Mittwoch, 30. Mai 2001

Ganzheitliche Hilfsangebote für anonyme Geburt

ZdK befürwortet Änderung des Personenstandsgesetzes
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßt grundsätzlich das Vorhaben, das Personenstandsgesetz zu ändern, so dass für legale Möglichkeiten und Hilfsangebote anonymer Geburt die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Mit einer schriftlichen Stellungnahme haben der ZdK-Vizepräsident Dr. Walter Bayerlein und die Familienpolitische Sprecherin Christa Licharz-Lichtenthäler für die gemeinsame öffentlichen Anhörung des Innen-, Rechts- und Familienausschusses des Bundestages zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Personenstandsgesetzes am 30.05.2001 die Position des ZdK erläutert. Die Möglichkeit anonymer Geburt sei in besonderen Konfliktfällen, in denen eine schwangere Frau aus bestimmten Gründen sich fürchte, ihre Identität zu offenbaren, eine wichtige flankierende Maßnahme zum Schutz des ungeborenen Kindes. Sie biete zugleich eine Hilfe für Frauen, die in ihrer besonders schwierigen Lage nicht ein noch aus wüssten. Die bloße Existenz einer allgemein bekannten legalen Möglichkeit anonym zu entbinden sei eine wesentliche lebenschützende Maßnahme, weil sie viel Druck von der Schwangeren nehme und ihr trotz Anonymität medizinischen und psychischen Beistand sichere.

In seiner Stellungnahme grenzt das ZdK das Konzept der anonymen Geburt klar ab gegen die sogenannten "Babyklappen", die keine medizinische Versorgung vor der Geburt und während des Geburtsvorgangs gewährleisten und die Klärung der Identität von Mutter und Kind für eine etwaige Annahme des Kindes durch die Mutter oder bei späteren berechtigten Nachfragen des Kindes nach seiner Herkunft sehr erschweren.

Durch Schaffung geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen für ganzheitliche Hilfsangebote bei anonymer Geburt werde eine rechtzeitige ärztliche Vorsorge und die medizinisch betreute Geburt gesichert und damit der Gesundheit von Mutter und Kind gedient. Zugleich werde durch die Beratung und Begleitung der Mutter durch fachlich qualifizierte Beraterinnen jene Panik vermieden, die nach aller Erfahrung zur Tötung des Kindes bei oder unmittelbar nach der Geburt führe. Erfahrungsgemäß könne nicht selten durch die vertrauensbildende Art der Beratung und das Angebot geeigneter Hilfestellung die Bereitschaft der Mutter gefördert werden, nach Ablauf einer gewissen Zeit ihre Anonymität aufzugeben.

Nach Auffassung des Zentralkomitees ermöglicht eine rechtlich gesicherte Zeit von mindestens 10 Wochen nach der Geburt der Mutter, nach Abklingen der physischen und psychischen Belastungen der Geburt, in Ruhe eine verantwor-tungsvolle Entscheidung zu treffen, ob sie das Kind selbst behalten kann oder es besser zur Adoption freigeben will.

Weiter betont das ZdK, dass die Möglichkeit anonymer Geburt dem Lebenschutz wirksam dienen kann, wenn sie verbunden wird mit der rechtsverbindlich zugesicherten Bereitschaft der Träger solcher Projekte, das Kind in Obhut zu nehmen, eine angemessene Überlegungszeit sicherzustellen und gegebenenfalls die offene Adoption des Kindes zu vermitteln. Die Beraterinnen und Mitarbeiterinnen der Projektträger müssten die Anonymität wahren können, die Unterlagen müssten vor Durchsuchung und Beschlagnahme geschützt sein.

Abschließend unterstreicht das ZdK, dass die Reform des Personenstandsgesetzes nur die ersten, aber notwendigen Voraussetzungen für die wünschenswerten ganzheitlichen Hilfsangebote für Frauen schaffe, die in ihrer Verzweiflung Perspektiven für ein Leben mit ihrem Kind zum Zeitpunkt der Geburt nicht sähen.

Die Anbieter solcher integrativer Ansätze, die mit großem Engagement und großer Kreativität sich eines "Grauzonenproblems" angenommen haben, brauchten Rechtssicherheit.