Salzkörner

Freitag, 5. November 2010

Delegados de la Palabra

Ein unverzichtbarer Dienst der Laien
Während in Europa intensiv um die Rolle der Laien in der Pastoral der Kirche gerungen wird, ist die Kirche in Honduras erfolgreich einen eigenen Weg gegangen.

"Ohne den Einsatz der Laien in der Pastoral wäre die Kirche in Honduras kaum präsent." Kurz und knapp fasst Kardinal Oscar Rodriguez, der Erzbischof der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa, die Situation in dem mittelamerikanischen Land zusammen. Acht Millionen Katholiken, 424 Priester, 850 Ordensleute, 4 Diakone – und etwa 17.000 Laien im pastoralen Dienst. Alle diese Laien haben eine Ausbildung durchlaufen, die meisten davon zu "Delegados de la Palabra", "Beauftragten für die Wort-Gottes-Feiern". Sie sorgen dafür, dass in den Gemeinden, vor allem in den ländlichen Regionen, Gottesdienste stattfinden.

Bei der V. Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida (Brasilien) im Jahr 2007 wurde berichtet, dass jeden Sonntag 70 % der katholischen Gemeinden in Lateinamerika ohne Eucharistiefeier bleiben, da kein Priester zu ihnen kommen kann. Die Kirche von Honduras kann beim Dienst der Laien in der Pastoral auf eine sehr positive Erfahrung zurückblicken, von der der gegenwärtige Bischof von Choluteca, Mons. Guido Plante, auch bei der Bischofssynode 2008 in Rom berichtete. Schon vor dem II. Vatikanischen Konzil waren Laien die Motoren der ländlichen Gemeinden in Honduras – als Vorbeterinnen, Küster, Träger der Volksreligiosität. Sie leiteten die Fürbittgebete, den Rosenkranz und die Totengebete. Priester gab es damals wie heute nur wenige, und die Wege waren weit. Gerade im Apostolischen Vikariat Choluteca im Süden von Honduras verging oft mehr als ein Jahr, bis ein Pater in einer Gemeinde vorbeikam.

Im Geiste des Konzils

Nur wenige Monate, nachdem das II. Vatikanische Konzil die Laien als "aktive und verantwortliche Subjekte der Aktion der Kirche in der Welt" bezeichnet hatte, ließ der Bischof von Choluteca daher Laien für die Seelsorge ausbilden. Bischof Marcelo Gérin, ein Kanadier, griff damit Ideen des II. Vatikanums auf und sandte bewährte Männer aus, um speziell die Kar- und Ostertage in den abgelegenen Gemeinden zu gestalten. Dieser Einsatz verlief so unerwartet positiv, dass die Männer den Bischof baten, weitere Inhalte mit ihnen zu vertiefen, um auch an den kommenden Sonn- und Festtagen in den Gemeinden helfen zu können. Daraus entsteht eine eigene "Pastoral der Wort-Gottes-Feiern" mit dafür beauftragten Laien, den "Delegados de la Palabra". Bald schon zeigte sich, dass das Wirken der "Delegados" weit über die Liturgie hinausreichte. Es entstanden Gruppen der Sozial- und Jugendpastoral, Laien bauten eine Versorgung der Kranken auf und setzten sich für soziale Verbesserungen ein.

Verfolgung

Das hatte Folgen, auch für die Delegados selbst. Lorenzo Aguilar, heute Ausbilder der "Delegados" im Bistum Choluteca, erinnert sich an die 1980er Jahre: "Es waren turbulente Jahre." Damals tobten in den Nachbarländern Bürgerkriege, und Honduras wurde mit Hilfe der USA von den herrschenden rechten Regierungen aufgerüstet. Aguilar sah es als seine Pflicht an, Menschenrechtsverletzungen der Sicherheitskräfte anzuprangern, die Bevölkerung in Schutz zu nehmen. Deshalb stand er als "verdächtiger Kommunist" auf einer schwarzen Liste des Militärs. "Manche unserer Laien wurden verhaftet, zwei Priester wurden getötet, unser katholischer Radiosender geschlossen", erinnert sich Mons. Guido Plante. "Man hat uns verfolgt und unsere Arbeit beschnitten, wo es nur ging."

Die "Delegados de la Palabra" sind heute in Honduras eine wichtige Säule der Pastoral – auch bei den Berufungen. Fast alle Seminaristen sind Kinder von Delegados oder haben selbst bereits als Laien in der Pastoral gearbeitet. Das Modell der "Delegados de la Palabra" wird längst in anderen Ländern Mittelamerikas erfolgreich eingesetzt.

Die diesjährige Adveniat-Aktion lenkt im Advent 2010 den Blick auf diese Arbeit der Laien in der Kirche in Lateinamerika. Gäste aus Mittelamerika und Brasilien werden unter dem Motto "Zeugnis geben. In Wort und Tat." vom Dienst der Laien in der Kirche berichten.

Autor: Christian Frevel, Leiter der Abteilung Öffentlichkeits-arbeit und Bildung bei Adveniat, Mitglied des ZdK  

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