingenberger, Leiterin des Bibelforums im Bistum Osnabrück und Organisatorin der jährlichen "Internationalen Jüdisch-Christlichen Bibelwoche" wurden in Workshops erzählerische und bildnerische Darstellungsformen detailliert beleuchtet. "Der jüdisch-christliche Dialog der letzten Jahrzehnte hat die christliche Theologie und das christliche Verständnis vom Judentum heute wie in biblischer Zeit maßgeblich verändert. Das sollte auch Auswirkungen auf die in großer Zahl erscheinenden Kinderbibeln haben, die gewissermaßen den "Praxistest" für jede biblische Theologie darstellen", betonte Müllner.

Dass dies in der Realität oftmals nicht der Fall ist, davon wussten Pfarrerin Diana Klöpper, Mitverfasserin der Gütersloher Erzählbibel und PD Dr. Marion Keuchen zu berichten. Letztere illustrierte anschaulich die Praxisfehler in vielen Publikationen, angefangen von falschen Kleidungsstücken über Requisiten bis hin zu verfälschenden Textstellen und fragwürdiger Inhaltswahl. Es ist geplant, die Ergebnisse der Tagung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.