Salzkörner

Donnerstag, 12. Mai 2011

Erfolg in Europa

Das hohe Gericht hat gesprochen. Am 18. März verkündete die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in letzter Instanz, dass in italienischen Klassenzimmern auch weiterhin Kreuze hängen dürfen. Es wird ausdrücklich in das Ermessen der Mitgliedsstaaten gestellt, welchen Raum sie der Religion in der schulischen Bildung und Erziehung geben wollen.

Mit exakt diesem zentralen Argument, dass in einem Europa der kulturellen und religiösen Vielfalt eine Homogenisierung und Nivellierung des staatlichen Verhältnisses zur Religion höchst problematisch wäre, hatte sich das ZdK gemeinsam mit europäischen Partnern aus Frankreich und Italien im Rahmen einer Drittintervention an dem Verfahren beteiligt. Das nun vorliegende Urteil ist ein schöner Erfolg für dieses Engagement. Es ist ein Nachweis dafür, dass es sich lohnt, einen langen Atem zu haben und sich auf die fachliche Auseinandersetzung im politischen und hier auch juristischen Raum einzulassen. Wer dies qualifiziert tut, kann in Europa etwas bewegen. Darum ist unsere qualifizierte Kooperation mit anderen katholischen Laienbewegungen in Europa so wichtig.

Der Richterspruch zeigt aber auch, dass es im demokratischen Meinungsstreit mehr denn je darauf ankommt, das Bewusstsein für die positive gesellschaftliche Prägekraft des Christentums wachzuhalten. Die Präsenz christlicher Symbole in der pluralen Öffentlichkeit wird nur solange plausibel sein, wie es Christen als gesellschaftlichen Akteuren gelingt, die Botschaft des Kreuzes glaubwürdig in ihre jeweilige Lebenswelt zu transferieren. Also gilt beides: Kreuze aufhängen – und von der befreienden Kraft des Evangeliums erzählen!


Autor: Stefan Vesper

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