Dienstag, 9. Juni 2015

„Klug sein angesichts der Unergründlichkeit des Lebens“ (Alois Glück)

Rede beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart am 5. Juni 2015

Alois Glück

 

 

Deutscher Evangelischer Kirchentag Stuttgart

3. – 7. Juni 2015

 

Bibelarbeit am 5. Juni

„Klug sein angesichts der Unergründlichkeit des Lebens“ (Prediger 3, 9-13)

 

Ich lade Sie ein zu einem gemeinsamen Nachdenken und Betrachten. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg das Leitthema dieser Stunde zu bedenken, nicht nur allgemein, sondern vor allem auch, was es für unser Leben bedeuten könnte.

 

Dieser Text stammt aus dem Buch Kohelet.

Dieses Buch ist wahrscheinlich den wenigsten bekannt. Aber die meisten von uns kennen den ersten Satz aus dem Kapitel drei: „Alles hat seine Zeit“.

Wie haben wir diesen Text historisch einzuordnen?

Im Internet ist unter bibelwissenschaft.de zu lesen:

Das Buch Kohelet wurde, wie das der Sprüche, dem König Salomo zugeschrieben, obgleich es außer dem „Sohn Davids“ als Verfasserangabe und verschiedenen Andeutungen keinen Hinweis auf eine solche Autorenschaft gibt. Der Verfasser wird als Versammlungsleiter oder auch als Lehrer bezeichnet, was Martin Luther als „Prediger“ übersetzte.

Das Buch Kohelet gehört in der jüdischen Bibel zu der Festrolle für das Laubhüttenfest, in dem die Freude am Leben und an der Thora als rechter Weisung zum Ausdruck kommt. Diese Lebensfreude spricht aus wichtigen Passagen des Predigerbuches.

Als Entstehungszeit des Buches wird das vierte oder dritte vorchristliche Jahrhundert angenommen. Darauf deuten die Sprache, andererseits aber auch die besondere Thematik hin. Das war offensichtlich auch eine Umbruchzeit.

Wir müssen den heutigen Textausschnitt in die Gesamtlinie des Buches Kohelet einordnen.

Da ist in der vorher genannten Quelle zu lesen:

 

In Kapitel 1 und 2 wird deutlich, dass der Autor eine Ausbildung in der herkömmlichen Weisheit genossen hat, dass ihm aber nach eigenem Nachdenken alles eitel und nichtig geworden ist. Eitel und nichtig steht hier für „Es ist wie ein Windhauch oder ein Atemzug“, es steht symbolisch für die Vergänglichkeit. Der Prediger zweifelt die Allmacht Gottes nicht an, aber alles hat seine Zeit und ist den Menschen unverfügbar. Diese Erkenntnis führt bei ihm eher zur Resignation. Der Mensch kann Gottes Handeln nicht durchschauen, er kann sich ihm nur fügen und versuchen, aus dem, was Gott gegeben hat, das Beste für sich selbst zu machen. In dem Sinn steht bei Kapitel 3, Vers 12: Da merkte ich, dass es unter ihnen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und es gut zu haben im Leben.

 

Nun also zu unserem Text.

Es gibt mehrere Übersetzungen in die heutige Sprache.

Ich nehme die Textfassung, die für den Kirchentag veröffentlicht wurde.

Es geht also um die Passage der Verse 9-13 aus dem Kapitel 3.

 

„9, Welcher Gewinn bleibt denen, die etwas tun, von ihrer Mühe?

10, Ich sah mir an, was Gott den Menschen zu tun gegeben hat, damit sie sich dem widmen.

11, Das alles hat Gott schön gemacht zu seiner Zeit, hat auch die Ewigkeit in das Herz des Menschen gelegt, ohne dass sie herausfinden können, was Gott von Anfang bis Ende gewirkt hat.

12, Ich habe erkannt, dass es nichts Gutes bei ihnen gibt, außer, dass sie sich freuen und Gutes tun in ihrem Leben.

13, Ja, wo immer Menschen essen und trinken, Gutes wahrnehmen in all ihrer Mühe, ist das ein Geschenk Gottes.“

 

 

 

 

Nochmals zur historischen Einordnung:

Der Text entstand also

-       in einer Zeit der Krise der bisherigen aus dem griechischen Denken geprägten Weisheitslehre;

-       in einer Zeit großer politischer Konflikte zwischen den Nachfolgestaaten des Alexanderreichs und Ägypten und Palästina;

-       in einer Zeit einer rasch fortschreitenden Ökonomisierung, dem sogenannten „hellenistischen Frühkapitalismus“.

 

Man könnte das Denken und die Erfahrung des Autors vom Buch Kohelet im Sinne unserer heutigen Sprache und in unseren aktuellen Bezügen auch so beschreiben:

Es war eine Zeit von Sinnsuche und Sinnkrisen. Vermutlich ausgelöst durch die Veränderung von Lebensbedingungen (Ökonomisierung) und äußeren Konflikten, die sich dem Einfluss des Einzelnen entzogen haben.

 

Es kommen also dem Autor Fragen und Zweifel, die genau betrachtet zeitlos sind.

-       Was bleibt bei aller Anstrengung „unter dem Strich“?

-       Wie mache ich mein Glück?

-       Ist das Leben eigentlich gerecht?

-       Lohnt sich Engagement, da ich den Wechselfällen des Lebens ausgeliefert bin?

 

Was wollte der Autor zum Ausdruck bringen, was ist seine Botschaft? Das Glück wird mit der Wirklichkeit Gottes in Verbindung gebracht.

 

  1. Glück als Gabe Gottes grenzt sich von der Vorstellung ab, Glück sei allein und auf Dauer vom Menschen machbar.

Selbst dort, wo es dem Menschen vorübergehend gelingt, allein aus eigener Anstrengung Glück zu erlangen, hat dieses Glück keinen Bestand, insofern sich der Mensch der Wirklichkeit Gottes verschließt.

 

  1. Als Erfahrung beschreibt der Autor, dass Glück als Glückserfahrung nicht mit dem Besitz von Gütern, materieller oder sozialer Art gleichzusetzen ist. Im Gegenteil: Das Buch Kohelet betont, dass alles, was ein Mensch an materiellen oder sozialen Gütern besitzt, nur dann von Wert ist, wenn er auch in der Lage ist, sie zu genießen. Das „genießen“ braucht freilich eine Klärung wie wir es verstehen.

 

  1. Es geht um ein glücklich sein „unter der Sonne“ (also hier und jetzt).

Glück als Glück der Gegenwart richtet sich hier gegen die Vorstellung, der Mensch könne sein Glück erst nach dem Tod finden. Aber dieses Glück ist erst nach einem langen Prozess des Abbaus von Täuschungen und Illusionen erfahrbar.

Dieser Prozess ist in einem gewissen Sinn auch ein Sterben.

 

  1. Das Glück gilt als etwas Bleibendes. Glück als bleibendes Glück räumt das Missverständnis aus dem Weg, Glück sei identisch mit schönen Gefühlen, die kommen und gehen.

 

Wohl vor allem wegen meines Nachnamens werde ich immer wieder bei irgendwelchen Anlässen von Presseleuten gefragt, was ich mit „Glück“ verbinde.

Ich bitte Sie im Sinne dieser Botschaften des Buches Kohelet jetzt darüber nachzudenken, was für Sie persönlich „Glück“ bedeutet.

Anders formuliert: was ist für Sie ein „geglücktes“ Leben, ein gelingendes Leben?

 

Besinnungspause mit ruhiger Musik.

 

 

 

 

 

 

 

Teil II

 

„Klug sein“ heißt es im Text.

„Damit wir klug werden“ ist das Motto des Kirchentages.

Lasst uns gemeinsam darüber nachdenken, was wir mit klug und mit Klugheit meinen, darunter verstehen.

Überlegen Sie bitte mit mir einen Moment: Welcher Mensch, welche Menschen und welche Begegnungen fallen Ihnen spontan in Verbindung mit klug und Klugheit ein?

 

Kleine Pause

 

Klugheit klingt etwas arg feierlich. „Ein lebenskluger Mensch“, das liegt uns vielleicht schon näher. Lebenskluge Menschen, das sind in der Regel erfahrenere Menschen, die wissen, wie man es anstellen muss, damit man dahin kommt, wo man hinkommen möchte, das erreicht, was man erreichen möchte.

Klug sein steht irgendwie in Verbindung mit weise sein.

 

Nun kennen wir aber auch, dass wir den einen für klug und einen anderen für clever einschätzen. Was ist das gemeinsame, was der Unterschied?

 

Der Clevere ist eher der Dynamiker, der kalkuliert, wie er seine Ziele erreicht. Vielleicht clever kühl, ein Gewinnertyp, der auch flexibel genug ist, gegebenenfalls auf ein anderes Pferd zu setzen.

Clevere haben durchaus oft eine wichtige Rolle, aber zu wem haben wir mehr Vertrauen – zum Cleveren oder zum lebensklugen Menschen?

Der Clevere hat bestimmte Fertigkeiten.

Klugheit ist mehr, es ist auch eine Haltung.

Klugheit gilt in der Weisheitstradition gewissermaßen als eine Grundlage der Kardinaltugenden. Als solche werden in der Tradition benannt: Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung, Glaube, Liebe und Hoffnung.

Was unterscheidet also die Klugheit von der bloßen Cleverness?

Beiden ist gemeinsam ein wacher Geist und Sinn für die Situation und für Entwicklungen.

Der Maßstab der Klugheit ist aber nicht primär der Erfolg, schon gar nicht der Erfolg um jeden Preis, sondern das Verantwortbare. Der Kluge will in der gegebenen Situation das Bestmögliche erreichen und dies nach moralisch qualifizierten Maßstäben. Klugheit und Verantwortungsethik sind in einer engen Verbindung. Es ist der Maßstab überall dort, wo es nicht um eindeutige Situationen im Hinblick auf das Gebotene geht, um eindeutige Situationen, die mit einem klaren Ja oder Nein bewertet werden können, sondern um Abwägungen. Wo also Abwägung gefordert ist und nicht eine Prinzipientreue um jeden Preis der richtige Maßstab für das ethisch Verantwortbare sein kann.

Damit ist Klugheit in einer engen Verbindung mit der Abwägung und der Bereitschaft zum Kompromiss.

Klugheit verlangt die Bereitschaft und die Fähigkeit zur „Unterscheidung der Geister“, wie es in den spirituellen Übungen der Jesuiten nicht nur formuliert ist, sondern ein wesentlicher Aspekt der Spiritualität und des Glaubensvollzuges ist.

 

Aber auch für jeden heißt es immer wieder: Was ist jetzt notwendig? Welchen Entscheidungen darf ich nicht ausweichen, welche Kompromisse nicht eingehen und welche sind notwendig – und sei es nur, um das geringere Übel gegenüber dem größeren realisieren zu können. Welche kritischen Stimmen sollte ich ernst nehmen, welchen muss ich um der Wahrhaftigkeit und um der Wirkung willen auch widerstehen und widersprechen.

Klugheit ist also ein verantwortetes Handeln.

„Was ist jetzt notwendig und richtig?“, ist also die zentrale Klugheitsfrage.

Für die Antwort sind aber unabdingbare Voraussetzungen entsprechende ethische Maßstäbe. Es ist auch Voraussetzung, dass wir uns nicht in ein Wunschdenken flüchten, uns nicht ein X für ein U vormachen lassen. Klug ist es die Größenordnungen der einzelnen Sachverhalte zu erkennen, die Rangfolge der Prioritäten und das Gewicht der Argumente.

Wenn in unserer Gesellschaft heimlich oder offen das Leitbild der Clevere ist, der mit möglichst wenig Anstrengung überall möglichst viel herausholt, fehlen eben die ethischen Maßstäbe für verantwortliches Handeln. Der kluge Mensch sucht die Maßstäbe für die richtige Abwägung, für das was er verändern und nicht verändern kann.

Engagement mit Klugheit ist in enger Verbindung mit Gelassenheit.

Persönlich begleitet und fasziniert mich immer wieder eine Formulierung von Teilhard de Chardin, von der „engagierten Gelassenheit“.

 

Klugheit, das ist von uns Christenmenschen und von unseren Kirchen auch gefordert, wenn es um Entwicklungen in unserer Gesellschaft geht, die den traditionellen christlichen Maßstäben widersprechen.

Jürgen Werbick, Professor für Fundamentaltheologie, hat in einem Buch zum 60. Geburtstag von Pater Anselm Grün („Mit einem weiten Herzen“, Herder 2005) dazu geschrieben:

 

„Klugheit braucht den Zwischen-Raum zwischen herausgefordert sein und handeln müssen; den Ruhe-Raum des Bedenkens, damit die wahren Größenordnungen hervortreten, das zu schützende wahrgenommen, das zu erstrebende geschmeckt und die Verführungen durchschaut werden können. Diese Räume offen zu halten, ein spiritueller Mensch zu sein, einer, der im Geist Gottes unterscheiden lernen will. Es wäre klug, wenn es den Kirchen vorrangig darum ginge, solche Räume des Bedenkens zugänglich zu halten – sie aber nicht zu verwechseln mit den Aktionsräumen einer Indoktrinierung, die allenfalls clever macht. Ob die Kirchen so viel Klugheit aufbringen in ihrer Angst um die eigenen Einflussmöglichkeiten? (…) Das Zeugnis der Gottes- und Weltklugheit traut man den Christen nicht mehr recht zu. Umso mehr Aufmerksamkeit finden glaubende Menschen, die ein wenig von dem sichtbar machen können, was es heißt, Größenordnungen und „Geister“ zu unterscheiden; zu beurteilen wie „es geht“, die Herausforderungen zu erkennen, denen wir jetzt nicht ausweichen dürfen.“

 

Pause – ruhige Musik

 

Teil III

 

Erinnern wir uns nochmals an unseren Text: Es geht ja auch um das Glück, das Lebensglück, um die richtige Lebensweise angesichts der Güter dieser Welt und der Unergründlichkeit des Lebens.

In unserer heutigen Sprache würden wir wahrscheinlich formulieren:

Es geht um die richtige Lebenskultur im Wohlstand angesichts der Unruhe in der Welt.

Und es stellt sich gleich die Frage hinzu: Gibt es dafür auch eine spezifische „christliche Lebenskultur?“

Das ist ein weites Feld und immer nur in der jeweiligen konkreten Lebenssituation auch konkret zu erleben.

 

Ich will dafür vier knappe Impulse geben:

 

  1. Die Verbindung von Freiheit und Verantwortung ist für mich das christliche Lebensmodell schlechthin.

 

  1. Alles Leben ist Begegnung (Martin Buber).

 

  1. Bewusst leben ist ein souveräner Lebensstil und führt zur inneren Freiheit.

 

  1. Das Vertrauen auf Gott gibt uns die notwendige Gelassenheit.

 

 

1. Impuls

Die Freiheit des „Christenmenschen“ ist ein zentrales Thema der reformatorischen Bewegung. Gleichwohl wird aber in der heutigen Welt nicht nur mit der katholischen Kirche, sondern mit der Christenheit in ihrer Vielfalt insgesamt weniger das Thema Freiheit verbunden.

Viele Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft, bis hin zu großen Krisen und Verwerfungen wie mit der Finanzkrise, haben ihre eigentliche Wurzel in einem Anspruch auf Freiheit, die nicht mehr mit der jeweiligen Verantwortung verbunden ist.

Freiheit von etwas und nicht für etwas.

Für Christen ist die Freiheit untrennbar verbunden mit der Verantwortung gegenüber dem eigenen geschulten Gewissen.

Damit unauflöslich verbunden mit der Verantwortung für die Folgen meines Handelns für andere Menschen, Nahen und Fernen, den Lebenden und den Nachfolgenden.

In der Einstellung zur Freiheit geht auch ein Riss durch die Religionen und oft innerhalb derselben Glaubensgemeinschaft. Wo der Gehorsamsglaube und der Buchstabe des Gesetzes gelten, gibt es keine Freiheit. Hier geht es zentral um das Glaubensverständnis, um das Kirchenverständnis und um das Weltverständnis.

Es konkretisiert sich in heute so aktuellen Themen wie die Religionsfreiheit, den Einsatz für die Menschenwürde, für die Demokratie. Mit der Freiheit eng verbunden sind Chancen und Gefahren für die Menschen. Und gerade deshalb ist die Einheit von Freiheit und Verantwortung so wichtig. Das Ja zur Freiheit ist in der Konsequenz auch das Ja zum Pluralismus. Freiheit ist nur vordergründig bequem, in Wirklichkeit ist Freiheit anstrengend. Je mehr Wahlfreiheit wir haben, umso mehr.

Mit dem Anspruch auf Freiheit eng verbunden ist oft auch der Anspruch auf Autonomie, wie wir dies gegenwärtig ja auch in der Debatte um den ganzen Themenkreis der sogenannten „Sterbehilfe“ und der Sterbebegleitung erleben.

Die Grenzen der Freiheit müssen wir im Hinblick auf die Auswirkungen des Freiheitsanspruchs des Einzelnen auf andere Menschen definieren. Die „Sozialverträglichkeit“ der Freiheit, die Freiheit des Einzelnen und die Ordnung des Zusammenlebens müssen miteinander in die richtige Balance kommen.

Die Freiheit in der offenen Gesellschaft müssen wir als Christenmenschen vor allem auch verbinden mit der Bereitschaft zum Engagement für das Gemeinwesen, für das gute Zusammenleben, für die gerechte Ordnung.

Dazu gehört, dass wir nicht nur „kritikfähig“ sind, sondern vor allem „urteilsfähig“!

Urteilsfähig, indem wir uns mit den Sachverhalten vertraut machen und in Klugheit handeln können.

 

2. Impuls

„Alles Leben ist Begegnung“ hat der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber formuliert.

Meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass alle wesentlichen Entwicklungen meiner Persönlichkeit, alle wichtigen Weichenstellungen und Entscheidungen mit der Begegnung mit Menschen verbunden sind. Damit ist uns gegenwärtig, dass keiner für sich allein lebt, dass wir für unsere Entwicklung und für unsere Existenz auf das Du angewiesen sind. Christliche Lebenskultur ist immer auch auf den Nächsten und auf die Gemeinschaft bezogen. Im christlichen Glauben sind Gottes Liebe und Nächstenliebe untrennbar miteinander verbunden.

„Es gibt so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt“, hat Kardinal Ratzinger einmal formuliert. Zu diesen Wegen gehört die Erfahrung, die Martin Buber so formuliert hat:

„Gott spricht zu den Menschen durch die Ereignisse und Menschen, die er ihm in den Weg schickt.“

Wenn wir auf unseren Lebensweg zurückblicken, werden wir diese Erfahrung der Bedeutung anderer Menschen für unser Leben und die Erkenntnis, dass damit auch die Führung Gottes in unserem Leben sichtbar werden kann, erschließen.

 

3. Impuls

Unser bewusster oder unbewusster Lebenstraum ist immer ein freier, innerlich unabhängiger, ein souveräner Mensch zu sein oder zu werden.

Aber wie erreichen wir diese innere Freiheit?

Im Sinne christlicher Lebenskultur ist ein wichtiger Weg, was Joachim Bodamer so beschrieben hat:

„Frei ist der Mensch, der es schafft, sich in seinem Genussstreben und in seinem Leistungsstreben selbst Grenzen zu setzen.“

Ich finde, das ist eine faszinierende Botschaft und Einsicht. Die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung geht einher mit innerer Freiheit und Unabhängigkeit. Die Möglichkeiten der Zeit zu nutzen, davon aber nicht abhängig zu werden, in diesem Sinne Selbstbegrenzung nicht als Opfergang, sondern vor allem als Chance.

Das ist auch der Wegweiser einer christlich verantworteten Lebenskultur, die dauerhaft tragfähig und zukunftsweisend ist, auch in der Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen und unserer Verantwortung gegenüber den Menschen in allen Regionen dieser Welt.

 

4. Impuls

Das stabile Fundament einer souveränen christlichen Lebenskultur ist die Botschaft, dass die Liebe Gottes zu uns Menschen nie von unserer Leistungsfähigkeit abhängig ist. Der geistliche Schriftsteller Richard Rohr hat es so formuliert: „Die Liebe Gottes ist nie von der Würdigkeit dessen bestimmt, auf den sie zielt, sondern von der Güte Gottes, der sie schenkt.“ („Ins Herz geschrieben“, S. 283)

Dies ist auch eine große Hilfe für die notwendige Gelassenheit angesichts der Unergründlichkeit einer immer unruhiger werdenden Welt.

 

Ich danke Ihnen für das Mitgehen auf diesem Weg und wünsche Ihnen einen guten Tag.

Musik

Abschluss durch die Leitung.

Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)