Salzkörner

Montag, 3. Mai 2010

Dialog auf Augenhöhe

Zwei große katholische Christen haben wir in diesen Wochen zu Grabe getragen. Hanna-Renate Laurien war neben ihrem herausragenden Engagement in der Politik auch Vizepräsidentin der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer in Würzburg von 1971 bis 1975. Und Josef Homeyer, späterer Bischof von Hildesheim, war in seiner Zeit als Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz auch Kosekretär der Gemeinsamen Synode. Laurien wie Homeyer standen – neben anderem – auch für eine Kirche, die offen und frei diskutiert. Sie waren Zeugen einer Kirche, in der man keine Angst hat vor dem freien Wort und dem kritischen Dialog.

Zum Glück gibt es auch heute viele Bischöfe, Priester und Laien, die so Kirche sein wollen: gemeinschaftlich, dialogisch, weltoffen. Nur wer so kommuniziert, ist glaubwürdig. Nur wer so kommuniziert, rechtfertigt Vertrauen. Anders gesagt: die Glaubwürdigkeit der Kirche wird gefährdet, ja zerstört durch jedes unwahrhaftige Reden, jedes fadenscheinige Argumentieren, Unter-den-Teppich- Kehren von Fragen und Sorgen, vor allem aber, von welcher Seite auch immer, durch jedes Herabschauen und jede Unterwürfigkeit. Es sind erwachsene Menschen, die in der Kirche kommunizieren, vollwertige Mitglieder des Volkes Gottes – und im Übrigen mündige Bürger des Landes, der Städte und Gemeinden.

"Dialog auf Augenhöhe" ist für viele Katholiken, ob mit oder ohne kirchliches Amt, gottlob eine Selbstverständlichkeit. Wer hier Amtsanmaßung vermutet, isoliert sich. Im Pfarrgemeinderat, im Diözesanrat, im Zentralkomitee, wo immer man mit dem Pfarrer, dem Bischof, den Bischöfen spricht, ist der Dialog auf Augenhöhe die einzige Form des wahrhaftigen Umgangs miteinander. Nur so können wir als Kirche unsere Aufgaben in der Welt erfüllen. Nur so wächst eine Glaubwürdigkeit, die man auch außerhalb der Kirche wahrnimmt. Ganz im Sinne jener, die viel für diese Glaubwürdigkeit getan haben, zum Beispiel während der Gemeinsamen Synode.

Autor: Stefan Vesper

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