Freitag, 4. Mai 2001

Zeit für gemeinsames Abendmahl nicht reif

Nach Auffassung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, wird auch beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin die Zeit für eine gemeinsame Abendmahlsfeier noch nicht reif sein.

"In aller Nüchternheit und Ehrlichkeit müssen wir sehen und sagen: Wir brauchen noch mehr Zeit, um die Ergebnisse der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre aufzuarbeiten. Und wir brauchen noch viel mehr Zeit, um zu einem tragfähigen gemeinsamen Verständnis des Zusammenhangs von Abendmahl und Kirche zu kommen", so Meyer vor der Vollversammlung des ZdK am Freitag, dem 4. Mai 2001. Nichts spreche gegenwärtig dafür, dass dieser Weg bis 2003 zurückgelegt werden könne, unterstrich er mit Blick auf verschiedene Entwicklungen der Ökumene der letzten Jahre.

Der ZdK-Präsident betonte, dass er es für eine Sache der Redlichkeit und des geschwisterlichen Anstands halte, dies zu Beginn der gemeinsamen Vorbereitungen für den Ökumenischen Kirchentag klar zu sagen. Er halte es für völlig unverantwortlich damit bis wenige Tage vor Beginn des Ereignisses zu warten. Meyer wörtlich: "So spielen wir nicht mit unserer Kirche. Und so spielen wir nicht mit den Erwartungen unserer Mitchristen."

Als bedrückend empfindet es der Präsident des ZdK, dass die Abendmahlfeier im öffentlichen Urteil nicht selten auf einen symbolischen Akt von Gemeinsamkeit reduziert und ihr Sinn im Glauben an Jesus Christus und im Leben der Kirche verkannt werde.

Abendmahl nicht zum Thema einer würdelosen Auseinandersetzung machen

Nachdrücklich warnte der Präsident des ZdK davor, das Abendmahl zum Thema einer würdelosen Auseinandersetzung zu machen. Er verwies in diesem Zusammenhang sowohl auf die aktuelle Diskussion um das geplante Feierabendmahl beim Evangelischen Kirchentag in Frankfurt als auch auf einen von ihm als schockierend empfundenen Artikel in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Publik-Forum mit dem Titel "Abendmahl mit Sättigungsbeilage?"

Darüber hinaus warnte Meyer davor, das gemeinsame Vorhaben Ökumenischer Kirchentag dazu benutzen zu wollen, den jeweils Anderen unter Druck zu setzen. Jeder behalte selbstverständlich das Recht auf die eigene Überzeugung, man müsse sich aber aufeinander verlassen können".

Lassen Sie uns vielmehr auf der Grundlage des uns gemeinsamen Glaubens die Frohe Botschaft Jesu Christi in unsere weithin glaubensferne Gesellschaft hineinsagen", forderte er wörtlich, "Für uns ist der Ökumenische Kirchentag kein Forum für die Welt, um über die Kirche zu diskutieren, sondern ein Akt der Verkündigung unseres christlichen Glaubens in einer Welt, die alle ethischen Grundlagen und Bindungen zu verlieren droht."