Freitag, 8. Juni 2001

ZdK-Präsident weist Äußerungen von Bundeskanzler Schröder zurück

Kritik am Vorstoß von Ministerpräsident Clement
Bezugnehmend auf die aktuelle Debatte um die Biomedizin hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus der Biomedizin-Debatte des Bundestages vom 31. Mai 2001 zurückgewiesen.

Wenn der Bundeskanzler sage, sicher sei die religiös motivierte Position zu respektieren, die das Schicksal von Schwerstkranken als bedauerlich, am Ende aber unabänderlich darstelle, so liege dieser Darstellung mit Blick auf den Glauben und die Praxis der großen Weltreligionen, vor allem mit Blick auf das Christentum, ein schlimmes Missverständnis zugrunde, so Meyer vor dem Hauptausschuss des ZdK.

Er erinnerte daran, dass der Einsatz der Christen für das Heilen körperlicher und seelischer Gebrechen konstitutiv mit dem Glaubensverständnis verbunden sei. Das von Schröder missverständlich dargestellte Verständnis bezeichnete er als zutiefst unchristlich, weil fatalistisch.

Allerdings, so der ZdK-Präsident, sei deutlich festzuhalten, dass das Gebot des Heilens und die Forschungsfreiheit eine entscheidende Begrenzung fänden. Um der Humanität Willen liege diese in der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens.

Zum Vorstoß von Ministerpräsident Clement

Scharf kritisierte der Präsident des ZdK auch die Initiative des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Clement den Import von aus Embryonen gewonnen Stammzelllinien zu ermöglichen. Das von Clement vorgebrachte Argument, in anderen Staaten sei die Entwicklung weiter und deshalb könne Deutschland nicht zurückstehen, sei ein zwar wichtiges aber kein hinreichendes Argument. Letztlich liefe dieses auf die Kapitulation des Politischen hinaus.

Offensichtlich beabsichtige Clement eine vermeindliche Lücke im derzeit geltenden Embryonenschutzgesetz zu nutzen. Aus gutem Grund sei es im Embryonenschutzgesetz aber verboten, Embryonen zu Forschungszwecken herzustellen bzw. für Forschungszwecke zu verwenden, die nicht dem Embryo selbst dienten. Daher widerspreche das von Clement beabsichtigte Vorgehen eindeutig dem Geist des geltenden Rechts. Überraschend sei auch, dass der Ministerpräsident beharrlich die Tatsache verschweige, dass bei der Herstellung der sogenannten Stammzelllinien Embryonen vernichtet worden seien.

Nach Auffassung von ZdK-Präsident Meyer unternimmt Clement mit seinem Vorstoß den Versuch, während der in Deutschland laufenden Debatte Fakten zu schaffen und das eigentlich zu entscheidende Sachproblem auf eine Problematik des Verfahrens umzuleiten. Die entscheidende Frage müsse bleiben, ob es verantwortbar sei, Stammzelllinien aus Embryonen zu gewinnen.

Entlarvenden Charakter hat nach Meyers Auffassung auch der Hinweis, man werde die Beratungen im "Nationalen Ethikrat" zu diesen Fragen abwarten. Bei allem Respekt vor dem "Nationalen Ethikrat" und seinen Mitgliedern müsse die Frage über die Zulassung des Imports von aus Embryonen gewonnenen Stammzelllinien vom Deutschen Bundestag entschieden werden.