Salzkörner

Donnerstag, 28. April 2016

100. Deutscher Katholikentag – eine Chance für Sachsen

Jenseits von Pegida und Legida

Der 100. Deutsche Katholikentag findet vom 25. bis 29. Mai in Leipzig statt. Über 20.000 Dauerteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich bereits ihr Ticket gesichert. Im Vorfeld gab es viele Diskussionen bei den Leipzigerinnen und Leipzigern. Burkhard Jung, seit 2006 Leipzigs Oberbürgermeister, betont in einem Gespräch für das Katholikentagsportal "100tage100menschen.de" die Wichtigkeit des Katholikentags. Dort gebe es nicht nur spirituelle Angebote, diskutiert würden auch die aktuellen politischen Herausforderungen, von der Flüchtlingskrise bis zu Fragen der Integration. "Und diese Themen gehen uns alle an, egal ob gläubig oder nicht gläubig", so Jung.

Dass ein Deutscher Katholikentag in einer Stadt stattfindet, in der nicht einmal 20 Prozent der Einwohner einer christlichen Konfession angehören, sei schon "eine bemerkenswerte Entscheidung". In gewisser Weise ein Wagnis, denn niemand wisse letztlich, wie die Menschen in Leipzig auf das Angebot reagieren "und in welcher Form sie sich an den Diskussionen zu sozialen, ethischen und kirchlichen Fragestellungen beteiligen werden".

Burkhard Jung beschreibt detailliert, wie sich die Stadt Leipzig auf dieses Großereignis vorbereitet: "Aus dem Dekanat heraus hat sich ein Vorbereitungskreis gegründet, bestehend aus Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Katholikentag in der Stadt zu verankern. Eine der wunderbaren Idee dieses Teams ist es, städtische Räume und Einrichtungen für Veranstaltungen zu öffnen und so den Katholikentag in die Stadt hineinschwappen zu lassen. Das betrifft zunächst einmal die großen Kultureinrichtungen wie die Oper, das Gewandhaus und die Theater. Aber es soll auch Veranstaltungen in Ämtern, in Bürgerbüros und Sozialeinrichtungen geben."

Dialog ist dem SPD-Politiker wichtig: "Wir müssen mit den Menschen im Gespräch bleiben, die ihre Ängste und Sorgen loswerden wollen. Das ist im Einzelfall eine Gratwanderung und sollte daher nicht parteipolitisch motiviert, sondern immer an der Sache orientiert sein. Hierfür bietet der Katholikentag eine große Chance. Der Katholikentag stellt ja die großen Fragen des Menschseins. Woher komme ich und wohin gehe ich? Was ist richtig und was ist falsch? Was ist der Maßstab meines Handelns? Darüber müssen wir mit Menschen in einem säkularisierten Umfeld ins Gespräch kommen."

Als Politiker sei man gut beraten, wenn sich das eigene Handeln immer wieder an ethischen Maßstäben messen würde, und in diesem Zusammenhang sei ihm sein christlicher Glaube ein wichtiger Kompass. "Ich würde mir wünschen, dass die Politiker vor Ort stets klarer und deutlicher werden und Bündnisse schmieden, um zu zeigen, dass sie für ein anderes, weltoffenes Deutschland einstehen", so der Appell des Oberbürgermeisters an seine Amtskollegen. "Ich sage es ganz deutlich: Ich halte die Stimmung im Land Sachsen kaum noch aus – und das betrifft auch meine Stadt. Wären da nicht die vielen optimistischen Menschen, all die ehrenamtlichen Helfer, die sehr aktiv versuchen, Willkommenskultur zu leben, die auch sehr deutlich auf der Straße ihren Widerstand formulieren, dann könnte man fast verzweifeln. Aber es richtet mich auf, dass die große Mehrheit der Bevölkerung sich sehr wohl abzugrenzen weiß gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Es ist unerlässlich, dass alle demokratischen Parteien, egal wo im politischen Spektrum sie sich verorten, zusammenstehen, dazu Kirchen, Gewerkschaften, Vereine und Verbände, um deutlich zu machen, dass sie sich für eine andere Kultur im Land einsetzen."

 

 

 

Autor: Christoph Molitor Redakteur beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

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