Mittwoch, 19. Januar 2011

ZdK-Präsident Glück kritisiert PID-Stellungnahme der Leopoldina

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hält die gestern in Berlin vorgestellte Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften zu den Auswirkungen einer begrenzten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) für unausgewogen. In der Stellungnahme spricht sich die Leopoldina als Nationale Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit weiteren Wissenschafts-Akademien für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland aus.

Zwar lobte Glück den sachlichen und differenzierten Stil der Stellungnahme, kritisierte aber ausdrücklich, dass das Papier keine neuen Argumente enthalte, dafür aber drei entscheidende Mängel:

"Der erste besteht darin, dass der Embryo in der Stellungnahme nur als Objekt betrachtet wird, über das Eltern und Ärzte verfügen können. Dies widerspricht unserer Überzeugung von der Würde und Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens von der Zeugung an." Bezeichnend sei in diesem Zusammenhang auch die Aussage der Akademien, die PID dürfe nicht für Ziele verwendet werden, 'die außerhalb des Wohls des betroffenen Paares liegen'. Dieser Satz sei zwar richtig, soweit es um die Abwehr staatlicher oder gesellschaftlicher Ansprüche gehe, so der ZdK-Präsident, aber zugleich sei er auch verräterisch, denn vom Wohl des Kindes sei hier nicht die Rede.

"Der zweite gravierende Mangel des Papiers besteht in der Annahme, dass es ein 'Grundrecht eines jeden Menschen auf Fortpflanzung' gebe und dass der Staat die Aufgabe habe, dieses Recht durchzusetzen", so Glück weiter. "Dass ein Paar sich gesunde Kinder wünscht, ist menschlich nur zu verständlich. Ich habe großen Respekt vor dem Leid von Frauen und Männern, die ungewollt kinderlos bleiben, die ihre Kinder durch eine angeborene Erbkrankheit verloren haben oder die durch das Leben mit behinderten Kindern überfordert werden. Dieses Leid lässt sich nicht durch gesetzliche Zulassung fragwürdiger Selektionsmechanismen aus der Welt schaffen, sondern nur durch menschliche Zuwendung – und durch die Einsicht, dass jedes Kind ein Geschenk ist."

Eine dritte unzulässige Prämisse liege in der argumentativen Gleichstellung von PID und Pränataldiagnostik (PND). Bei einer PID gehe es um die Selektion von Embryonen vor einer Schwangerschaft, bei einer PND um eine Untersuchung während einer Schwangerschaft. Auch wenn daraus ein Schwangerschaftskonflikt entstehe, sei dieser prinzipiell ergebnisoffen, sodass eine Spätabtreibung keinesfalls vorprogrammiert sein dürfe. "Leider ist die Praxis häufig eine andere und Behinderung wird als vermeidbar klassifiziert", unterstrich Glück. "Dementsprechend wächst der Druck auf Eltern, wenn ein Kind mit Behinderung geboren wird. Diese Zusammenhänge dürfen nicht geleugnet werden."