Montag, 22. Juni 2015

Hören! Was Familien sagen.

"Hearing" von DBK und ZdK am 18. Juni 2015 in Berlin


Ich begrüße Sie ganz herzlich im Namen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und im Namen unseres Präsidenten Alois Glück.

 

Wir beschäftigen uns im ZdK mit dem Familienthema,

-       weil die Gestaltung von Paarbeziehungen und Familie an die Grundfesten unserer Existenz rührt. Wir sehen es als zentrale Aufgabe an, in Gesellschaft und Kirche dazu beizutragen, dass diese Beziehungen gelingen können.

 

Wir stellen fest,

-       dass dieses Thema viele Emotionen weckt und in aller Leidenschaft debattiert wird. Daher setzen wir uns für eine sachgerechte und wertschätzende Diskussionskultur ein.

 

Wir erleben, dass wir uns mit dem Thema in diverse Spannungsfelder begeben. Denen wollen wir nicht ausweichen:

-       Es ist die Spannung zwischen der Notwendigkeit von Orientierung (bei der Gefahr von Ausgrenzung) und der Würdigung von Vielfalt und den darin gelebten Werten.

-       Es ist die Kluft zwischen der konkreten pastoralen Praxis und der kirchlichen Lehre.

-       Es ist die Begründungspflicht, die uns heute abverlangt wird: Warum finden wir die Ehe als Modell gut? Warum treten wir dafür ein, dass Sexualität ihren Platz in verbindlich gelebten Beziehungen hat? Warum wollen wir Mut machen zu Kindern?

 

Wir halten diese Befassung deswegen für dringlich geboten:

-       weil uns viele Umfragen und Studien bestätigen, dass sich über 80 % der Menschen in Deutschland stabile Beziehungen wünschen und 80 % auch daran glauben, dass eine lebenslange Partnerschaft gelingen kann.

-       weil wir erleben, dass Ehe und Familie echte Arbeit bedeuten. Und dass Partnerschaften scheitern können. In der pastoralen Arbeit begleiten wir Paare und Familien in allen Höhe und Tiefen. Das ist gut! Wenn diese Begleitung allerdings im Widerspruch zur heutigen kirchlichen Lehre steht, sind es die Mitarbeitenden vor Ort, die im Angesicht der Menschen die zu ihnen kommen, damit konfrontiert sind. Wir wollen ihnen zur Seite stehen.

-       weil wir, wenn wir ehrlich sind, die Kluft zwischen Praxis und Lehre auch in der eigenen Biografie oder in der eigenen Großfamilie erleben.

-       Die Zeit drängt. Solange sich noch Menschen in Deutschland für das interessieren, was die Kirche sagt, wollen wir die Chance nutzen, glaubwürdige und lebensdienliche Hinweise zu geben.

 

Im Zentralkomitee der Katholiken führen wir seit über zwei Jahren intensive Gespräche darüber in großer Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit. Unser aktuelles Positionspapier empfehle ich Ihrer aufmerksamen Lektüre. Wir stellen uns damit den oben genannten Spannungsfeldern. Wir werben für die Ehe als Modell und würdigen gleichzeitig verbindlich gelebte Partnerschaften, die in Treue, Liebe und Verlässlichkeit auch außerhalb einer Ehe miteinander leben. Und wir setzten uns für eine Weiterentwicklung der pastoralen Angebote und liturgischen Formen ein. Die öffentliche Diskussion darüber haben Sie vielleicht wahrgenommen.

 

Es ist gut, dass wir als ZdK und Bischofskonferenz auch gemeinsam zu den Familienfragen in kontinuierlichen und vertrauensvollen Austausch sind. Seit nunmehr 16 Jahren kommen im „Runden Tisch Familie“ Vertreter/innen des Zentralkomitees, der Bischofskonferenz, des katholischen Büros und diverser Fachorganisationen zusammen. Die Mitbegründerinnen Christa Licharz-Lichtenthäler (meine Vorgängerin als familienpolitische Sprecherin im ZdK) und Gislinde Fischer-Köhler sind heute hier bei uns, was mich sehr freut.

Die heutige Kooperation zwischen der Kommission XI der Deutschen Bischofskonferenz und dem Sachbereich V des ZdK wäre ohne diese eingespielte Arbeitsstruktur sicher nicht möglich gewesen.    

 

Sie werden die Mitglieder des Runden Tisches als Tischmoderatoren im Verlauf der Veranstaltung erleben. Hierfür sage ich schon jetzt herzlichen Dank, ebenso für alle Impulsgeberinnen und Impulsgeber und für die Moderation. Besonderer Dank gilt den beiden Geschäftsführern und ihren Teams für die intensive Vorbereitung dieser Tagung: Dr. Hubert Wissing und Dr. Michael Feil.

 

Uns erwartet eine Veranstaltung, die in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist:

-       Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Deutsche Bischofskonferenz verantworten sie gemeinsam.

-       Die Veranstaltungsform ist ungewöhnlich: Wir werden neun Familien-Lebensgeschichten hören. Und zwischendurch sind Sie alle zu intensiver Mitwirkung eingeladen.

-       Wir sagen Ihnen zu, dass die Ergebnisse der heutigen Tagung in unsere weitere Arbeit einfließen werden.

 

Ihnen allen hiermit ein herzliches Willkommen. Ich freue mich auf die nächsten Stunden.

 

Birgit Mock, Sprecherin des ZdK für familienpolitische Grundfragen