Salzkörner

Montag, 30. April 2007

40 Jahre "Populorum Progressio"

Auch heute aktuell
Am 26. März jährte sich zum 40. Mal die Verkündung der Enzyklika "Populorum Progression" durch Papst Paul VI. Die Enzyklika befasst sich mit der menschlichen Entwicklung und führt einen umfassenden Entwicklungsbegriff in die katholische Soziallehre ein.

Die Enzyklika "Populorum Progressio" (PP) führt als erste entwicklungsbezogene Enzyklika einen umfassenden Entwicklungsbegriff in die katholische Soziallehre ein, der eine rein ökonomische Sichtweise übersteigt. "Entwicklung ist nicht einfach gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Wachstum. Wahre Entwicklung muß umfassend sein, sie muß jeden Menschen und den ganzen Menschen im Auge haben."

Die Enzyklika begreift Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden als sich gegenseitig bedingende Faktoren und thematisiert damit die weltweit drängende "soziale Frage": "Die zwischen den Völkern bestehenden übergroßen Unterschiede der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, wie auch der Lehrmeinungen, sind dazu angetan, Eifersucht und Uneinigkeit hervorzurufen und gefährden so immer wieder den Frieden. [...] Das Elend bekämpfen und der Ungerechtigkeit entgegentreten heißt nicht nur die äußeren Lebensverhältnisse bessern, sondern auch am geistigen und sittlichen Fortschritt aller arbeiten und damit zum Nutzen der Menschheit beitragen."

Entwicklungsbegriff und Solidarität

Zwar hat sich das Leitbild Entwicklung seit der Entstehung von PP in den sechziger Jahren an manchen Punkten grundlegend verändert. Das Modell nachholender Entwicklung ist einem Modell nachhaltiger Entwicklung gewichen. Gleichwohl nimmt die Enzyklika die sich abzeichnende Globalisierung wirtschaftlicher Verflechtungen wahr und fordert als Antwort eine weltweite Solidarität, die sich an der vorrangigen Option Jesu für die Armen orientiert. Dazu beschränkt sich die Enzyklika nicht nur auf den zwischenmenschlichen Bereich, sondern nimmt auch die Strukturen in den Blick, die einer ganzheitlichen Entwicklung entgegenstehen.

Entwicklung und Frieden

Mit der Aussage "Entwicklung: Der neue Name für Frieden" hat der Papst programmatisch zum Ausdruck gebracht, dass sich Entwicklung und Frieden gegenseitig bedingen. Diese Erkenntnis hat weiterhin Bestand. Denn heute wie damals ist klar: "Der Friede besteht nicht einfach im Schweigen der Waffen, nicht einfach im immer schwankenden Gleichgewicht der Kräfte. Er muß Tag für Tag aufgebaut werden mit dem Ziel einer von Gott gewollten Ordnung, die eine vollkommenere Gerechtigkeit unter den Menschen herbeiführt."

Entwicklung und Gerechtigkeit

Paul VI. hat geradezu prophetisch ein wesentliches Zeichen seiner Zeit erkannt und die Herausforderung der Armutsbekämpfung unter den Bedingungen der Globalisierung formuliert. Die Enzyklika erkennt dabei eine dreifache moralische Pflicht der Menschen: "Diese Pflicht betrifft an erster Stelle die Begüterten. Sie wurzelt in der natürlichen und übernatürlichen Brüderlichkeit der Menschen, und zwar in dreifacher Hinsicht: zuerst in der Pflicht zur Solidarität, der Hilfe, die die reichen Völker den Entwicklungsländern leisten müssen; sodann in der Pflicht zur sozialen Gerechtigkeit, das, was an den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den mächtigen und schwachen Völkern ungesund ist, abzustellen; endlich in der Pflicht zur Liebe zu allen, zur Schaffung einer menschlicheren Welt für alle, wo alle geben und empfangen können, ohne daß der Fortschritt der einen ein Hindernis für die Entwicklung der anderen ist."

Nicht zuletzt konnte die Enzyklika ihre große Bedeutung dadurch entfalten, dass sie auf eindringliche Weise die Verantwortlichen in Politik, Ökonomie und Gesellschaft sowie alle Menschen anspricht, sich konsequent für die Bekämpfung der Armut und für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzusetzen. Ein Ziel, das heute im Zeitalter der Millenniumsentwicklungsziele genau so aktuell ist.

Autor: Peter Weiß, Entwicklungspolitischer Sprecher des ZdK

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