Salzkörner

Montag, 31. August 2015

"Hören! Was Familien sagen"

Das Hearing von ZdK und Kommission "Ehe und Familie" der Deutschen Bischofskonferenz

Für den Sachbereich für familienpolitische Grundfragen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) war das Hearing "Hören! Was Familien sagen" am 18. Juni 2015 in Berlin einer der drei zentralen Arbeitsschwerpunkte in diesem Jahr: Nach der Erarbeitung der ausführlichen ZdK-Antwort auf die Lineamenta zur Weltbischofssynode und der Vorbereitung der ZdK-Erklärung "Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute" für die Frühjahrsvollversammlung 2015 ging der Sachbereich für das "Familien-Hearing" bewusst eine Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz ein.

Grundgedanke dieser Veranstaltung im Vorfeld der XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2015 war, einmal nicht offizielle Vertreter von Verbänden und ausgewiesene Experten zu Wort kommen lassen, sondern Menschen, von denen jede/r eine bestimmte Form von Familie tagtäglich lebt: Neun Personen konnten jeweils zehn Minuten lang von ihrer gelebten Form von Familie und von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen – auch beim Ringen mit der Kirche, in der sie Beheimatung suchen – berichten. Die Hörenden im Publikum, ca. 140 Personen aus dem ZdK, der Kommission "Ehe und Familie" der Deutschen Bischofskonferenz, in Ehe- und Familienpastoral tätige Personen und weitere Interessierte, berieten nach je drei Statements die dargelegten Themen und Herausforderungen in moderierten Tischgruppen anhand von Leitfragen. Die Statements kamen u. a. von einer alleinerziehenden Mutter, eine berufstätigen Mutter, deren Ehemann beruflich bedingt nur am Wochenende bei der Familie sein kann, einer langjährig verheirateten Großmutter, einem verheirateten Familienvater mit zwei kleinen Kindern, einem in zweiter Ehe lebenden Familienvater, einem homosexuellen Mann und einer unverheirateten Mutter, deren Partner und Vater der Kinder nicht gläubig ist. Diese Bandbreite und die eindrücklichen, von großer Offenheit geprägten Statements wurden von den meisten Teilnehmern des Hearings sehr gelobt. Einige Teilnehmer kritisierten allerdings, es seien zu wenige Familien zu Wort gekommen, die "im vollen Einklang mit der kirchlichen Lehre" leben würden. Der individuelle und der pastorale Umgang mit den Positionen des päpstlichen Lehramtes wurde an vielen Tischen, zum Teil sehr kontrovers, thematisiert. Der Rolle der Tischmoderation, die von den Mitgliedern des Runden Tisches Familie und weiteren Fachkolleg/inn/en aus der Ehe- und Familienpastoral übernommen worden war, kam hierbei eine wichtige Aufgabe zu.

Modellhaft war die Veranstaltung insbesondere durch ihre die ehrliche Auseinandersetzung und den Konflikt zulassende Arbeitsmethode. Es ist gut vorstellbar – und in vielen Fällen sicherlich längst erprobt – ein solches Format auch für Veranstaltungen auf anderen Ebenen zu wählen. Kurz nach der Veranstaltung hat beispielsweise ein Teilnehmer des "Bundes-Hearings" von einem regionalen Hearing im Bistum Augsburg berichtet. Es ist zu wünschen, dass dieses Beispiel Schule macht – und dass die jeweiligen Bischöfe und Diözesanverantwortlichen für die Ehe- und Familienpastoral es nicht beim interessierten Zuhören belassen. Ganz in diesem Sinne betonte auch Familienbischof Dr. Heiner Koch in seinem Schlusswort des Berliner Hearings, dass sich die Bischöfe nicht mit der Kluft zwischen der Lehre der Kirche und den heutigen Lebenswelten auch der meisten Katholiken abfinden dürften. Auch wenn sie nicht so deklariert war, stellte die Veranstaltung eine weitere wichtige Etappe im Dialogprozess und, wie ZdK-Präsident Alois Glück in seinem Resümee betonte, auf dem Weg zu einer angstfreien Kommunikation in der Kirche dar. Dies wurde insbesondere von vielen Fachkräften aus Gemeinden, Verbänden und der Ehe- und Familienpastoral bekräftigt.

 

 

 

 

Autor: Dr. Hubert Wissing Geschäftsführer des ZdK-Sachbereichs "Familienpolitische Grundfragen"

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