Salzkörner

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Den Horizont weiten

Editorial

In einer der Würdigungen von Helmut Schmidt fand ich eine Reflexion über den Satz "Die Notwendigkeit zu entscheiden reicht weiter als die Möglichkeit zu erkennen." So finde ich unsere Situation gut beschrieben, auch wenn Entscheidungsdruck und Erkenntnisfähigkeit bei den großen Themen dieser Monate – Flüchtlingsfrage, Klimawandel, Terrorbekämpfung – durchaus ungleich verteilt sind. Für den Kampf gegen die Erd-erwärmung kann niemand ernsthaft fehlende Kenntnis über die absehbaren Folgen unseres Handelns oder Nichthandelns beanspruchen. In anderen Themenfeldern, politisch wie kirchlich, ist Handeln in Ungewissheit nicht selten eine Notwendigkeit.

Unser scheidender Präsident Alois Glück hat in seiner Abschiedsrede in der Herbstvollversammlung Papst Franziskus mit einem Gedanken zitiert, der für viele zu den wichtigsten aus "Laudato si´" gehört: "Die politische Größe zeigt sich, wenn man in schwierigen Momenten nach bedeutenden Grundsätzen handelt und dabei an das langfristige Gemeinwohl denkt." (LS 178). Das gilt für einzelne Politikerinnen und Politiker, es gilt aber auch für Gesellschaften und Gemeinschaften, es gilt für Städte und Gemeinden. Es gilt für uns alle. Es gilt übrigens auch für uns alle in der Kirche.

Immer wieder hat Alois Glück auch in den Salzkörnern seine Überlegungen dargestellt und zu einzelnen Themen Stellung genommen. Am meisten aber hat er sich selbst und uns immer wieder gefragt: Was sind die Themen dieser Zeit, zu denen wir als Katholiken unseren qualifizierten Beitrag zu leisten haben? Wie gestalten wir den Wandel, wo können wir einen kompetenten Beitrag leisten? Die Vollversammlung hat ihm nach seiner Rede lange gedankt, ihm, der unseren Horizont geweitet hat.

 

 

Autor: Stefan Vesper

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