Salzkörner

Dienstag, 5. November 2013

Flüchtlingsnot

Editorial

Mit seinem Besuch auf Lampedusa hat Papst Franziskus im Juli ein aufrüttelndes Signal der Solidarität mit den Flüchtlingen gesetzt, die vor Krieg und Gewalt, vor Hunger und Umweltkatastrophen, vor der Perspektivlosigkeit in ihren Ländern nach Europa fliehen. Zugleich hat er eine "Globalisierung der Gleichgültigkeit" angeprangert.

Nach weiteren Havarien im Mittelmeer mit hunderten Toten ist die Erschütterung groß. Der Erschütterung muss nun endlich ein entschlossenes gemeinsames Handeln folgen! Die Verantwortung für die Flüchtlingskatastrophen ist eine gemeinsame, der Herkunftsländer sowie Europas. Gemeinsam und global muss auch unser Agieren werden! Wir dürfen die Frage der Flüchtlingspolitik nicht eindimensional diskutieren, wir dürfen das Schicksal der Flüchtlinge nicht instrumentalisieren. Was wir benötigen, ist ein vielschichtiges Bündel an langfristig und kurzfristig wirkenden Maßnahmen, um zu verhindern, dass weiter Menschen an unseren Grenzen den Tod finden. Wie können wir Fluchtursachen bekämpfen? Wie können wir bewerkstelligen, dass der Weg zum Asyl in Europa nicht zur Todesfalle wird? Wie gelingt es uns, das Zusammenleben in unseren zunehmend interkulturellen und interreligiösen Gesellschaften friedlich zu gestalten? Dies schließt eine effektivere Entwicklungszusammenarbeit ebenso wie die Bekämpfung von Schlepperbanden und eine verbesserte Seenotrettung ein.

Wir brauchen mehr legale Wege der Zuwanderung nach Europa, was nicht eine völlige Öffnung der Grenzen bedeutet. Wir brauchen vor allem eine ehrliche und mutige Debatte. Eines gilt sicher: Zu migrieren ist eine sehr persönliche Entscheidung, sehr tiefe und für sie sehr schwerwiegende Gründe bewegen die Menschen dazu. Migration wird es immer geben.

 

 

 

Autor: Stefan Vesper

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