Salzkörner

Montag, 30. Juni 2014

Es gibt sie noch

Editorial

Es gibt sie noch. Verabschiedung eines Vorstandsmitgliedes eines führenden Großunternehmens im Rheinland. Der Mann geht, früher als notwendig, in den Ruhestand, weil er seine dritte Lebensphase noch bei guten Kräften aktiv gestalten will. Im Rückblick auf sein Wirken als Personalvorstand und Arbeitsdirektor betont er die Grundsätze der Katholischen Soziallehre.

Er spricht von der Bedeutung der Arbeit für den Menschen, beruft sich auf das Prinzip der Personalität, auf die Würde jedes einzelnen Arbeitsnehmers, auf das Prinzip des gerechten Lohns. Unter großem Beifall spricht er von Fairness auch im Streit, vom anständigen Umgang miteinander, vom langfristigen Blick auch in scharfen Tarifverhandlungen. Er spricht von Gerechtigkeit.

Als er seinen Dank an Wegbegleiter und Familie formuliert, beginnt er mit einem Dank an "den Herrgott", der ihm das Leben geschenkt und ihn begleitet hat, auch durch schwere Zeiten. Wohlgemerkt, all das in einer säkularen Verabschiedung eines Wirtschaftsmannes.

Wie falsch ist es zu sagen: "Es gibt sie noch". Natürlich gibt es sie: Frauen und Männer in Wirtschaft, Politik, Kultur und in welchem gesellschaftlichen Bereich auch immer, die Ihre Motivation und ihr Handeln aus ihrem christlichen Glauben beziehen. Deren Wertmaßstäbe aus der Soziallehre kommen. Es gibt sie nicht "noch", es gibt sie überall. Man muss nur die Augen aufmachen – und die Ohren.

 

 

Autor: Dr. Stefan Vesper

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