Salzkörner

Mittwoch, 13. Mai 2015

Ein neues Gotteshaus

Trinitatiskirche kehrt in das zentrale Stadtbild Leipzigs zurück

Am 9. Mai 2015 wird in Leipzig die dritte Trinitatiskirche der Propsteigemeinde eingeweiht – zurückgekehrt an den Innenstadtring, in dessen Nähe auch die erste Pfarrkirche errichtet worden war. Ein geschichtlicher Rück- und zukunftsweisender Ausblick:

Vor dem Bau und der Einweihung der ersten katholischen Kirche St. Trinitatis in Leipzig feierte die katholische Gemeinde seit 1710 ihren Gottesdienst in einem dreischiffigen Raum der Pleißenburg. 1841 traten an dem Gewölbe dieses Bauwerkes erhebliche Schäden auf, die eine weitere Nutzung nicht gestatteten. Die Gemeinde durfte nun in der benachbarten evangelischen Matthäikirche ihre Gottesdienste feiern. Durch Zuwanderung wuchs die katholische Gemeinde so stark, dass die erste katholische Kirche in der Innenstadt Leipzigs gebaut und 1847 geweiht wurde: St. Trinitatis. Diese Kirche war bis in die frühen Morgenstunden des 4. Dezember 1943 Heimstatt der Gemeinde, bis sie, wie auch die evangelischen Kirchen St. Johannis und St. Matthäi, durch Bomben zerstört wurde.

Ein Wiederaufbau der Trinitatiskirche wurde durch die Stadt Leipzig untersagt; die Ruinen der Matthäikirche wurden vollständig abgetragen, der Turm der Johanniskirche in den sechziger Jahren abgerissen. 1968 wurde aus ideologischen Gründen die Universitätskirche, in der die katholische Trinitatisgemeinde untergekommen war, gesprengt. Von den Kirchen des Stadtzentrums waren somit nur die Stadtkirchen St. Thomä und St. Nikolai sowie die Petrikirche, 1848 in der Südvorstadt von Bürgern der Stadt Leipzig erbaut, übrig geblieben. Aus dieser verkürzten Darstellung wird ersichtlich, dass statt eines Wiederaufbaus zerstörter Kirchen, wie er nach 1945 in vielen Städten der Bundesrepublik erfolgt ist, die Kirchenruinen in Leipzig nach dem Krieg vollständig beseitigt wurden.

Wehmut

Nach der Sprengung der Universitätskirche war die Trinitatisgemeinde Gast in verschiedenen evangelischen Kirchen. Die drei zentral gelegenen verbliebenen evangelischen Kirchen sind für die evangelische Kirche reformationsgeschichtlich von so starker Bedeutung, dass eine Überlassung an die katholische Gemeinde nicht möglich war. Erst 1982 konnte die zweite Trinitatiskirche, außerhalb der Innenstadt und des Innenstadtringes, am sogenannten Rosental gelegen, eingeweiht werden. Leider erwies sich der Baugrund als sehr unbeständig, sodass bald Gebäudeschäden auftraten, die immer wieder umfangreiche Sanierungsarbeiten nach sich zogen. Umfassende Untersuchungen ergaben eine derartige Höhe an Sanierungskosten, dass die Kosten eines Neubaus bald überschritten würden. Obwohl die Innengestaltung der 1982 geweihten Kirche, entworfen und ausgeführt durch den Berliner Bildhauer und Metallkünstler Achim Kühn, nicht die Zustimmung der gesamten Gemeinde gefunden hatte, erfolgte die notwendige Trennung mit Wehmut, und es wurde häufig die Frage gestellt: "Ist wirklich nichts mehr zu machen?" - ein Zeichen dafür, dass auch dieser Kirchenbau für eine Generation Heimstatt geworden war.

Mit Unterstützung der Stadt Leipzig wurde ein Grundstück am inneren Stadtring gefunden, das den Vorstellungen der Gemeinde entsprach, lag es doch nicht weit von der ersten Trinitatiskirche entfernt. Zwischen der Stadt Leipzig, der Trinitatisgemeinde und dem Bistum bestand Einigkeit, dass dieses Bauwerk, gelegen in einem stadtprägenden Umfeld, Gegenstand eines Architekturwettbewerbes sein sollte. Die Gemeinde hat sich in die Diskussion der Aufgabenformulierung zur Auslobung des Wettbewerbes über Workshops und Vorträge nachdrücklich eingebracht. So waren u. a. die Transparenz des Bauwerkes, die Gestaltung des Innenraumes als Ort der Verkündigung und Eucharistie, die Offenheit zur Stadt und Eingliederung in das Stadtbild eindringliche Forderungen der Gemeinde. Dem vielfach geäußerten Wunsch, die Gestaltungselemente der bestehenden Kirche St. Trinitatis in den zu planenden Neubau zu übernehmen, konnte nicht entsprochen werden, da dies eine starke Einschränkung des Wettbewerbes bedeutet hätte.

Durch die Gemeinde wurden 20 Architekturbüros zum Wettbewerb eingeladen. Der Wettbewerb erfolgte in zwei Stufen; als Sieger ging das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz Architekten GmbH hervor.

Baubeschreibung

Der Baukörper schließt wieder einen Teil des Innenstadtringes, führt die ehemals vorhandene historisch gewachsene Ringbebauung fort und richtet sich in seiner Traufhöhe von 22 Metern nach der typischen Innenstadtbebauung. Die dadurch entstehende linienartige Form des zweistöckigen Baukörpers mit seinem 50 Meter hohen Eckturm - er kann als Pendant zum Rathausturm angesehen werden - passt sich den vorhandenen Gegebenheiten an. Das Bauwerk ist zweigeteilt; der dadurch zwischen den beiden Baukörpern entstehende Platz ist typisch für die Innenstadt Leipzig mit ihren Handelshöfen.

Im westlichen Baukörper sind der Gemeindesaal, durch große Fenster zur Stadtseite geöffnet, aber auch noch kleinere Seminarräume untergebracht. Im Obergeschoss dieses Gebäudeteils befinden sich die Verwaltung sowie die notwendigen Wohnungen. Der sogenannte Innenhof erfüllt für das Gemeindeleben verschiedene Aufgaben und ist zu jeder Zeit zugänglich. Der östliche würfelförmige Baukörper ist durch einen Verbindungsbau mit dem westlichen Gebäudeteil verbunden und schließt den Gesamtkomplex ab. Der Hof öffnet sich von Nord nach Süd und bietet sich als Verbindungsweg an. Optisch verbunden werden die zwei Gebäudeteile durch die Fassadengestaltung, wobei sich der Naturstein, ein roter Porphyrtuff, gebrochen aus einem Steinbruch bei Leipzig, und die Fensterelemente als Bänder über alle Gebäudeteile erstrecken.

Raum der Besinnung

Betritt man den Innenraum, so ist man von der fast asketischen Schlichtheit gefangen. Die hohen weißen Wände wirken nicht kalt; vielmehr wird man von ihnen umfangen und fühlt sich geborgen - ein Raum, der zur Besinnung, zur Meditation einlädt. In der Galerie an der nördlichen Außenwand, innerhalb der Kirche, sind die Räume für die Orgel und einen Chor eingeordnet, die in keiner Weise das Gesamtbild stören. Die Decke ist als Rippendecke gestaltet. Das in der Westwand als Lichtspender eingelassene byzantinische Kreuz symbolisiert zum einen den Opfertod Christi, zum anderen in der waagerechten Achse die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und in seiner senkrechten Achse die Verbindung mit Gott. Der Altar befindet sich an der Ostseite der Kirche und wird durch ein breites oberes Lichtband erhellt. Die Gemeinde wünschte eine Anordnung von Altar und Ambo in gleicher Höhe als Orte der Verkündigung und der Eucharistie, um so auch die Bedeutung beider Teile des Gottesdienstes hervorzuheben. In der nun vorliegenden Realisierung steht der Altar im Mittelpunkt des Altarraumes. Der aus Weimar stammende Traventin-Fußboden fügt sich in das Gestaltungskonzept ein. Bemerkenswert ist, dass der Altar nicht durch ein Altarpodest erhöht ist, sondern dass die Bankreihen auf dem leicht geneigten Kirchenfußboden auf den Altar hin zugeordnet sind. Durch das in die Decke eingelassene Lichtband wird der Altarbereich jedoch stärker hervorgehoben, als dies durch ein Altarpodest erfolgen könnte. Der Tabernakel ist in einer Seitenkapelle untergebracht, in der auch der Raum für das persönliche Gebet, für Besinnung und Meditation geschaffen wurde.

Dass der Trinitatisgemeinde ein neues Gotteshaus geschenkt wurde, ist auch den vielen Spendern zu verdanken, die das Anliegen der Trinitatisgemeinde Leipzigs zu ihrem eigenen gemacht haben. Die Bauherren sind mit diesem Geschenk verantwortungsvoll umgegangen und haben sich eine finanzielle Obergrenze gesetzt. Danach gefragt, sagte Propst Gregor Giele: "Wir kontrollieren ständig die Kosten, und falls wir Abweichungen dieser Art feststellen, wird das Gemeindezentrum einschließlich der Kirche abgeschlossen, auch wenn wir dadurch einige unserer Wünsche nicht erfüllen können."

Mit der Rückkehr der Trinitatiskirche in das zentrale Stadtbild setzt die Gemeinde auch ein Zeichen dafür, dass sie bereit und gewillt ist, an der Gestaltung dieser ihrer Stadt teilzunehmen.

 

 

 

 

 

 

Autor: Dr. Nikolaus Legutke, Vorsitzender des Diözesanrates von Dresden-Meißen

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