Freitag, 22. November 2013

Bericht zur Lage (Alois Glück)

Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am 22./23. November 2013

UNKORRIGIERTES REDEMANUSKRIPT
Es gilt das gesprochen Wort                              


Den Wandel gestalten

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder!

Unsere Arbeit im ZdK wurde in den letzten Jahren stark von den Entwicklungen in unserer Kirche geprägt. Mit den tiefen Erschütterungen über den sexuellen Missbrauch im Jahr 2010 begann auch eine neue Etappe. Unser starkes innerkirchliches Engagement war und ist unserer Mitverantwortung für den Weg und die Sendung unserer Kirche geschuldet. Wenn wir von "Kirche" sprechen, meinen wir nicht ein Gegenüber, sondern unsere Gemeinschaft als pilgerndes Gottesvolk.

So wie das ZdK auf dem Weg zur Würzburger Synode, in der Arbeit der Synode und in der Umsetzung der Ergebnisse eine wichtige und unersetzliche Rolle hatte, ist uns auch in dieser unruhigen Phase unserer Kirche eine besonders wichtige Aufgabe und Rolle zugewachsen. Ein Beispiel: Ohne die integrierende und drängende Rolle des ZdK wäre der Dialogprozess auf der Bundesebene und in den Diözesen nicht möglich geworden. Dabei sind wir erst am Anfang des Weges, eines Weges, den wir mit Anstrengung, Spannungen und Auseinandersetzungen, mit einem oft auch beschwerlichen Ringen um das Wirken unserer Kirche in dieser Zeit weitergehen werden. Trotz der Fülle dieser Aufgaben in der Kirche dürfen wir aber unseren Auftrag als Christen in Gesellschaft und Staat nicht vernachlässigen.

Papst Franziskus warnt uns immer wieder vor der Selbstbezogenheit in der Kirche, er spricht gar von einer narzisstischen Theologie. Kirche ist kein Selbstzweck. Das ZdK ist auch kein Selbstzweck.

In diesem Sinne waren wir in den vergangenen Wochen und Monaten als Präsidium und Hauptausschuss unseren Beschlüssen entsprechend aktiv. Die politische Situation in Deutschland ist aktuell vor allem durch die laufenden Koalitionsverhandlungen für die Regierungsbildung geprägt. Der Verhandlungsstand ist offenbar gerade in diesen Tagen sehr schwierig, alle Ergebnisse sind vorläufig und deshalb ist eine abschließende Bewertung noch nicht möglich. Das ZdK-Präsidium hat aus unserer Arbeit der letzten Jahre einige zentrale Erwartungen und Forderungen an den Deutschen Bundestag und die künftige Bundesregierung zusammengestellt. Bereits unmittelbar nach den Wahlen habe ich diese Zusammenstellung mit einem Gratulationsschreiben allen Abgeordneten zugesandt; das Papier wurde auch veröffentlicht. Wir haben uns dabei auf wenige Themen beschränkt, die uns besonders wichtig sind, zu denen wir auch intensiv gearbeitet haben und von denen anzunehmen ist, dass sie in den kommenden Jahren besondere Bedeutung haben werden: Europäische Integration und Überwindung der Finanz- und Schuldenkrise, Fortschritte beim Gemeinschaftswerk Energiewende und im Klimaschutz, Einsatz für Menschenwürde und Schutz des Lebens an seinem Anfang und seinem Ende, Gewährleistung der Wahlfreiheit für Familien und stärkere Anerkennung ihrer Erziehungsleistung.

In diesen Tagen bewegt uns auch besonders die Naturkatastrophe auf den Philippinen und in weiteren Teilen Südostasiens, die uns einmal mehr die Verwundbarkeit unserer Zivilisation vor Augen führt. Wir sind in Gedanken bei den Opfern, bei den vielen Menschen, deren Existenzgrundlage zerstört ist und bei den Helfern, die ihnen nun beistehen. Die Zerstörungen unterstreichen die Dringlichkeit von Fortschritten in der internationalen und deutschen Klima- und Energiepolitik. Diese Fragen spielen bei der heute zu Ende gehenden Weltklimakonferenz in Warschau, auf europäischer Ebene wie auch in den aktuellen Koalitionsverhandlungen in Berlin eine wichtige Rolle. Es muss dabei um die drei Ziele Emissionsminderung, Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieeinsparung gehen, die viel besser aufeinander abgestimmt werden müssen. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die deutsche Zustimmung zu einer Reform des Emissionshandels auf europäischer Ebene. Wir dürfen aber auch bei der Frage der Emissionsreduzierung nicht von den in Europa vereinbarten ehrgeizigen Zielen abgehen.

Ein sorgenvoller Blick ging in den letzten Monaten nach Syrien und Ägypten – um zwei der zahlreichen internationalen Konfliktzonen konkret anzusprechen. Über die aktuelle Entwicklung in Ägypten und die Situation der Christen in der Region wird uns hier in der Vollversammlung am morgigen Samstag dank der Unterstützung von Missio Aachen Dr. Maged Moussa Yanny aus Kairo berichten. In Syrien und den benachbarten Staaten sind mehrere Millionen Menschen auf der Flucht. Sie und viele andere sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. An die noch amtierende und die künftige Bundesregierung appelliere ich, mit Hochdruck innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft eine politische Lösung für Syrien zu finden.

Der Bürgerkrieg in Syrien ist nur eine von vielen unterschiedlichen Ursachen, warum Menschen versuchen, in Europa Aufnahme zu finden. Deutschland nimmt viele Menschen auf, dies ist anzuerkennen, aber dennoch müssen wir uns der Frage stellen, ob unsere bisherige Unterstützung ausreichend ist. Es ist weder mit unserem Menschenbild noch mit unseren Wertvorstellungen von einer Europäischen Union vereinbar, dass immer wieder Menschen an Europas Grenzen den Tod finden. Im Juli erst hat Papst Franziskus mit seinem Besuch auf Lampedusa ein aufrüttelndes Signal der Solidarität mit den Flüchtlingen gesetzt. Wir brauchen eine ehrliche Debatte über Wege der Bekämpfung von Fluchtursachen und ebenso über legale Wege der Zuwanderung. Es geht um eine Frage der Humanität – und unseren zentralen Wert: die Würde des Menschen.
Lassen Sie mich aber auch noch eine erfreuliche Entwicklung würdigen. Vor wenigen Wochen haben wir den 40. Jahrestag der Gründung des Maximilian-Kolbe-Werks gefeiert. An der Gründung war das ZdK maßgeblich beteiligt, und es ist bis heute eng mit seiner Arbeit verbunden. Stellvertretend danke ich hier dem Präsidenten Peter Weiß. Das Maximilian-Kolbe-Werk hat einen großen Beitrag zur Versöhnungsarbeit, vor allem mit Polen, geleistet. Angesichts der vielen politischen, ethnischen und religiösen Spannungen ist es eine bleibende Herausforderung, dass wir uns in Europa zusammen mit anderen kirchlichen Partnern für Versöhnung und ein friedliches Zusammenleben engagieren.


Mich beschäftigt seit einigen Monaten sehr intensiv die Frage, welchen Beitrag wir als Katholikinnen und Katholiken über die Aktualität hinaus zu den prägenden Entwicklungen unserer Zeit zu leisten haben.
Wie ist eine entsprechende Wirksamkeit unter den heutigen Bedingungen möglich?
Für die Antwort auf diese Fragen müssen wir die veränderten Situationen in der Gesell-schaft und in unserer Kirche wahrnehmen.

Die Meinungsbildungsprozesse in der Gesellschaft verlaufen heute erheblich anders als vor zwanzig oder dreißig Jahren. Die Verbände, auch die Großorganisationen, haben nicht mehr die prägende Bedeutung für die Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Politik. Andere Wege der Kommunikation und Meinungsbildung werden immer dominanter. Noch mehr hat sich die Situation der Kirche verändert, im Inneren und was ihre Rolle in der Gesellschaft angeht.

Die Entwicklung lässt sich vor allem als Machtverlust im Einfluss auf die Lebensgestaltung der einzelnen Menschen – auch der Gläubigen –, als Machtverlust im Einfluss in der Gesellschaft beschreiben. Die mit dem Verlust der Macht schwindende Bedeutung von Institution und Ämtern ist schmerzlich. Aber sie ist auch eine Chance! Der Verlust dieser Art von Macht ist die Chance der Kirche, ihren Weg auch als hörende und dienende Kirche zu finden.

Mit dem Argument, weil etwas "Tradition" ist, weil etwas "christlich" ist, ist im Hinblick auf gesellschaftliche und politische Fragen heute kein prägender Einfluss mehr möglich. Auch nicht bei der Mehrheit der Gläubigen. Wer die Entwicklungen in Gesellschaft und Politik beeinflussen will, kann nicht mehr einfach Gehorsam und Gefolgschaft verlangen. Wir müssen werben und überzeugen.

Wenn Kardinal Reinhard Marx anlässlich einer Rede zum 100. Geburtstag von Kardinal Julius Döpfner mit Blick auf die innerkirchliche Situation feststellt: "Es kann nicht sein, dass das Lehramt bestimmt und die Gläubigen gehorchen", so gilt dies erst recht für die Situation und das Handeln der Christen in Gesellschaft und Staat – und noch mehr natürlich, wenn wir all diejenigen ansprechen wollen, die sich der katholischen Kirche nicht zugehörig fühlen. Das erfordert einen Wechsel im Selbstverständnis der Kirche in der Gesellschaft, einen Wechsel der Perspektiven. Häufig auch einen Wechsel in der Art zu argumentieren.

Es geht also darum, den Mitmenschen überzeugend zu vermitteln, dass die Werte und Positionen, die uns wichtig sind, sei es im Lebensschutz oder in Fragen der Gerechtigkeit, des Umweltschutzes und in allen anderen Bereichen, gut und wichtig sind für den einzelnen Menschen und für den Weg der Gesellschaft. Um der Menschen willen, nicht um der Kirche willen. Wir vertreten unsere Positionen ja nicht als eine christliche Sondermoral. Wir vertreten sie als Dienst und Beitrag für ein gutes Leben der Menschen.

Dabei müssen wir gesprächs- und dialogfähig sein. Selbstgerechte Demonstrationen der eigenen hohen Moral mit entsprechender Anklage an alle Andersdenkenden überzeugen nicht, sie erzielen keine Wirkung. Dies verschärft sich noch, wenn die Beobachter den Eindruck gewinnen, dass auch noch menschliche Kälte gegenüber menschlichen Nöten im Spiel ist.

Diese Situation ist eine hohe Anforderung an unsere Fähigkeit, bei ständig komplexeren Sachverhalten sachgerecht, sprachlich und menschlich überzeugend zu argumentieren. Aber nur so können wir im geistigen Wettbewerb einer offenen Gesellschaft auch wirksam sein. Unsere erst vor zwei Wochen durchgeführte Tagung zu Fortpflanzungsmedizin und Gendiagnostik als Herausforderung für die Kirchen könnte in diesem Sinne modellhaft sein.

Unser größtes Problem ist nicht, dass christliche Werte keine Chancen mehr haben. Immer mehr Menschen suchen nach Orientierung für ihr Leben und für den richtigen Weg der Gesellschaft. Unser größtes Problem ist, dass zu wenig Menschen aus unseren Gemeinschaften in die vielfältigen Aufgaben im öffentlichen Leben gehen. Und die Engagierten benötigen aus der Kirche mehr Unterstützung und mehr Respekt.

Für Christen gibt es thematisch grundsätzlich keine Begrenzung. Für jede Aufgabe gilt der Maßstab des verantwortlichen Handelns vor Gott und den Menschen. Es gibt jedoch Themen, bei denen in besonderer Weise unser Beitrag als Christen gefordert ist, Aufgabenstellungen, bei denen die Verbindung von Wertorientierung und Sachkompetenz besonders wichtig ist.

Für die Wirksamkeit ist es auch wichtig, die Vielfalt der Aktivitäten in Schwerpunkten und unter Leitthemen zu bündeln. Ich schlage für die weiteren Beratungen, z. B. für die Klausurtagung des Hauptausschusses im Februar, einige Schwerpunktthemen vor:

1.    Die zentrale Orientierung jeder Politik ist das jeweilige Menschenbild. Unsere Orientierung ist das Menschenbild der christlichen Wertetradition. Dieses prägt auch unser Grundgesetz. Dort steht in Artikel 1:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten, zu schützen, ist Verpflich-tung aller staatlichen Gewalt."
    
Wir Christen müssen in besonderer Weise Anwälte der Würde des Menschen sein. Wo ist diese Würde in der modernen Welt von heute, bei uns, in Europa und weltweit, bedroht? Wenn wir entschiedene und leidenschaftliche Anwälte der Würde des Menschen sind, wenn wir so erfahren und erlebt werden, braucht es nicht mehr viele Debatten um den Platz des Christentums in der modernen Gesellschaft.
Die Themen des Lebensschutzes vom Beginn bis zum Ende sind dabei von zentraler Bedeutung. Die Debatten über lebenswertes und nicht lebenswertes Leben sind Alltag. Auch in der neuen Wahlperiode wird sich der Bundestag wieder mit den Themen Embryonenschutz und Sterbehilfe auseinandersetzen müssen und wir werden uns wieder entsprechend engagieren. Die Aufgabe, die Würde des Menschen zu schützen, ist aber nicht auf diesen Themenbereich begrenzt. Wir werden immer tiefer verstrickt in eine Verzweckung des Menschen nach dem Maßstab der Nützlichkeit.

Die Menschenwürde, die Frage nach dem Menschenbild ist auch der zentrale Maßstab für die Unterscheidung der Geister bei aktuellen Entwicklungen, etwa auch im Umgang mit den Flüchtlingen. Auch gegenüber rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften, die oft Werte beschwören und gleichzeitig Menschen anderer Prägung abwerten, ausgrenzen, Hass sähen, müssen wir Christen unsere Haltung am Maßstab Menschenwürde festmachen.
    
Jan Roß, Redakteur bei der "ZEIT", schreibt in seinem Buch "Die Verteidigung des Menschen – Warum Gott gebraucht wird":
"Dass der Mensch als Gottes Ebenbild verstanden wird, ist eine letzte, höchste Garantie für diesen unauflöslichen Rest. Es sollte geistige und praktische Vergewaltiger des Menschen abschrecken […]. Ohne den Schutz des religiösen Tabus wird der Mensch berechenbar für die Wissenschaft, kontrollierbar für die Macht, eine Funktion der biologischen, psychischen und sozialen Realität. Warum nicht versuchen, ihn zu interessieren, zu verbessern oder abzuschaffen? Der geheimnislose Mensch ist der verfügbare Mensch."

Wohl deshalb haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes in die Präambel ge-schrieben, dass sich das deutsche Volk diese Verfassung "in Verantwortung vor Gott und den Menschen" gibt. Diese Dimension der Religion in einer zunehmend säkularen Gesellschaft den Menschen zu vermitteln, ist auch unsere Aufgabe. Wer soll es denn sonst tun?

2.    In Artikel 6 des Grundgesetzes steht:

"Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung."
    
Nach dem Medienbild könnte, ja muss man annehmen, dass die Familie nicht mehr zeitgemäß ist. Das entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Besonders erfreulich ist dabei die Entwicklung bei den jungen Menschen. Bis Ende der 1980er Jahre fanden nur gut 40 Prozent der Altersgruppe bis 30 Jahre, dass Familie eine Voraussetzung für das Glück und Ziel ihres Lebensentwurfes ist. Mittlerweile liegt die Zustimmung bei fast
80 Prozent dieser Altersgruppe. Ebenso wenig stimmt die öffentliche Wahrnehmung, dass die klassische Familie aus Kindern und ihren miteinander verheirateten Eltern eher ein Auslaufmodell sei. Trotz dieser überragenden Bedeutung der Familie für den einzelnen Menschen und für die Gesellschaft stehen aber die realen Lebensbedingungen für Familien, für Elternschaft und für Kinder oft im Widerspruch zu dieser großen Bedeutung. Viele junge Frauen und Männer wünschen sich Kinder. Aber sehr viele können wegen der realen Bedingungen, der strukturellen Rücksichtslosigkeiten gegenüber der Familie diesen Wunsch nicht verwirklichen. Hier sollte der Schwerpunkt unserer familienpolitischen Debatten und unseres Engagements für Familien sein. Die vielfältigen realen Bedingungen für die Familien, mit kleinen Kindern, mit der Realität mehrerer Generationen als Konsequenz aus der langen Lebenszeit, mit dem Wunsch in Würde alt werden und sterben zu können, gehören dazu.
    
Wir leben gegenwärtig in einer Phase wichtiger grundsätzlicher Weichenstellungen für die Familienpolitik. Was sind die Maßstäbe der Familienpolitik? Warum werden mit den Gutachten für die Gesamtevaluation familienbezogener Leistungen fast nur wirtschaftswissenschaftliche Institute beauftragt? Warum werden die Leistungen der Familien für die Erziehung, für den Generationenvertrag, für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, nicht entsprechend gewürdigt?
    
Die grundsätzlichen normativen Debatten und Regelungen sind unverzichtbar wichtig und wir werden uns dafür weiter engagieren. Wir sind in Gesellschaft und Staat hier aber auch nur dann glaubwürdig, wenn wir uns auch für die Verbesserung der realen Lebensbedingungen von Familien entsprechend wirksam engagieren. Die Aufgabe, die Herausforderung heißt: Wie können wir den Auftrag von Artikel 6 des Grundgesetzes unter den realen Bedingungen dieser Welt wirksamer gestalten? In den beiden letzten Sitzungen des Hauptausschusses haben wir die Familienpolitik als einen besonderen Schwerpunkt der kommenden Monate vereinbart.

3.    Der notwendige Wandel zu einer zukunftsfähigen Kultur

Schon mehrfach habe ich an dieser Stelle gesagt: Unsere heutige Art zu leben ist nicht zukunftsfähig.
Nicht ökonomisch – wir erarbeiten seit längerem nicht mehr, was unsere Art zu leben kostet. Ständig weitere Verschuldung auf Kosten der Nachkommen kann nicht die Lösung sein.
Nicht ökologisch – die Überlastung und die Ausbeutung der Erde und die damit ver-bundenen Folgen sind offensichtlich.
Nicht menschlich – immer mehr Menschen bei uns sind mit dieser Art zu leben überfordert und werden krank. Die ständig steigende Zahl psychischer Erkrankungen und wachsende soziale Spannungen in weiten Teilen der Welt sind dafür beunruhigende Indizien.

Das Weltwirtschaftsforum hat eine weltweite Umfrage unter rund 1500 Führungskräften durchgeführt. Zusammenfassend wird das Ergebnis so beschrieben: "Die globale Elite fürchtet zunehmende soziale Spannungen in der Welt. Die anhaltend hohe strukturelle Arbeitslosigkeit in vielen Volkswirtschaften, Armut und eine wachsende wirtschaftliche Ungleichheit in vielen Regionen gelten globalen Entscheidern als die größte Herausforderung in den kommenden Monaten." (Die Welt am 15.11.2013, "Angst vorm Aufstand der Massen") Dazu wären noch die Themen Klimawandel, Verschuldung, Flüchtlingsströme, Konflikte um Energie und Rohstoffe u. a. zu nennen.
Deshalb ist es eine Aufgabe von historischer Dimension, den Weg zu einer zukunftsfähigen Kultur zu entwickeln, zu einer Lebenskultur, die langfristig und in weltweiter Solidarität tragfähig ist. Eine zukunftsfähige Kultur ist eine Kultur der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist eine alle Themen und Lebensbereiche umfassende grundsätzliche Orientierung.

Nun kann man fragen, warum Nachhaltigkeit gerade für uns eine besonders wichtige Aufgabe sein soll, es reden doch ohnehin alle davon. Meine Antwort: Nachhaltigkeit ist mehr als ein technisch-ökonomisches Projekt. Nachhaltigkeit ist ohne ein festes Wertefundament nicht realisierbar.

In einer Gesellschaft mit dem Leitbild der Cleveren, in der als "dumm" gilt, wer nicht überall das Maximale für sich herausgeholt hat, in der nur akzeptiert wird, was mir persönlich nützt, kann Nachhaltigkeit nicht verwirklicht werden!

Der Weg der Nachhaltigkeit braucht auch ein anderes Leitbild als die Konsumgesell-schaft. Dafür braucht es die Solidarität mit den Nachkommen und den Menschen in anderen Regionen dieser Welt. Nachhaltigkeit ist ein Leitbild, das in allen Religionen und Kulturen eine Heimat hat. Nachhaltigkeit ist damit eine umfassende "Navigations-Orientierung".

-    Alle sozialen und politischen Prozesse können nach dem Kriterium Nachhaltigkeit beurteilt werden, ob sie langfristig möglich und tragfähig sind.
-    Der Maßstab Nachhaltigkeit ist fachübergreifend, er gilt für ökologische, ökonomische und soziale Aspekte und Entwicklungen.
-    Der Maßstab Nachhaltigkeit ist damit geeignet, politische und gesellschaftliche Entscheidungen in ihrer Wirkung auf Gegenwart und Zukunft zu beurteilen.
-    Das Leitbild Nachhaltigkeit wirkt nicht konservierend, sondern innovativ.
-    Dieses Leitbild ist eine geeignete Orientierung im Sinne eines qualitativen Wachstums.
-    Nachhaltigkeit wirkt stabilisierend für das Zusammenleben der Generationen und der Völker.
-    Nachhaltigkeit ist damit eine umfassende Navigations-Orientierung.

Dafür müssen neue Leitbilder und Maßstäbe für Wohlstand und für den Fortschritt entwickelt werden, ähnlich wie es in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg das Ziel "Unseren Kindern soll es besser gehen" gab.
    
Dabei war Nachhaltigkeit schon für frühere Generationen eine Überlebensfrage. Nur so konnten die Lebensgrundlagen für die Familien und für die nächste Generation erhalten bleiben.
Jetzt ist der Maßstab Nachhaltigkeit wieder zur Überlebensfrage geworden. Die Überlebensfrage für die Nachkommen, die Überlebensfrage schon jetzt für viele, deren Lebensräume durch die Ausbeutung der Natur zugunsten der Wachstumsgesellschaften ruiniert werden.
Kurt Biedenkopf hat in seinem Buch "Die Ausbeutung der Enkel" die Situation so be-schrieben: Wir leben in einer Zeit der Entgrenzungen, immer neuer Möglichkeiten. Die Geschichte würde aber lehren, dass solche Kulturen längeren Bestand hatten, die auch die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung entwickelten. Vieles spricht dafür, dass die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung die Schlüsselfrage für die Zukunft der modernen Zivilisationen ist. Aber: Wie sollen wir die Motivation, die Kraft zur Selbstbegrenzung gewinnen? Woher nimmt ein Volk die Kraft sich so zu verhalten wie Eltern, die um der Zukunft ihrer Kinder willen auf manches verzichten, das nicht lebensnotwendig ist?

Nachhaltigkeit leben führt zum bewussten Umgang mit den Gütern, verlangt die Be-reitschaft zur Selbstbegrenzung.

Die Kultur der Nachhaltigkeit ist die Kultur des rechten Maßes und damit zugleich eine zentrale christliche Einsicht und Tugend und eine besondere Chance für unser Leben. Joachim Bodamer hat es so formuliert: "Frei ist der Mensch, der es schafft, sich in seinem Leistungsstreben und in seinem Genussstreben selbst Grenzen zu setzen".

Mit der grundsätzlichen Orientierung sind natürlich die großen sachlichen Herausforderungen noch nicht gelöst. Da ist viel Neuland, dafür sind Lernprozesse notwendig. Entscheidend ist, dass wir die Notwendigkeit sehen und uns auf den Weg machen.
Die Energiewende ist dafür ein Schlüsselprojekt, ein Pilotprojekt für den Wandel zu nachhaltigen Lösungen, ein Pilotprojekt von weltweiter Bedeutung. Bei diesem Projekt erleben wir auch die Komplexität solcher Veränderungen.

Ich komme zur Entwicklung in unserer Kirche.

Eine grundsätzliche Feststellung vorab: Im Mittelpunkt aller unserer Bemühungen muss immer die Glaubensfrage stehen. Die Glaubensfrage, die Gottesfrage unter den Bedingungen des Wandels. Wir kommen aus der Zeit der Volkskirche, des Glaubens in den Denk- und Lebenswelten der damaligen Zeit mit der starken Rolle der Autoritäten, des Milieus mit starker Sozialkontrolle. Was heißt nun unter den heutigen Bedingungen Glaube und kirchliches Leben, in einer Zeit gewaltiger Veränderungen durch die wissenschaftlichen, technischen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen?

Diese zentrale Fragestellung müssen wir immer wieder zum Maßstab all unserer Überle-gungen machen. Um nochmals Jan Roß zu zitieren: "Nur von den großen Glaubensfragen her gewinnt das Kirchliche und Kirchenpolitische seinen Sinn, sonst wird es leer und öde, ganz gleich, ob es mit orthodoxer oder 'kritischer Tendenz' betrieben wird."

Wir stehen in einer Zeit ungewöhnlicher innerkirchlicher Dynamik. Einige der großen Herausforderungen, die uns in diesen Tagen beschäftigen, waren in dieser Weise vor einem halben Jahr, bei meinem letzten Lagebericht, noch gar nicht absehbar.

Von schmerzlicher Aktualität sind die Entwicklungen, die von der Leitungskrise in der Diözese Limburg ausgehen. Es handelt sich nicht mehr um eine diözesane, regionale, abgrenzbare Krise, sondern der Vertrauensverlust belastet unsere Kirche als ganze – und er betrifft darüber hinaus, das haben auch die Beratungen der Synode der EKD gezeigt, selbst die evangelische Kirche. Seit dem Aufdecken der Fälle sexuellen Missbrauchs ist dies für die Kirche in Deutschland die größte Belastung, die größte Erschütterung, ein tiefer Einschnitt. Dort, wo in den vergangenen Jahren durch Aufarbeitung und strukturelle Konsequenzen mühsam Vertrauen wieder aufgebaut werden konnte, sehen sich viele engagierte Christen erneut in Misskredit gebracht.

Was ist nun zu tun? Von zentraler Bedeutung ist sicherlich einmal mehr, dass völlige Transparenz hergestellt wird. Es ist wichtig, dass die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Prüfungskommission die verschiedenen Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Umbau des Bischofshauses und des Diözesanen Zentrums in Limburg gründlich durchleuchten kann und der Prüfbericht dann auch veröffentlicht wird. Nur so kann man den längst kursierenden Verschwörungstheorien, hier solle ein theologisch unbequemer Bischof beiseite geschafft werden, überzeugend begegnen. Denn es geht hier – losgelöst von der menschlichen Tragik dieses Falles – nicht um einen theologischen Richtungsstreit, sondern um die Kosten des Bauprojekts, die Informationspolitik, die Rolle des Bischofs, ebenso aber auch von Mitarbeitern und die Rolle der Gremien. In diesem Zusammenhang war es eine gute und richtungsweisende Entscheidung von Papst Franziskus, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und der Diözese eine Auszeit zu ermöglichen, ein Moratorium, in dem die erhobenen Vorwürfe in einem fairen, transparenten Verfahren einer Klärung zugeführt werden. In diesem Sinne sollte dieses Prüfverfahren auch ein Modellfall für andere Verfahren in unserer Kirche werden. Es ist ja leider so, dass in unserer Kirche bei vielen Vorgängen und Sachverhalten einen Mangel an Transparenz, an Anhörung aller Beteiligten besteht, etwa im Sinne einer unabhängigen Verwaltungsgerichtsbarkeit. Ich finde, es ist Zeit, hier endlich weiterzukommen!

Die Erfahrungen in Limburg zeigen uns auch ganz deutlich, wie wichtig eine funktionierende, korrekte Gremienarbeit und die qualifizierte Beteiligung von fachlich geeigneten und selbstbewussten Laien ist. Wenn es nur bei einer im Zweifelsfall folgenlosen Beratungstätigkeit bleibt, empfinden viele qualifizierte Personen solche Tätigkeiten nur als Alibi und sind kaum bereit, entsprechend mitzuarbeiten. Strukturen müssen auch nach außen nachvollziehbar und vertrauensstiftend sein. In diesem Sinne ist z. B. zu bedenken, ob es nicht von vornherein Befangenheit und damit die Einschränkung sachgerechter Kontrolle fördert, wenn etwa der Bischof oder sein Beauftragter die Kontrolleure selbst beruft. Qualifizierte Gremienarbeit hat auch eine Schutzfunktion für die Entscheider, seien es Bischöfe, Pfarrer oder Laien. Dafür braucht es freilich eine entsprechende Führungs- und Leitungskultur. Wenn Hinweise auf Bedenken oder Widerspruch durch Mitarbeiter oder Gremienmitglieder vermeintlich "ungehörig" sind oder gar zu einer Mutprobe werden, wird eben geschwiegen.

Das ZdK hat schon Mitte der 1990er Jahre mit dem Beschluss "Dialog statt Dialogverweigerung" sehr konkrete Vorschläge gemacht, die allerdings kaum aufgegriffen wurden. Wir werden – auch im Sinne des gerade Gesagten – nicht aufhören, solche Vorschläge zu machen!

Der Blick auf eine Widerspruch einfordernde Führungs- und Leitungskultur ist aber nur die Innenseite. Die Vorgänge haben auch eine Außenseite: Die Debatte um die Vorgänge in Limburg hat sich längst zu einer Generaldebatte über Kirche und Geld, um Transparenz in den kirchlichen Finanzen, um die Finanzleistungen des Staates an die Kirchen und in der Eigendynamik zu einer ausgeweiteten Debatte um das Staat-Kirche-Verhältnis entwickelt.

Wieder stehen wir vor der Alternative, ob wir den absehbaren Wandel aktiv gestalten wollen oder ob wir ihn mit viel Selbstmitleid lediglich erleidend hinnehmen wollen. Wer da seine Kraft mit hinhaltendem Widerstand vergeudet, verliert jede Gestaltungskraft. Dabei geht es um zwei Perspektiven: die Anfragen und die Kritik von außen und um die Konsequenzen aus den inneren Veränderungen in unserer Kirche. Beides gilt übrigens für die evangelische Kirche ebenso. Beide Kirchen müssen überlegen, wie sie in der Gesellschaft künftig präsent sein wollen und können. Dies erfordern auch die zurückgehenden Potenziale an Personal und Finanzen.

Wichtig ist, dass die Situation und die Entwicklung von Bischöfen und Laien gemeinsam beraten werden. Das Thema geht insbesondere auch diejenigen Katholiken an, die in den öffentlichen Debatten gefordert sind, die in den Parlamenten und politischen Gremien beraten und entscheiden müssen. Deshalb sollte ein geeigneter Weg für gemeinsame Beratungen gefunden werden.

Für die öffentliche Debatte und für die Entscheidungen ist ein überzeugender kirchlicher Beitrag aber nur möglich, wenn dafür auch die notwendige innerkirchliche Klärung der eigenen Linie rasch erfolgt. Derzeit kann ich hier nicht optimistisch sein.

Dabei ist es nicht notwendig, dass wir uns nur in eine defensive Verteidigungsposition begeben. Der Beitrag der katholischen Kirche und der christlichen Kirchen insgesamt zum Wohl unseres Gemeinwesens ist von außerordentlicher Bedeutung. Dies zeigt sich besonders in den großen Aufgabenfeldern der sozialen Leistungen und der Bildung, ist aber bei weitem nicht darauf begrenzt. Es geht also darum, mit Weitblick und mit Selbstbewusstsein die öffentliche Debatte mit zu gestalten.

Zu einem anderen, aus unserer Sicht erfreulicheren Thema: Wir verdanken Papst Franziskus in den ersten Monaten seines Pontifikats eine ganze Reihe von überraschenden, erfrischenden, auch aufrüttelnden Impulsen. Er hat für das kommende Jahr eine außerordentliche Bischofssynode zur Familienpastoral einberufen und zur Vorbereitung einen Fragebogen in Umlauf bringen lassen. Anders als bei bisherigen Bischofssynoden können und sollen dabei auch die Gemeinden und die Familien selbst einbezogen werden. Es ist eine große Chance und ein Signal für den Dialog in unserer Kirche insgesamt, dass sich die Laien im Rahmen dieser Umfrage zu den Themen wie Ehe, Familie und Sexualität äußern und ihre Gedanken und Ansichten in die Vorbereitungen der Bischofssynode einbringen können. Zugleich ist es ein ehrgeiziges Unterfangen, in der kurzen zur Verfügung stehenden Rückmeldezeit diese Konsultation zu ermöglichen. Ich bitte insbesondere unsere Verbände und Räte auf der diözesanen Ebene, die Chance zu ergreifen, ihre bestehenden Strukturen zu nutzen und einen Beitrag zur Meinungsbildung in diesen für unsere innere und äußere Glaubwürdigkeit so wichtigen Fragen zu leisten. Der Dialogprozess in unserer Kirche kann hier ganz konkret werden. Auch als ZdK werden wir in den nächsten Wochen eine Stellungnahme abgeben und öffentlich machen.

In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage nach dem Platz und der Teilhabe der wiederverheirateten geschiedenen Menschen in unserer Kirche, die uns schon so lange beschäftigt. Viele von uns sind vor einigen Wochen durch die Veröffentlichung einer Arbeitshilfe des Seelsorgeamtes im Erzbistum Freiburg ermutigt worden. Der darin proklamierte Weg einer begründeten, fundierten Gewissensentscheidung hebt keineswegs den Grundsatz der Unauflöslichkeit der Ehe auf. Im Vordergrund steht hier aber nicht das lehramtliche Gesetz. Zuerst kommt die Zuwendung zu den Menschen, die Vermittlung der Liebe Gottes zu den Menschen. Das ist letztendlich wichtiger als eine Starrheit im Gesetz. Sie wissen, es gibt dazu auch andere Stimmen, bis hin zu der Aufforderung, die Arbeitshilfe zurückzuziehen. Genau das kann und darf aber in der Situation, in der wir als katholische Kirche heute stehen, im Pontifikat von Papst Franziskus und mitten im Dialogprozess, nicht mehr geschehen. Insofern sind die Initiative aus dem Erzbistum Freiburg und die an vielen anderen Orten angestellten Überlegungen, die in eine ähnliche Richtung weisen, ganz sicher eine Frucht des bisherigen Dialogprozesses der katholischen Kirche in Deutschland. Ich bin zu-versichtlich, dass durch die außerordentliche Bischofssynode im kommenden Jahr auch in der Weltkirche etwas in Bewegung kommt.

Von großer Bedeutung, weit über den unmittelbar betroffenen Personenkreis hinaus, ist auch eine Neuregelung des kirchlichen Arbeitsrechtes. Paul Kirchhof hat die notwendige Kursbestimmung in einem Interview so beschrieben: "Der Arbeitgeber bestimmt grundsätzlich das Arbeitsleben, nicht die private Lebensführung des Arbeitnehmers. Diese Regel sollte auch von den Kirchen übernommen werden. Ausnahmen gelten, wenn, wie beim Geistlichen, privates und berufliches Handeln ineinandergreifen oder wenn die private Lebensführung die Erfüllung des Arbeitsauftrages unmöglich macht." (Christ und Welt 47/2013)

Ich bin dankbar, dass unser Geistlicher Assistent, Bischof Dr. Gebhard Fürst, in dieser Vollversammlung über den Beratungsstand in den seit einem Jahr eingerichteten Arbeitsgruppen der Deutschen Bischofskonferenz informieren wird.

Mit diesem Bericht zur Lage endet auch die Amtszeit des Präsidiums. Die markanteste innerkirchliche Entwicklung in dieser Zeit waren der Schock des Missbrauchsskandals und der Dialogprozess. Dieses große Vorhaben wurde von vielen Kräften in unserer Kirche auf den Weg gebracht. Es wurden schon einige Blockaden gelöst und es hat sich neues Vertrauen entwickelt, aber wir sind noch mitten auf dem Weg und keineswegs am Ziel.
Die Initiative zum Dialogprozess, die Realisierung dieses Projektes gegen viele Widerstände ist das besondere Verdienst des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Er wird im März des nächsten Jahres den Vorsitz der Bischofskonferenz abgeben. Erzbischof Zollitsch war uns in diesen vier Jahren nicht nur im Dialogprozess ein guter und verlässlicher Partner. Damit ist auch in der Gemeinsamen Konferenz ein neues Vertrauensverhältnis gewachsen, konnte einiges auf den Weg gebracht werden. Wir danken Erzbischof Zollitsch ganz herzlich für diese Zusammenarbeit und seinen Dienst für die katholische Kirche in Deutschland!

Wichtige Stationen in den letzten vier Jahren waren der Zweite Ökumenische Kirchentag 2010 in München und der gemeinsam mit Erzbischof Zollitsch verantwortete Katholikentag 2012 in Mannheim. Wir sind auf dem Weg zum Brücken bauen beim Katholikentag 2014 in Regensburg und nehmen heute auch den 100. Deutschen Katholikentag 2016 in den Blick, den wir gerne mit Bischof Dr. Heiner Koch in der Diözese Dresden-Meißen, in Leipzig, veranstalten wollen.

Vor vier Jahren begann unser gemeinsamer Weg im Präsidium des ZdK. Ich danke allen für diese gemeinsame Zeit. Ich danke besonders den Mitgliedern des Präsidiums für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich danke den Sprecherinnen und Sprechern in den Sachbereichen und den Mitgliedern des Hauptausschusses. Ich danke ganz besonders unserem Generalsekretär Dr. Stefan Vesper und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Generalssekretariats. Es ist von außen her kaum zu sehen, wie viel hier mit größtem Einsatz und hoher Kompetenz geleistet wird.

Die vergangenen vier Jahre waren auch für mich eine sehr intensive Zeit. Intensiv im Umfang an Zeit und Arbeit, intensiv aber auch in den Erfahrungen. Ich habe viele neue Impulse für mein Leben und insbesondere auch für mein geistliches Leben bekommen. Ich habe durch viele gute Begegnungen eine große Bereicherung erfahren.

Dafür danke ich Ihnen allen ganz herzlich!

Vor meiner Wahl im November 2009 habe ich erklärt, dass ich nur für eine Wahlperiode zur Verfügung stehen werde. Nun habe ich mich bei der gegebenen Situation bereit erklärt, nochmals zu kandidieren, verbunden mit der Festlegung, dass ich vor allem mit Rücksicht auf meine Familie nur noch für zwei Jahre zur Verfügung stehe.

Dafür bitte ich um Verständnis und ich bitte um Ihr Vertrauen für diese Wegstrecke.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf eine lebendige Aussprache.



Alois Glück Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken