Freitag, 13. Mai 2011

ZdK-Präsident Alois Glück benennt Positionen und Themen zum Dialogprozess in der katholischen Kirche

Vollversammlung des ZdK am 13./14. Mai 2011 in Erfurt

Vor der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Freitag, dem 13. Mai 2011, in Erfurt hat der Präsident Alois Glück Positionen und Themen skizziert, mit denen das ZdK den Dialogprozess in der katholischen Kirche in Deutschland mitgestalten will.

Ziel des Prozesses müsse es sein verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen, so Glück in seinem Bericht zur Lage. Das werde aber nur möglich, wenn besonders die Erfahrung und die Perspektive der Enttäuschten ernstgenommen würden. Mit Selbstgerechtigkeit könne kein Vertrauen zurückgewonnen werden. „Voraussetzung für Vertrauen ist auch Transparenz, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und der richtige Umgang mit Macht und Machtausübung“, so der ZdK-Präsident.

Darum brauche die Kirche wirklich den Dialog, nicht nur Gespräche. Dialog sei eine Haltung, zu der zuhören, ernst nehmen, Bereitschaft zur Veränderung gehöre. Glück wörtlich:“Wir werden nicht nachlassen, echten Dialog einzufordern.“ Die weitere Entwicklung werde entscheidend davon abhängen, dass eine kultivierte, konstruktive Debattenkultur auf der Basis des gegenseitigen Respekts gepflegt werde. Wenn dem kritischen, dem unbequemen Partner im Dialog die Verankerung im Glauben und in der Kirche abgesprochen werde, sei ein fruchtbarer Austausch nicht möglich.

Glück betonte, dass die Vertiefung des Glaubens und die Reform von Strukturen keinen Gegensatz darstellten. Zwar lösten Strukturveränderungen nicht automatisch die Probleme der Kirche, aber die Kirche werde mit ihren Strukturen erlebt und sie lebe in diesen Strukturen. Die Menschen von heute müssten sich in diesen Strukturen wiederfinden können. Grundlage des Gesprächsprozesses müsste die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils sein. Wichtig sei, dass die Kirche und ihre Gemeinschaften und Strukturen nicht Selbstzweck seien. Es gelte sich immer wieder auf die Kernaufgabe besinnen: die Botschaft des Evangeliums den Menschen in ihrer jeweiligen des Lebenssituation, in der jeweiligen Zeit zugänglich zu machen. Dieser Aufgabe müsse alles zu- und untergeordnet werden.

Im Weiteren benannte Alois Glück exemplarisch einige Themenbereiche, die das ZdK unter anderem nach seiner Überzeugung in den Dialogprozess einbringen sollte. Wörtlich führte er aus:

„Wir müssen mit aller Macht Lebendige Gemeinden erhalten. Wir dürfen sie nicht rein versorgungsstrategischen Überlegungen opfern. Kirche muss vor Ort erfahrbar sein und als Volk Gottes zusammenkommen.

Wir müssen in unserer Kirche Frauen mehr Verantwortung geben. … Die Charismen von Frauen kommen nach wie vor in unserer Kirche nicht ausreichend vor.

Wir brauchen Fortschritte in der Ökumene, auch dies steht heute auf der Tagesordnung.

Wir müssen darüber reden, wie wir die Sprach- und Handlungsunfähigkeit in Fragen der kirchlichen Sexualmoral überwinden. Menschen brauchen Rat, Hilfe und Orientierung, wie sie ihre Sexualität verantwortlich, menschenwürdig in gelingenden Partnerschaften leben können. …

Wir wollen, dass die Laien in ihrer Stellung als mündige Christen ernst genommen werden, und zwar erst genommen werden in ihrer Kirche. Viele Katholikinnen und Katholiken finden sich in einem tiefgreifenden Identitätskonflikt wieder. In beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Zusammenhängen wird von ihnen Mündigkeit, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung erwartet, im Raum der Kirche aber erfahren sie sich gleichzeitig als Objekt einer Leitung und Belehrung, auf die sie keinerlei Einfluss haben und die zu oft nur sehr zögerlich zu Gesprächen bereit ist.

Das sind einige Fragen, denen wir uns als ZdK stellen werden, ob gelegen oder ungelegen. Dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen, gehört zum Kernbestand unserer innerkirchlichen Identität und zu unserer Aufgabe, denkenden und fragenden Menschen in dieser Kirche eine Heimat zu geben. Ich halte es dabei aber für besonders wichtig, und hier appelliere ich an Sie alle, dass wir uns als ZdK nicht nur mit innerkirchlichen Themen beschäftigen, sondern auch mit den politischen Fragen unserer Zeit, mit allem, was uns als Kirche und als Christen gesellschaftlich herausfordert – auch übrigens im Dialog mit der Bischofskonferenz. Es geht um unser Zeugnis in der Welt und mitten unter den Menschen!

Diesen verschiedenen und wichtigen Bemühungen muss der Dialogprozess dienen. Er ist eine Chance. Es ist ein Kairos! Lassen Sie uns dazu unseren Beitrag leisten, Schritt für Schritt. Mit Mut und Gelassenheit.”