Freitag, 4. Mai 2001

Prof. Meyer lehnt Legalisierung aktiver Sterbehilfe ab

"Für Christen ist aktive Sterbehilfe kein akzeptabler Ausweg. Denn statt das Leiden zu lindern und den Sterbenden zu begleiten, wird der Leidende entsorgt".

Mit diesen Worten hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Stellung zu der niederländischen Gesetzgebung zur aktiven Sterbehilfe bezogen. Vor der Vollversammlung des ZdK am Freitag, dem 4. Mai 2001 bezeichnete Meyer die Frage nach dem Umgang mit dem Sterben als eine der außerordentlichen Herausforderungen an die Grundlagen der Zivilisation in Europa. Eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe widerspreche dem Ethos der Heilberufe, breche mit der Rechtstradition der europäischen Gesellschaft und verstoße vor allem gegen Gottes Gebot. Deshalb rief er alle Christen dazu auf, dieser Entwicklung mit aller Kraft zu widerstehen.

Ein würdiges Sterben, so der ZdK-Präsident, erfordere in erster Linie, dass die Medizin auf den Willen des Betroffenen Rücksicht nehme. Patientenverfügungen, die eine menschenwürdige Behandlung und Begleitung am Lebensende wollten, seien zu respektieren. Es gelte aber deutlich zu unterscheiden zwischen dem Verzicht auf künstliche Lebensverlängerung bei einem unrettbar sterbenden Menschen und lebensverkürzenden Maßnahmen, die den Tod aktiv herbeiführten.

Die gesetzlich geregelte Erlaubnis zur Tötung auf Verlangen öffnet nach Auffassung Meyers dem Mißbrauch Tür und Tor. So sei nicht auszuschließen, dass sozialer Druck, Überforderung, finanzielle Interessen oder Bequemlichkeit bei der Verfügung über das Lebensrecht anderer ins Gewicht fielen. Deshalb forderte er, dass das Tötungsverbot am Lebensende ebenso gelten müsse wie am Lebensbeginn. Ohne Anerkennung der Würde und des Lebensrechts jedes Menschen sei ein Zusammenleben in Mitmenschlichkeit nicht möglich.

In diesem Zusammenhang fordert der Präsident des ZdK dazu auf, sich mit allem Ernst der Frage nach dem Leid zu stellen und die Tatsache des Todes nicht weiter aus dem persönlichen und gesellschaftlichen Leben zu verdrängen.