Freitag, 3. Juli 2015

Statement von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Vorstellung der gemeinsamen Orientierungshilfe "Ethischs-nachhaltig-investieren. Eine Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland" herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deut

In diesen Tagen erleben wir, wie uns Papst Franziskus Mut macht, die globalisierte Welt so anzunehmen wie sie ist, und zugleich die Schöpfung zu bewahren. Mit der kürzlich erschienenen Enzyklika „Laudato si‘“ mahnt der Papst, dass wir zu einem ganzheitlichen ökologischen und sozialen Handeln gelangen müssen. Unmissverständlich äußert er sich auch zu wirtschaftlichen Systemen und appelliert an den Schutz von Umwelt und Ressourcen. Es geht ihm um neue Kriterien für eine ganzheitliche neue Fortschrittsidee.

Deshalb bin ich dankbar, dass wir heute mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“ veröffentlichen können. Ich danke dem Zentralkomitee für dieses gemeinsame Engagement. Insbesondere möchte ich den Experten danken, die diese Orientierungshilfe erarbeitet haben.

Sie ermutigt dazu, die von Papst Franziskus angesprochene umfassende „Nachhaltigkeit“ unseres Planeten Erde im Blick zu haben. Um das zu erreichen, braucht es auch Kriterien im Bereich des wirtschaftlichen Handelns. Manche Kritik, die Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ zu den Finanzmärkten grundgelegt hat, geht ja gerade davon aus, dass immer mehr Profit auf Kosten künftiger Generationen, Ressourcen und der – ethisch und menschlich notwendigen – Nachhaltigkeit geht und auch zu Lasten der Armen. Auch die Kirche ist eine Akteurin, die vom wirtschaftlichen Handeln nicht ausgenommen ist. Ethisch-nachhaltig zu investieren ist insbesondere im Umgang mit ihrem Vermögen eine Aufgabe der Kirche.

Deshalb müssen wir uns auch fragen lassen, wie die Kirche mit ihren finanziellen Ressourcen umgeht, wie kirchliche Einrichtungen mit ihrem
Kapital operieren und wie ethisch gewirtschaftet werden kann. Hier sind die Vorgaben der verschiedenen Einrichtungen so unterschiedlich wie die Einrichtungen selbst. Manche kommen mit einfachen Bankdienstleistungen aus, andere haben ein großes Finanzvolumen zu bewirtschaften und brauchen eine ausdifferenzierte Anlagestrategie für ihr Vermögen. Allen kirchlichen Einrichtungen gemeinsam sollte jedoch das Interesse sein, ihre Investments an christlichen Wertvorstellungen zu orientieren. Es geht ihnen dann nicht nur darum, mit dem angelegten Kapital und den erwirtschafteten Zinsen die Zwecke der eigenen Einrichtungen zu erfüllen und so Gutes für die Menschen und die Schöpfung zu tun. Es muss ihnen ebenso um die direkten und indirekten Auswirkungen ihrer Investition auf die Umwelt und auf andere Menschen, besonders auf die Armen, gehen. Welche Länder, welche Unternehmen, welche Produkte werden durch die beabsichtigten oder schon getätigten Investments gefördert? Stehen diese mit den christlichen Wertvorstellungen in einem Spannungsverhältnis oder ihnen gar entgegen?

Diese Fragen sind angesichts der Komplexität der Finanzmärkte und der globalen Vernetzung von Aktiengesellschaften nicht einfach zu beantworten. Gerade deshalb müssen sich kirchliche Investoren intensiv damit auseinandersetzen. Dabei helfen Finanzdienstleister, deren Analysen von Anlagemöglichkeiten bei der Entscheidung für dieses oder jenes Investment herangezogen werden können. Die katholischen Kirchenbanken und andere Banken arbeiten eng mit solchen auf Nachhaltigkeit spezialisierten Research-Agenturen zusammen. In einem Analyseverfahren werden ethisch bedenkliche Unternehmen oder Geschäftsfelder identifiziert, in einem Rating heruntergestuft oder ganz aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. Den kirchlichen Einrichtungen obliegt es, zuvor die Kriterien zu bestimmen, die bei der Analyse ihres Investments berücksichtigt werden sollen. Dabei wird es keine Schwarz-Weiß-Entscheidungen geben. Stets sind Abwägungsprozesse zwischen verschiedenen Kriterien und Zielen notwendig. Denn auch im ethisch-nachhaltigen Investment dürfen die klassischen Investitionsziele des sogenannten „magischen Dreiecks“, Rendite, Sicherheit und Liquidität, nicht außer Acht bleiben. Sie stehen hier jedoch nicht mehr alleine, sondern werden um die ethisch-nachhaltige Dimension auf der Grundlage einer christlichen Wertorientierung ergänzt.

Für ein verantwortetes ethisch-nachhaltiges Investment wollen wir sensibilisieren und für die Investoren Entscheidungshilfe geben. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Deutsche Bischofskonferenz zeigen mit der jetzt vorliegenden Orientierungshilfe, dass wir dieser Thematik damit einen gewichtigen Stellenwert geben: Ethisch-nachhaltiges Investieren geht uns alle an. Die Orientierungshilfe soll Finanzverantwortliche in den kirchlichen Einrichtungen bestärken, die im Bereich des ethisch-nachhaltigen Investments schon aktiv sind, und jenen eine Hilfestellung sein, die sich nun mit dieser Materie neu auseinandersetzen. Hierzu finden alle Interessierten in der Orientierungshilfe „Ethisch-nachhaltig investieren“ einige grundsätzliche Erwägungen und praktische Hinweise. So wünschen wir uns eine breite Beachtung dieser Orientierungshilfe, die zu einem verantworteten Umgang mit kirchlichen Investments beitragen will.