Dienstag, 9. Oktober 2012

Nobelpreis würdigt Suche nach ethisch unbedenklichen Wegen in der Stammzellforschung

 

Als wichtiges forschungspolitisches Signal bewertet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die Auszeichnung von John Gurdon und Shinya Yamanaka mit dem Nobelpreis für Medizin. "Im Gegensatz zur Forschung mit embryonalen Stammzellen müssen bei dem von den Preisträgern gefundenen Verfahren keine Embryonen getötet werden", erklärte ZdK-Präsident Alois Glück. "Die Erkenntnisse von Gurdon und Yamanaka sind ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung von medizinischen Verfahren, die schwere Krankheiten heilen können und zugleich ethisch unbedenklich sind. Ich gratuliere beiden Forschern zur Verleihung des Nobelpreises."

 

Im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit bioethischen Fragen spricht sich das ZdK schon seit vielen Jahren gegen die so genannte verbrauchende Embryonenforschung aus und fordert stattdessen eine Intensivierung der Forschung an adulten Stammzellen. In dieser Position sieht sich das Laiengremium nun auch durch die Nobelversammlung am schwedischen Karolinska-Institut bestätigt. Alois Glück: "Die Würde des Menschen vom ersten Augenblick seiner Existenz an ist Maßstab und Grenze für alles menschliche Handeln – auch für Wissenschaft und Forschung. Die Auszeichnung von Gurdon und Yamanaka mit dem bedeutendsten Wissenschaftspreis der Welt ist zugleich eine Würdigung ihrer erfolgreichen Suche nach ethisch unbedenklichen Wegen in der Stammzellforschung."

 

Die mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Wissenschaftler haben mit ihren Forschungen bewiesen, dass es grundsätzlich möglich ist, aus den Zellen eines ausgewachsenen Organismus Stammzellen herzustellen. Aus diesen adulten Stammzellen lassen sich unterschiedliche Gewebetypen züchten, die in Zukunft möglicherweise als Ersatz für geschädigte Organe eingesetzt werden können. Alois Glück hofft, dass von der Nobelpreis-Entscheidung eine Signalwirkung auf die Schwerpunktsetzung in der Stammzellforschung weltweit ausgeht. "Die Bundesrepublik Deutschland hat ihre Forschungsförderung schon früh aus ethischen Erwägungen heraus auf das Gebiet der adulten Stammzellen konzentriert und im Gegensatz zu anderen Ländern hier auch sehr viele Mittel investiert. Für diese klare Wertorientierung in der Forschungspolitik sind wir als Katholikinnen und Katholiken dankbar." Es sei zu hoffen, dass auch andere Länder die aktuelle Nobelpreis-Entscheidung zum Anlass nähmen, um ihre Forschungspolitik zu überdenken. Das gelte insbesondere auch für das neue Forschungsrahmenprogramm "Horizont 2020" der Europäischen Union.