Freitag, 11. Mai 2001

Ausstiegshilfen für Prostituierte verbessern

Enttäuscht zeigte sich Christa Licharz-Lichtenthäler, die von der Vollversammlung soeben im Amt bestätigte familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), über den Gesetzes- entwurf der Regierungsfraktionen zur rechtlichen und sozialen Situation der Prostituierten in Deutschland. Ob die geplanten rechtlichen Veränderungen entscheidende soziale Verbesserungen für die betroffenen Frauen bringen werden, sei zweifelhaft, so Licharz-Lichtenthäler. "Was Not tut, sind aber soziale Verbesserungen für die Prostituierten, nicht rechtliche Verbesserungen für die Prostitution."

Naiv scheint Licharz-Lichtenthäler unter anderem die mit der Abschaffung des § 180a Nr.2 Strafgesetzbuch verbundene Hoffnung des Gesetzgebers, die soziale Sicherung der Prostituierten werde sich dadurch verbessern, dass die Bordellbesitzer aus der Strafandrohung herausgenommen würden. Licharz-Lichtenthäler: "Ich bin bedrückt von der schlechten sozialen Situation, von der Abhängigkeit und Unsicherheit, von der alltäglichen Gewalt, die die Lebenssituation der meisten Prostituierten prägt. Frauen prostituieren sich in der Regel aus einem Mangel an echten Lebens- und Berufsperspektiven und geraten dabei immer wieder in entwürdigende Ausbeutungsverhältnisse. Auf diese Realität gibt der Gesetzentwurf keine Antwort."

Prostitution sei kein normaler Beruf, so Licharz-Lichtenthäler weiter. Im Gegenteil sei allgemein bekannt, dass Prostituierte ihre ‚Arbeit' fast immer rasch zu Gunsten von Alternativen aufgeben, wenn diese nur rechtzeitig erkennbar und ergreifbar sind. Hilfe zum Ausstieg aus der Prostitution zu leisten, sei das soziale Gebot der Stunde.