Dienstag, 6. Juli 2010

ZdK-Präsident Alois Glück kritisiert Bundesgerichtshofs-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik

"Das Urteil des Bundesgerichtshofs ist ein schwerer Schlag gegen den Schutz und die Würde menschlichen Lebens". Mit Bestürzung reagiert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, auf das heute vom Bundesgerichtshof verkündete Urteil zur strafrechtlichen Beurteilung der Präimplantationsdiagnostik (PID), wonach die PID zur Entdeckung schwerer genetischer Schäden nicht strafbar ist.
Es sei zwar selbstverständlich, dass Eltern sich ein gesundes Kind wünschten, so Glück. Die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens verbiete aber jede Selektion von Embryonen. Auch ein genetischer Defekt sei hierzu keine Rechtfertigung. Die PID sei keine Methode zur Feststellung oder Behandlung von Krankheiten, sondern ausschließlich zur Selektion, führt Glück aus. „Wenn von einer schweren Schädigung des Embryos die Rede ist, handelt es sich um eine zu hinterfragend, gesellschaftliche Zuschreibung, die jedoch keinesfalls das Lebensrecht und die Menschenwürde eines kranken oder behinderten Menschen beeinträchtigt.“
Der ZdK-Präsident bedauert, dass die bislang vorherrschende Rechtsmeinung der Unzulässigkeit der PID vom Bundesgerichtshof verworfen wurde. Er forderte die Politik auf, unverzüglich die Präzisierung des Embryonenschutzgesetzes von 1991 in Angriff nehmen, damit es nicht durch die Hintertür einer Selektion menschlichen Lebens den Weg bahne.
„Es ist aber auch zu fragen, warum sich die Gesellschaft mit der Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens so schwer tut“, gibt Glück zu bedenken. Vielfach sei das Bewusstsein für und die Akzeptanz von menschlicher Begrenztheit einem Perfektionsdrang gewichen, der dem Leben auch bei den besten Absichten nicht dienlich sei. "Wir müssen uns entschieden jeder Abwertung kranker und behinderter Menschen entgegenstellen", so Glück.