Salzkörner

Montag, 11. Juli 2011

Bürgerschaftliches Engagement von Katholiken

Eine Initiative von ZdK-Mitgliedern

Spätesten seit dem Urteil des Bundesgerichtshofs zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vom 6. Juli 2010 hat in Deutschland eine intensive Debatte über eine gesetzliche Regelung begonnen. In diesen Tagen steht die Beschlussfassung über drei im Deutschen Bundestag eingebrachte Gesetzentwürfe an. Offen ist, wie sich die Abgeordneten mehrheitlich entscheiden werden: für ein grundsätzliches gesetzliches Verbot, wie es das ZdK im November 2010 gefordert hatte, für eine an strickte Bedingungen geknüpfte und begrenzte Zulassung oder die Freigabe. An der gesellschaftlichen Debatte haben sich Katholiken intensiv beteiligt.

Gleich, wie die Entscheidung ausfällt, kann man schon heute feststellen, dass die gesellschaftliche und politische Debatte mit großer Ernsthaftigkeit und unter breiter Beteiligung der Medien, vor allem aber auch der Bürger geführt wurde. Sie hat dazu geführt, dass ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Probleme entstanden ist, die mit der Entscheidung für oder gegen PID verbunden sind. Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung daran, wie schnell die Beurteilung der Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, es gäbe nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs keinen Handlungsbedarf, vom Tisch war.

Von Beginn an haben sich katholische Verbände, Initiativen und die Laienräte in den Bistümern, angeregt auch durch die frühe Meinungsbildung im ZdK, intensiv an der öffentlichen Debatte beteiligt. Beispielhaft ist eine Initiative der ZdK-Mitglieder aus dem Diözesanrat der Erzdiözese Bamberg.

Bamberger Initiative

Im März dieses Jahres haben sich die drei Diözesanratsvertreter aus dem Erzbistum Bamberg, Franz Eller, Alfons Galster und Dr. Helmut Täuber, in einem Brief an die 23 Bundestagsabgeordneten gewandt, die die Wähler aus dem Gebiet der Erzdiözese Bamberg vertreten. Ziel dieses Schreibens war es, sachliche Informationen zur Präimplantationsdiagnostik an die Hand zu geben, zu begründen, warum sie sich für ein gesetzliches Verbot einsetzen, und hierzu ein Gespräch anzubieten. "Uns ging es darum, die Menschen, die im Bundestag über die PID zu entscheiden haben, persönlich zu erreichen", betont Helmut Täuber. "Deshalb sind wir ganz bewusst diesen persönlichen Weg gegangen und haben dafür nicht die Öffentlichkeit gesucht. Wir wollten einen echten Dialog, frei von öffentlichem Druck."

Auf den Brief hätten 11 Abgeordnete sehr schnell und meist sehr fundiert geantwortet, berichtet Täuber. Die restlichen 12 habe er nach einer Frist von drei Wochen telefonisch oder per Mail erneut um eine Antwort gebeten. Bis auf zwei hätten sich dann auch alle zurückgemeldet, diese zwei hätten sich bis heute nicht gemeldet. "Sehr erfreulich war, dass wir mit sechs unserer Bundestagsabgeordneten ein persönliches, ausführliches und konstruktives Gespräch führen konnten", so Täuber. "In einem Fall wurden wir auch zu einer öffentlichen Diskussionsrunde eingeladen, bei der ein ausdrücklicher Befürworter einer Zulassung von PID vertreten war."

Fazit

Nach den Gesprächen gehen die ZdK-Mitglieder aus Bamberg davon aus, dass sich von den 23 Bundestagsabgeordneten elf definitiv für ein gesetzliches Verbot von PID entscheiden werden, drei seien entschieden für eine Zulassung, die restlichen seien wohl noch unentschieden. "Unser Gespräch und die öffentliche Diskussionsrunde machte drei Abgeordnete so nachdenklich, dass sie möglicherweise für das PID-Verbot stimmen werden", resümiert Täuber. Erfreut zeig er sich darüber, mit welcher Ernsthaftigkeit und Bereitschaft zum Dialog das Gesprächsangebot von den Abgeordneten angenommen wurde. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung im Deutschen Bundestag sei es für ihn wichtig gewesen, dass katholische Christen in ihrem politischen und gesellschaftlichen Engagement als ernsthaft und fundiert argumentierende Partner wahrgenommen wurden. "Als Katholiken wollen wir nicht nur den offenen Dialog in unserer Kirche, sondern auch mit allen Kräften in der Gesellschaft."

Autor: Theodor Bolzenius Pressesprecher des ZdK

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