Salzkörner

Mittwoch, 18. Dezember 2013

"DAS Brückenfest"

Eine Krippe ist die Brücke

Brücken beeindrucken und faszinieren die Menschen. Einmal im Leben die "Golden Gate Bridge" in San Francisco zu überqueren, das ist für viele Menschen ein Traum. Auch bei uns im Rheinland üben die mächtigen Brücken über den Rhein eine große Anziehungskraft aus, weit über das flache Land hin sieht man z. B. die Emmericher Brücke, die nördlichste deutsche Rheinbrücke, mit 803 Metern zudem die längste Hängebrücke Deutschlands.

Die Stadt Hamburg wirbt damit, dass sie mit 2.500 Bauwerken mehr Brücken hat als jede andere europäische Großstadt.

Haben Sie eine Lieblingsbrücke?

Brücken sind technische Bauwerke. Sie verbinden zwei Ufer miteinander. Sie überwinden Täler, Gräben, Schluchten, Bäche, Flüsse, Straßen. Auf La Palma, einer Kanareninsel, gab es lange keine Verbindungen zwischen verschiedenen Tälern. So mussten die Menschen eine Pfeifsprache entwickeln, um sich zu verständigen. Eine Wanderung durch die Schluchten wäre zu mühsam und langwierig gewesen. Brücken erleichtern Wege also ungemein.

Die technischen Leistungen, die seit Jahrtausenden durch Architekten und Ingenieure beim Brückenbau erbracht werden, sind beeindruckend. Immer wieder werden grandiose Rekorde aufgestellt, wenn es um die Länge, Höhe und Spannweite von Brücken geht.

Wir erleben aber auch, dass Brücken gefährdet sind. Wenn notwendige Reparaturen und Wartungen nicht fristgerecht und rechtzeitig erfolgen, müssen Brücken unter Umständen für den Schwerlastverkehr gesperrt werden; in Nordrhein-Westfalen war in den letzten Monaten die stark befahrene Leverkusener Brücke betroffen. Bei starkem Wind und Sturm dürfen Hängebrücken nicht genutzt werden.

Brücken haben Symbolwert

Brücken waren nie ausschließlich Beispiele nüchterner Ingenieurbaukunst. Brücken haben hohen Symbolwert. Wir können jemandem "eine (goldene) Brücke bauen" und Gegensätze "überbrücken". Wir können "Brücken schlagen" im Sinne von Verbindungen stiften, Kontakt aufnehmen, Freundschaft schließen zwischen Völkern und Rassen, zwischen Konfessionen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Armen und Reichen, zwischen kontroversen Standpunkten, zwischen Lebensphasen. "Alle Brücken hinter sich abbrechen" bedeutet, sich jede Möglichkeit zum Widerrufen oder zur Wiederkehr zu nehmen. "Brücken verbinden" lautet ein geflügeltes Wort und meint dies vor allem im übertragenen Sinn. Brücken führen zusammen. Brücken überwinden Abgründe. Brücken überwinden Grenzen. Brücken machen Verbindungen möglich, wo vorher keine waren.

Der Gedanke des Brückenschlags findet sich auch im Design unserer Euro-Banknoten wieder. Auf allen Euro-Scheinen sind auf der Rückseite unterschiedliche Brücken zu sehen, die die Verbindung der Völker Europas untereinander symbolisieren sollen.

Brücken zwischen Menschen und Gott

Unsere Bibel ist voll von Geschichten, die vom Brückenbauen zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott erzählen. Dennoch kommt das Wort "Brücke" in der Bibel nicht vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Wanderungs- und Siedlungsgebiete der biblischen Völker meist flache Wüstenlandschaften und – abgesehen von Nil und Jordan – ohne Flüsse waren.

Gott setzt nach der Sintflut seinen (Regen-)Bogen an den Himmel zum Zeichen seines Bundes mit den Menschen, eine wunderschöne Brücke zwischen Himmel und Erde.

Brücken im Advent

In der Adventszeit bereiten wir uns auf das "große Brückenfest", auf Weihnachten vor. Gott baut uns Weihnachten eine Brücke vom Himmel zur Erde, von sich selbst zu uns Menschen, "darum ist Weihnachten auch ein richtiges Brückenfest" (Joachim Kardinal Meisner).

Wir erleben im Advent, wie sehr die Menschen damit beschäftigt sind, Brücken zueinander zu schlagen. Karten und Briefe werden geschrieben, Päckchen liebevoll verpackt und verschickt, besonders gestaltete Mails gesendet, lange Telefonate geführt. Vernachlässigte Kontakte und Bekanntschaften werden gepflegt, die ganze Familie in den Blick genommen. Auch die Bereitschaft, Brücken zu Menschen in Notlagen zu bauen, ist riesengroß. Sach-und Geldspenden werden gerne gegeben, nicht zuletzt bei der großen Adveniatkollekte am Heiligen Abend und am 1. Weihnachtstag.

Neben den – manchmal zu geschäftigen – Brückenschlägen von Mensch zu Mensch ist es vielen Menschen auch wichtig, im Advent Brücken zu schlagen zu dem, was wirklich wichtig ist: Brücken zu Gott zu gehen. Vielleicht kennen Sie auch den Adventskalender "Der andere Advent", der vom ökumenischen Verein Andere Zeiten aus Hamburg herausgegeben wird. "Die jährlich steigende Nachfrage ist für uns ein deutliches Zeichen dafür, dass die Sehnsucht der Menschen nach einer leiseren Adventszeit und nach der eigentlichen Botschaft des Christfestes wächst", sagt Pastor Hinrich C. G. Westphal vom Vorstand des Vereins. Genau diese Sehnsucht greift der Kalender mit einer interessanten Mischung von Gedichten, Texten und Bildern auf. An den Adventssonntagen erzählt der Kalender wahre Begebenheiten von Menschen, die einen ungewöhnlichen Lebensweg eingeschlagen haben. In diesem Jahr ist auf dem Titelbild eine sehr einfache Brücke ohne Geländer zu sehen, Männer und Frauen, die auf dieser im Licht der aufgehenden Sonne, der Morgenröte, in beide Richtungen gehen oder mit dem Fahrrad fahren, einige mit schweren Lasten, einige mit hell leuchtenden Laternen. Der Adventskalender lädt die Leserinnen und Leser mit diesem Bild zum einen ein, "die Brücke zu betreten zwischen Krippe und Himmel", zum anderen den Erfahrungen auf dieser Brücke nachzuspüren, insbesondere der Frage "Trägt sie?".

Welche Brücke wollen wir in dieser Advents-und Weihnachtszeit betreten oder bauen?

Weihnachten – Gottes Brücke zu den Menschen

Gott hat Weihnachten eine Brücke zu uns gebaut, indem er seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat. Die Krippe ist die Brücke Gottes zu den Menschen und der Menschen zu Gott.

In einem weihnachtlichen Kanon heißt es: "Eine Krippe ist die Brücke zwischen Gott und allen. Was wir sehen, was geschehen, ist sein Wohlgefallen."

In seiner Menschwerdung ist Jesus Christus zur verbindenden Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen geworden. Diese Verbindung hält und gibt Halt.

Der an Weihnachten menschgewordene Sohn Gottes wird in seinem Leben zu einem wirklichen Brückenbauer, er geht zu den Menschen, er hat keine Berührungsängste, er kennt die konkreten Nöte und Sorgen, er wendet sich besonders den Armen und Kranken, den Ausgegrenzten und Verlassenen zu. Wir kennen die vielen eindrucksvollen Begegnungs- und Heilungsgeschichten aus den Evangelien.

Wir sind in Jesu Nachfolge gerufen, auch wir sollen Brückenbauerinnen und Brückenbauer werden und sein.

Brücken bauen beim Katholikentag

So spannt sich der Bogen vom weihnachtlichen Brückenfest zum Brückenfest des ZdK 2014, dem Katholikentag in Regensburg. Das Leitwort des Katholikentags vom
28. Mai bis 1. Juni "Mit Christus Brücken bauen" greift diesen Gedanken auf. Brücken bauen, Begegnung schaffen, Austausch ermöglichen – dafür steht das Leitwort. Es versinnbildlicht die Berufung engagierter Christinnen und Christen, aufeinander zuzugehen und in der heutigen Welt, mit ihren Spannungen und Konflikten, Brücken zu bauen: in Deutschland, in den Nachbarländern Mittel- und Osteuropas und überall in der Einen Welt.

Brücken bauen auf dem Katholikentag bedeutet auch, den Dialog zu suchen in der Kirche, zu Christinnen und Christen anderer Konfessionen, zu Menschen anderer Religionen und Kulturen.

Bei Teilnahme am Katholikentag sollten Sie neben dem "Brücken bauen" auch eine konkrete Brückenerfahrung auf der "Steinernen Brücke" nicht versäumen. Diese fast 900 Jahre alte Brücke ist neben dem Regensburger Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt Regensburg und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Sie verbindet die durch die Donau getrennten Stadtteile Innenstadt und Stadtamhof. Im Logo des Katholikentags ist sie gut zu erkennen.

"Christus, unser Bruder und Herr, Brücke, die uns zum Vater und zueinander führt, mit deiner Hilfe können auch wir zur Brücke werden" (aus dem Katholikentagsgebet).

 

 

 

 

 

 

Autor: Ulrike Göken-Huismann Geistliche Begleiterin des Bundesverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

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