Donnerstag, 2. Februar 2012

ZdK-Präsident Alois Glück: Kirchen müssen dienende Kirchen sein

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat die Kirchen dazu aufgerufen, nicht die Rolle der Belehrenden und der Besserwissenden einzunehmen, sondern die der Zuhörer.

Beim Internationalen Ökumenischen Forum im Rahmen der Heilig Rock Wallfahrt 2012 in Trier unterstrich Glück am Donnerstag, dem 2. Februar 2012, noch nie seien so viele Menschen suchend nach Sinn und Orientierung für ihr Leben unterwegs gewesen, wie gegenwärtig. Die große Mehrheit dieser suchenden Menschen vermute aber das, was sie suchen, nicht in den christlichen Kirchen.

Das Aufnehmen einer Botschaft, das Ernstnehmen einer inhaltlichen Botschaft sei bei den Menschen immer stark verbunden mit ihrer Beziehung zu einer Person oder Institution, so der ZdK-Präsident. „Wenn zwei dasselbe sagen, ist es in der Wirkung bei uns bekanntlich noch lange nicht dasselbe. Deswegen ist für die Frage, wie Menschen Zugang zur Botschaft des Glaubens und den Zugang zu Christus finden, abhängig davon, wie sie uns persönlich und wie sie unsere Kirche erleben, als eine Kirche mit dem Anspruch auf Regulierung des Lebens mit einem Normensystem und einem Machtanspruch oder als eine Kirche, die dem Menschen dient, deren Repräsentanten zuhören und aufnehmen können.“

Der Reichtum der Kirchen, der Christenheit als Ganzer, sei die Vielfalt der Formen der Frömmigkeit, der Lebenswege, der Gotteserfahrungen, unterstrich Glück. „Das ist im Hinblick auf Ökumene wichtiger als alle Ängste um die eigene Identität. Wo Identitätskrisen und Identitätsfindungen im Vordergrund stehen, steht eben immer auch die Abgrenzung im Vordergrund!“

Er forderte die Kirchen auf, Christus als die gemeinsame Grundlage der Kirchen auch gemeinsam wieder stärker sichtbar werden zu lassen. „Das muss uns mehr beschäftigen und motivieren als das Trennende!“ Hier gebe es zu viel lähmende Angst – gerade auch bei vielen Amtsträgern, kritisierte Glück.