Salzkörner

Donnerstag, 27. April 2017

Die Emanzipation der Frauen

Bewegen wir uns noch oder stehen wir längst still?

Im Jahr 2017 ist es für viele Mädchen und Frauen in einigen Teilen der Welt selbstverständlich, in der Gesellschaft beinahe vollkommen gleichberechtigt zu sein. Noch vor hundert Jahren war dieses Verständnis undenkbar und auch heute werden diese fundamentalen Rechte nicht weltweit allen Frauen zugesprochen.

Zu einem ersten fundamentalen Umbruch im Bereich Familie und Geschlechterbeziehungen kam es in Zuge der Französischen Revolution. Getrieben von dem Wunsch einen gesamtgesellschaftlichen Wandel zu erreichen, kam es am 5./6. Oktober 1789 zum Marsch der Pariserinnen. In diesem Zusammenhang lässt sich bereits das Problem er- kennen, das dem politischen Aufbegehren von Frauen im- mer beschieden war: Sie mussten bestehende Tabus und gesellschaftspolitische Regeln brechen, um überhaupt Gehör zu finden.

In Deutschland verbalisierten Frauen erstmals ihre Interessen öffentlich bei der Märzrevolution 1848. Dabei waren Frauen in vielfacher Weise an den revolutionären Bemühungen jener Zeit beteiligt. Nach dem Scheitern der Revolution verfestigte sich das bis dahin etablierte Geschlechterbild. Erst die Geschehnisse des 20.

Jahrhunderts ließen ernsthafte politische Umwälzungen in Deutschland und anderswo für Frauen zu, insbesondere das Wahlrecht (1918) und die gesetzlich garantierte Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz gemäß Art. 3, Abs. 2. Bis es allerdings in den einzelnen gesellschaftlichen Schichten und Institutionen zu eben dieser tatsächlichen Gleichberechtigung kam, waren weitere Debatten und Jahrzehnte notwendig. Abgeschlossen ist dieser Prozess bis heute nicht.

Wer denkt, dass die zurückliegenden Jahrzehnte eine vollkommene Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft bewirkt hätten, der fehlt weit. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienten 2015 Frauen rund 21 Prozent weniger an Bruttoeinkommen als ihre männlichen Kollegen bei gleicher Leistung und Qualifikation. Dieses Phänomen lässt sich quer durch alle Branchen beobachten.

Auch die Diskussion um die gesetzliche Frauenquote in deutschen Unternehmen muss skeptisch betrachtet werden. Frauen wie Männer sollten aufgrund ihrer Qualifikationen einen Posten erhalten und nicht zwangsverordnet über eine wahllose Quote. Allerdings muss man bei vielen Unternehmen fragen, wer genau diese Qualifikationen

bestimmt und ob in diesem Zusammenhang nicht auch ein männliches Übergewicht vorhanden ist. Noch unverständlicher ist, dass nach Untersuchungen der Universi- tät Bielefeld u. a. aus dem Jahr 2010 zufolge, Frauen ein niedrigeres Einkommen akzeptieren.

Gescheiterte Konzepte wie das Betreuungsgeld (Herdprämie) lassen erkennen, dass auf Gleichstellung ausgerichtete Familien- und Geschlechterkonzepte nach wie vor von rückwärtsgewandten Ideen bestimmt werden.

Politisch nachdenklich stimmen momentan insbesondere die Positionen der Alternative für Deutschland (AfD), die sich in ihren Programmentwürfen und Leitlinien bezüglich Familien- und Geschlechterpolitik durchweg antifeministisch, völkisch-national und rassistisch zeigt. Die Reduzierung von Frauen auf ein schlichtes Mutter- und Ehefrau- Dasein ist ein Armutszeugnis für das 21. Jahrhundert, ebenso wie ihr verzerrtes Verständnis von Gender Mainstreaming. Erschreckenderweise ist die AfD mit derlei Positionen nicht allein, man erinnere sich an die vulgären und abwertenden Äußerungen von Donald Trump über     Frauen oder die geplante Verschärfung der Abtreibungsgesetze in Polen.

Der Women´s March on Washington am Tag nach Donald Trumps Amtseinführung zeigte, dass Frauen keineswegs zurückschrecken, um gegen die aktuellen Rückwärtstrends in punkto Gleichberechtigung ihre Stimmen zu er- heben. Diese Entschiedenheit von Frauen wäre in vielen anderen Bereichen, in denen sie benachteiligt werden, wünschenswert und notwendig.

Der Anfang ist gemacht, das Ende noch lange nicht!

 

 

 

 

Autor: Cassandra Speer Ruhr-Universität Bochum

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