Montag, 5. März 2001

CSU-Vorsitzender Stoiber und ZdK-Präsident Meyer wollen Wertediskussion in der Gesellschaft anstoßen

Die Präsidien der Christlich-Sozialen Union und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) wollen eine breite und intensive öffentliche Diskussion über das Wertefundament unserer Gesellschaft anstoßen. In einer gemeinsamen Sitzung unter der Leitung des CSU-Vorsitzenden Dr. Edmund Stoiber und des ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Hans Joachim Meyer am 5. März 2001 in München erklärte Stoiber, zu Beginn des 21. Jahrhunderts gewinne die Frage der Wertorientierung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen und medizinischen Fortschritts neue Aktualität. "Eine intensive Wertediskussion ist kein intellektueller Luxus, es geht vielmehr um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", betonte Stoiber. "Gerade in einer Zeit, in der alles erlaubt und machbar erscheint, brauchen wir vor allem für unsere jungen Menschen Orientierung und Wertbindung." Die CSU nehme das 'C' in ihrem Parteinamen ernst. Es verpflichte, die christlichen Wertvorstellungen aktiv zu vertreten. "Gesellschaftliche Entwicklungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und wirtschaftliche Veränderungen erfordern immer neue Antworten der Politik. Aber es gibt auch Grundwerte, die für uns unantastbar sind. Hier müssen wir Farbe bekennen, Maßstäbe setzen und diese konsequent einfordern."

In der Diskussion über Fortschritte in der Medizin, der Bio- und der Gentechnologie, zu denen Präimplantationsdiagnostik ebenso gehöre wie die Möglichkeit des Klonens von Menschen, wollen sich die Präsidien von CSU und ZdK mit Nachdruck für die christlichen Werte, das christliche Menschenbild als herausragende Orientierungshilfe bei der Grenzziehung für Forschung und Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse einsetzen. Der Präsident des ZdK Prof. Dr. Meyer warnte davor, die notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzung um diese Fragen rein pragmatisch zu führen. "Wir sehen den Schutz von Beginn bis zum Ende des menschlichen Lebens in großer Gefahr. Ob beim Kampf für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder, beim Schutz der Embryonen und nicht zuletzt bei der Frage der aktiven Sterbehilfe handelt es sich um Politikfelder, bei denen sich im gesellschaftlichen Bewusstsein mehr und mehr festsetzt, es gehe hier um Privatangelegenheiten, die weder den Staat noch die Gesellschaft etwas angingen. Hier wollen wir die sich aus der christlichen Wertorientierung ergebenden Positionen, und mögen sie noch so unpopulär sein, deutlich und mit aller Kraft ins Gespräch bringen", erklärte der ZdK-Präsident.

Übereinstimmend betonten die Präsidien, zur Förderung der Familien und im Interesse eines langfristigen Gleichgewichts zwischen den Generationen die Rahmenbedinungen für die Unterstützung von Familien mit Kindern verbessern zu wollen. Der CSU-Vorsitzende kündigte für Bayern eine "Offensive für Familien" an. Dazu gehörten der Ausbau qualifizierter Betreuungsangebote ebenso wie die Beseitigung finanzieller Benachteiligungen. "Es steht uns nicht an, Lebensentwürfe zu bewerten. Die Politik hat die Aufgabe, mit dafür zu sorgen, dass Menschen, die Kinder wollen, die Entscheidung für Kinder auch wirklich offen steht." Stoiber und Meyer forderten einen Bewusstseinswandel, der den Wert von Familie und Kindern für eine menschliche Gesellschaft, für Innovationskraft und nachhaltige Stabilität des Gemeinwesen stärker in den Vordergrund stellt. Fragen aktiver Sterbehilfe sowie die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft, die Erosion der Familie und die wachsenden Belastungen für den Generationenvertrag als Folge einer kippenden Alterspyramide erforderten die Besinnung auf gemeinsame Werte wie Lebensschutz, Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Rücksichtnahme.

Der Meinungsaustausch in der Landesleitung der CSU war die erste gemeinsame Sitzung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des CSU-Präsidiums. Stoiber und Meyer vereinbarten, den Dialog intensiv fortzusetzen und die Lösung wichtiger Zukunftsfragen anhand christlicher Werte zu formulieren.