Salzkörner

Freitag, 5. September 2014

Deutsche und Polen - Menschenwürde

Editorial

50 Jahre nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, also vor 25 Jahren, veröffentlichten deutsche und polnische Katholiken am 1. September 1989 einen Aufruf „Für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in Europa“. Es ist ein bemerkenswertes Dokument der Versöhnung, an das man sich an diesem Jahrestag erinnern sollte.

Die Verfasser erinnerten an die Abgründe von Hass und Unmenschlichkeit, von Angst und Versagen, in die totalitäre Entwürdigung des Menschen führen kann. Sie schlossen mit einem Ausblick, dessen Realisierung in nur einer Generation, jedenfalls zu einem wichtigen Teil, sie  sich damals sicher kaum haben vorstellen können: „Die Aufgabe der Zukunft lautet: Europa im Geiste Jesu Christi erneuern. Den Weg in diese Zukunft wollen und müssen wir Christen in Polen und Deutschland gemeinsam gehen - in eine Zukunft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freiheit in Europa.“

Dieses deutsch-polnische Dokument enthält aber auch einen starken Appell, „die Sache des Menschen zu verteidigen, seine Würde und seine Rechte zu wahren“, der gerade in diesem Herbst aktuell ist, wenn bei uns die Debatte um ein menschenwürdiges Sterben geführt wird. „Wir Christen sehen diese Würde darin begründet, dass Gott den Menschen als ‚sein Abbild‘ geschaffen hat (vgl. Gen 1,27) und dass Gottes Liebe in Christus die Würde des Menschen endgültig und unverlierbar geoffenbart und bestätigt hat.“ Das ist für uns Christen der innere Grund, warum wir so auf Art. 1 des Grundgesetzes beharren: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Darum setzen wir uns dafür ein, jede Form der organisierten Beihilfe zum Suizid ausnahmslos und strafbewehrt zu verbieten und die Palliativmedizin und –pflege entschieden auszubauen.

 

 

Autor: Stefan Vesper

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