Freitag, 16. April 2010

Glück fordert einheitliche Regeln für Umgang mit Missbrauchsfällen

Vollversammlung des ZdK am 16./17. April 2010 in München

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat die Deutsche Bischofskonferenz aufgerufen, für den Umgang mit Missbrauch von Kindern und Jugendlichen einheitliche Regelungen für ganz Deutschland zu schaffen. Diese müssten einheitlich gelten, unabhängig von den unterschiedlichen kirchenrechtlichen Zuständigkeiten in Diözesen und Ordensgemeinschaften, insbesondere im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Staat. Nur so könne ein weiterer Vertrauensverlust verhindert werden.

Weiter forderte Glück vor der Vollversammlung des ZdK am Freitag, dem 16. April 2010, in München eine "offene, ehrliche und tabufreie Beratung" über Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen. Gesprochen werden müsse über die Auswahl für geistliche Berufe, Aus- und Fortbildung und vieles mehr. Ob die gegenwärtige Krise Ausgangspunkt für Erneuerung oder von Rückzug und Bedeutungsverlust werde, hänge davon ab, wie jetzt die bitteren Erfahrungen verarbeitet und welche Schlussfolgerungen gezogen würden. "Eine Fixierung auf das Versagen Einzelner reicht nicht", so der ZdK-Präsident wörtlich. "Von Papst, von Bischöfen und Laien wird konsequent eine 'Erneuerung' unserer Kirche gefordert". Zu dieser Erneuerung und zu neuer Glaubwürdigkeit beizutragen sei gemeinsame Aufgabe. Auch hier gelte: "Wenn wir von Kirche sprechen, meinen wir nicht nur das Amt, wir müssen uns selbst mit einbeziehen".

Glück rief dazu auf, keine Angst davor zu haben, dass durch Transparenz auch die Unvollkommenheit der Kirche und ihr ständiger Reformbedarf sichtbar werde. "Solche Unvollkommenheit schreckt nicht ab. Abschreckend – weil unglaubwürdig – wirkt, wenn hinter einer Fassade scheinbare Vollkommenheit und einem entsprechenden Anspruch nach außen dann die entsprechenden Fehler oder gar Skandale sichtbar werden".

Dankbar zeigte sich der ZdK-Präsident, dass sowohl der Papst als auch die deutschen Bischöfe die Schwere der Verbrechen an Kindern und Jugendlichen vielfach mit eindeutigen Worten gebrandmarkt haben. Auch, dass die deutschen Bischöfe sich selbstkritisch zu Versäumnissen, Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bekannt hätten, schaffe Respekt und den Nährboden für das Wachsen neuen Vertrauens.

Als bisher wichtigsten Schritt bezeichnete Glück die Tatsache, dass im Mittelpunkt des kirchlichen Handelns jetzt die Opfer stünden und nicht mehr ein falsch verstandener Schutz der Kirche.

(Den gesamten Wortlaut des Berichts zur Lage finden Sie auf der ZdK-Homepage: www.zdk.de)