Dienstag, 2. Mai 2017

Tag der Diakonin am 29.04.2017

Am Ende unserer heutigen Veranstaltung „Ein Amt mit Zukunft – auch für Frauen“
blicken wir auf fundierte Diskussionen zum Thema „Frauendiakonat“ zurück.
20 Jahre nach dem Internationalen Theologischen Fachkongress „Diakonat – Ein Amt für Frauen in der Kirche – Ein frauengerechtes Amt?“, der vom 1.- 4. April 1997 ebenfalls in Stuttgart-Hohenheim stattfand, zeigt sich eindrücklich, dass seitdem nicht nur die historischen und theologischen Argumente ausgetauscht sind, sondern dass vor allem die Geduld vieler Frauen und Männer in dieser Frage nahezu erschöpft ist. Wir nehmen wahr, dass es kein Verständnis mehr dafür gibt, wenn theologisch sinnvolle und kirchenrechtlich leicht erreichbare Schritte im Sinne der Beteiligung von Frauen nicht ergriffen werden. Wir stellen fest: In der gegenwärtigen Krise der Kirche in Deutschland sind mutige Schritte gefragt, wenn die Kirche nicht bei vielen Menschen weiter an Bedeutung verlieren will. Zu einer glaubwürdigen Kirche gehört maßgeblich die gleichrangige Beteiligung von Frauen. Wann, wenn nicht jetzt, ist es Zeit zum Handeln? In diesem Sinne sprach Bischof Fürst anlässlich des 100. Geburtstags des KDFB-Diözesanverbands Rottenburg-Stuttgart Ende März 2017 vom „Zeichen der Zeit“.

Abschluss-Statement

Im gemeinsamen Einsatz für eine zukunftsfähige, partnerschaftliche und glaubwürdige Kirche erklären heute – am „Tag der Diakonin“, dem 29. April 2017, in Stuttgart-Hohenheim – der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB), die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), das Netzwerk Diakonat der Frau und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK):

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts und besonders seit dem Zweiten Vatikanischen
Konzil (1962 – 1965) und der Würzburger Synode (1971 – 1975) engagieren sich
Frauen und Männer in Deutschland für die Einführung des sakramentalen Diakonats
von Frauen. Diakonisches Handeln gehört zu den Wesensmerkmalen der Kirche. Der Diakonat ist deshalb durch das Zweite Vatikanische Konzil wieder als eigenständiges Amt eingeführt worden. Als Getaufte und Gefirmte sind Frauen und Männer in gleicher Weise dazu berufen, aktiv am Aufbau und am Fortbestand der Kirche mitzuwirken und dabei den Dienst am Nächsten zu verwirklichen.

Dies bedeutet für uns:

  • Wenn die katholische Kirche in Deutschland glaubwürdig und zukunftsfähig sein will, dann ist es dringend erforderlich, Frauen in die kirchliche Ämterstruktur einzubeziehen und die Diakonatsweihe für Frauen einzuführen. Die Fähigkeit, den Dienst am Nächsten zu tun und somit der Botschaft Jesu Christi Hand und Fuß zu verleihen, ist Frauen und Männern in gleicher Weise gegeben. Sie wirken als Glaubenszeuginnen und Glaubenszeugen in einer lebendigen Kirche. Es wird die Kirche stärken, wenn der sakramentale Diakonat beiden Geschlechtern offensteht.
  • Wir danken Papst Franziskus für die Einberufung einer Kommission, um das Diakoninnenamt in den ersten Jahrhunderten der Kirche zu untersuchen. Gleichzeitig erwarten wir, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse konstruktiv für die Weiterentwicklung des diakonischen Amtes für Frauen und Männer genutzt und zeitnah umgesetzt werden. Die Aufforderung des Papstes an die Bischöfe, Vorschläge zur Neugestaltung der Kirche auf lokaler Ebene zu machen, um das Evangelium in die heutige Zeit umzusetzen, bestärkt uns in der Hoffnung auf die notwendigen Reformen.
  • Mit Blick auf die Kirche in Deutschland fordern wir daher die Bischöfe auf, sich bewusst für die Einführung des sakramentalen Diakonats für Frauen einzusetzen und entsprechende Konzepte in einem überschaubaren Zeitraum zu entwickeln. Dabei sollen Erfahrungen und Kompetenzen von bereits in diesem Bereich engagierten Frauen und Männern einbezogen werden.
  • Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Gleiche Würde und Gleichberechtigung von Frauen und Männern müssen endlich auch in der katholischen Kirche Wirklichkeit werden. Dazu braucht es Mut und die Bereitschaft zu Veränderungen, aber auch Vertrauen in diejenigen Frauen und Männer, Priester und Laien, die sich gemeinsam und weltweit für eine partnerschaftliche Kirche einsetzen, in der Diakoninnen selbstverständlich, bereichernd, überzeugend und glaubwürdig den Dienst am Nächsten leben und so Kirche erfahrbar machen.

Gemeinsam werden wir uns weiterhin für die Einführung des Diakonats der Frau einsetzen und unser Anliegen sowohl an den Papst wie auch den Vorsitzenden der
Deutschen Bischofskonferenz herantragen.

Stuttgart, 29.04.2017