Salzkörner

Montag, 9. März 2015

"Ich will auch heiraten!"

Inklusionsprojekt bei donum vitae

Zum 1.März 2013 ist das Inklusionsprojekt "Ich will auch heiraten - Implementierung passgenauer Angebote in der Schwangerschaftskonflikt- und allgemeinen Schwangerschaftsberatung bei Menschen mit geistiger Behinderung" von donum vitae Bundesverband e.V. gestartet. Es wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und läuft über die Dauer von drei Jahren.

Der Titel des Projektes "Ich will heiraten" entstand aus der Beratung heraus. Diese Aussage ist Ausdruck des Wunsches nach gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, nach Liebe, Glück, Partnerschaft und Elternschaft. Neben der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Grundgesetz ist Paragraph 2 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes Grundlage des Projektes. Dort wird ausgeführt, dass jede Frau und jeder Mann das Recht hat, sich in Fragen der Schwangerschaft, Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung beraten zu lassen. Eine umfassende Sexualerziehung wird bei Menschen mit Behinderung teilweise nicht realisiert, sexuelle Entwicklung bzw. Erfahrung damit verhindert. Sie benötigen sexualpädagogische Angebote und Beratung, die diese Lebenserfahrungen berücksichtigen und methodisch, didaktisch angemessen darauf reagieren. Wissen zu erwerben führt zu der Befähigung, sich entscheiden zu können in Bezug auf Formen von Sexualität, die eigene Rolle als Mann, als Frau und die jeweils eigene sexuelle Identität. Dem müssen Beratung und Sexualpädagogik entsprechen.

Passgenaue Angebote

Hier setzt das Inklusionsprojekt von donum vitae an. Der Prozess zur Entwicklung und Implementierung passgenauer Angebote wird vom Bundesverband gesteuert. In den acht Modellberatungsstellen werden die jeweiligen Schwerpunkte des Projektes erarbeitet und durchgeführt und bei einem Workshop die Ergebnisse evaluiert. Außerdem wird eine Online-Beratung in Leichter Sprache entwickelt. Thematisch relevante Fortbildungen werden im laufenden Projekt zur Stärkung der Kompetenzen der Beraterinnen und Berater angeboten. Das Projekt wird wissenschaftlich von der Universität Leipzig begleitet. Im Rahmen des Projektes wurde ein Projektbeirat gebildet, der die Aufgabe hat, den Inklusionsprozess mit zu gestalten, die erzielten Ergebnisse der einzelnen Meilensteine zu reflektieren und die Interessen und Perspektiven von Menschen mit geistiger Behinderung in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Der Projektbeirat besteht aus Expertinnen und Experten in eigener Sache und Fachleuten der Behindertenhilfe. Mit Mitteln der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurden Broschüren in Leichter Sprache zu Beratung und Sexualpädagogik vom Bundesverband entwickelt.

Widersprüchliche Vorstellungen

Bereits vorliegende Erfahrungen im Projekt zeigen vielfältige Kompetenzen der Klientinnen und Klienten mit Behinderung, aber auch ihren Beratungsbedarf. Einrichtungen der Behindertenhilfe begrüßen die Möglichkeit zur Kooperation. Aber auch Vorbehalte werden deutlich. Insbesondere die Themen Verhütung und Elternschaft stoßen auf widersprüchliche Vorstellungen der Beteiligten. Beratung bei Menschen mit Behinderung erfordert mehr Zeit und erweiterte Kompetenzen als andere Beratungsprozesse, der Einbezug des sozialen Umfeldes unter Beachtung von Datenschutz und Schweigepflicht ist häufig notwendig. Ergebnisse und Auswertungen des Projektes werden in eine Handreichung einfließen, auch um die Nachhaltigkeit des Projektes zu gewährleisten. Die Ergebnisse werden bei einem Fachtag am 7. März 2016 vorgestellt.

 

 

 

 

 

Autor: Petra Schyma Referentin bei donum vitae Bundesverband e.V., Projektleitung des Inklusionsprojektes

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