Freitag, 9. September 2011

Alleinerziehende nicht mit ihrer Verantwortung allein lassen

Familienpolitische Sprecherin des ZdK kritisiert Rechtsprechung zum nachehelichen Unterhalt


Mit Sorge nimmt die familienpolitische Sprecherin des ZdK, Christa Licharz-Lichtenthäler, den geschwächten Stellenwert der Ehe in Gesellschaft und Staat wahr. Das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs zum nachehelichen Unterhalt habe dies besonders deutlich vor Augen geführt, erklärte Frau Licharz-Lichtenthäler anlässlich der Sitzung des ZdK-Hauptausschusses am Freitag, dem 9. September 2011  in Bonn.

Von einer Wahlfreiheit in der Frage der Erziehung und Betreuung der Kinder durch die Eltern könne demnach heute kaum noch die Rede sein. "Wenn die Bundesrichter befinden, dass die Mutter eines Grundschulkindes zur Vollzeit-Berufstätigkeit verpflichtet ist und keinen Unterhaltsanspruch gegenüber ihrem früheren Ehepartner hat, ist das ein Signal an alle jungen Frauen, vor einer Familiengründung auf keinen Fall für längere Zeit aus dem Beruf auszusteigen, um im Scheidungsfall keinen Nachteil am Arbeitsmarkt zu erleiden", so Licharz-Lichtenthäler.

Es werde zweierlei verkannt: Wer eine gewisse Zeit im Rahmen einer solidarischen ehelichen Arbeitsteilung aus dem Berufsleben ausgestiegen sei und die Hauptverantwortung in Familie und Haushalt übernommen habe, könne erfahrungsgemäß häufig nicht auf dem alten beruflichen Niveau wieder einsteigen und habe dann nur die Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung oder geringfügigen Beschäftigung. Zudem stelle sich bei einer Vollzeitbeschäftigung die Frage, wie diese mit der Erziehung und Betreuung von Kindern zu vereinbaren sei, wenn außer den institutionellen Betreuungsangeboten keine weiteren Personen zur Überbrückung zeitlicher Engpässe zur Verfügung stünden. "Selbst wenn eine Ganztagsbetreuung in Anspruch genommen werden kann, bleibt doch ein enormer Druck auf dem alleinerziehenden Elternteil, der durch eine Unterhaltszahlung des früheren Ehepartners zumindest etwas abgefedert würde. Die betroffenen Frauen fühlen sich in dieser Situation nicht nur von ihrem früheren Partner, sondern auch von der Gesellschaft mit der Verantwortung für ihr Kind oder ihre Kinder allein gelassen und überfordert. Fatal ist, dass nach dem Urteil die Beweislast, dass ein Vollzeitjob nicht zugemutet werden kann, bei der Frau liegt", beklagte die ZdK-Sprecherin. Es stelle einen Rückschlag für alle gesellschaftlichen Kräfte, wie zum Beispiel das ZdK, dar, die sich für Ehe und Familie als zukunftsfähige und Zukunft ermöglichende Lebensform stark machen.

 

http://www.zdk.de/erklaerungen/erklaerung.php?id=170