Salzkörner

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Beschleunigung

Editorial

Nun ist der Advent schon wieder fast vorbei. Und das Jahr auch. Doch unser Umgang mit der Zeit ist ein eminent gesellschaftspolitisches Thema.

Der Soziologe Hartmut Rosa, der sich mit dem Phänomen der gesellschaftlichen "Beschleunigung" beschäftigt, sagt, das "Projekt der Moderne" sei die Autonomie, also die Freiheit, die Selbstbestimmung. Und der "Prozess der Moderne" sei die Beschleunigung. Gesellschaftlich seien wir jetzt an einem Punkt, wo sich das Projekt der Moderne und der Prozess der Moderne gegeneinander drehten. Seine Analyse lautet, dass der Prozess der Moderne gewinne, dass also die Beschleunigung über die Autonomie triumphiere.

Diese Gedanken bringen ins Wort, was viele spüren. Hinter Oberflächenphänomenen wie Hektik und Aufgabenfülle steckt ein unvergleichlich tieferes Problem, das im Übrigen immer mehr Menschen krank werden lässt. Der offene und sublime gesellschaftliche Beschleunigungsdruck, dem das Individuum sich ausgesetzt sieht, ist enorm groß.

Darum, um nur zwei Beispiele zu nennen, ist der Kampf um den Sonntagsschutz so wichtig und der Kampf gegen den Anspruch auf ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter auch am Wochenende. Und darum ist unser christlicher Glaube, der uns den Sonntag, der uns heilige Zeiten wie den "Advent" oder die "Fastenzeit" anbietet, auch an diesem Punkt politisch. Diese Zeiten sollen anders sein. Auch um unserer Freiheit willen.

 

Autor: Stefan Vesper

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