Salzkörner

Montag, 30. Juni 2014

Frauen an der Spitze

Ergebnisse der Befragung "Frauen in Leitungspositionen im ZdK, in den Diözesanräten und in den Organisationen der AGKOD"

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) setzt sich seit vielen Jahren für ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche ein. Gegenwärtig wird dieses Anliegen verstärkt in den Dialogprozess der deutschen Bischöfe eingebracht und unter anderem eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an kirchlichen Leitungspositionen gefordert. Doch wie sieht es in den eigenen Reihen aus? Wie ist es um die Teilhabe von Frauen an Leitungsaufgaben im ZdK und bei seinen Mitgliedern bestellt?

Das ZdK legt nun die Ergebnisse einer Befragung vor, die einen Einblick in die aktuelle Situation der Teilhabe von Frauen an den Leitungsstrukturen der Laienarbeit der katholischen Kirche bieten. Dabei handelt es sich um einen Ausschnitt des vielfältigen Engagements katholischer Laien in Deutschland: Befragt wurden das ZdK und der Katholikentag, die direkten Mitgliedsorganisationen der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) auf Bundesebene und die im ZdK vertretenen Laienräte (Diözesanräte auf Diözesanebene; der Katholikenrat beim katholischen Militärbischof für die deutsche Bundeswehr und der Bundespastoralrat der Katholiken anderer Muttersprachen auf Bundesebene) – insgesamt 130 Organisationen.

Große Beteiligung

Schon die außerordentlich hohe Beteiligung an der Online-Befragung macht das große Interesse der ZdK-Mitglieder an einer Bestandsaufnahme zur gegenwärtigen Situation der Teilhabe von Frauen an Leitungspositionen sichtbar. Fast 90 Prozent der Befragten haben im Zeitraum vom 14.03. bis 03.04.2014 den Online-Fragebogen beantwortet. Schwerpunkt der quantitativen Untersuchung waren die Fragen nach der Geschlechterverteilung in Leitungsgremien, beim Vorsitz und stellvertretenden Vorsitz, in der Geschäftsführung und in Leitungspositionen der Geschäftsstellen. Hinzu kamen Fragen nach Aussagen zur Geschlechterverteilung in Statuten oder Geschäftsordnung sowie nach Frauenförderung. Die Konzeption und Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit Dr. Stefanie Conein, Büro für Evaluation und wissenschaftlichen Service.

Mehr als 30 Prozent Frauen in Führungsaufgaben

Die Ergebnisse der Befragung zeigen zum Teil überraschend deutlich, dass auf allen untersuchten Ebenen bereits eine größere Zahl von Frauen in Leitungspositionen vertreten ist. Sowohl bei den befragten Diözesanräten, als auch bei den katholischen Organisationen finden sich mehr als 30 Prozent Frauen in Führungsaufgaben. Insgesamt ergibt sich für die ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Leitungspositionen im untersuchten Bereich fast durchgehend ein Frauenanteil in der Größenordnung von 35-40 Prozent. Dies gilt für die Leitungsgremien (37 Prozent Frauenanteil), für die Vorsitzenden der Leitungsgremien (39 Prozent Frauenanteil), für die Geschäftsführenden und Leitenden der Bundesgeschäftsstellen (44 Prozent Frauenanteil). Diese recht hohe Anzahl von Frauen in Leitungspositionen ist dabei nur bei wenigen der Befragten mit einem statuarisch abgesicherten Frauenanteil oder mit einer gezielten Frauenförderung verbunden.

Über der Quote

Damit liegt der untersuchte Bereich des Laienkatholizismus bereits jetzt über der Quote von 30 Prozent für Frauen in kirchlichen Führungspositionen, die der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Vorsitzender der Unterkommission "Frauen in Kirche und Gesellschaft" der Deutschen Bischofskonferenz, beim Katholikentag in Regensburg als mittelfristiges Ziel für die Bischöfe und ihre Einrichtungen benannt hat. Die katholische Kirche hat an vielen Stellen bereits ein weibliches Gesicht, auch an der Spitze.

Veränderungsbedarf

Diese ausgesprochen positiven Ergebnisse dürfen jedoch nicht den Blick dafür verstellen, dass bei der vertieften Auswertung durchaus auch Problemlagen hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe deutlich werden. So handelt es sich erstens bei den Ergebnissen um Durchschnittswerte, von denen Einzelfälle zum Teil erheblich abweichen. Es finden sich sowohl bei den Diözesanräten, als auch bei den Organisationen der AGKOD eine Reihe von Befragten, in deren Leitungsgremien gar keine oder nur sehr wenige Frauen Mitglieder sind, jedoch außer bei fünf Frauenverbänden nie Leitungsgremien ohne Männer. Zweitens lässt sich feststellen, dass zwar viele Frauen in der Geschäftsführung von Räten und Organisationen engagiert sind, überproportional häufig aber ehrenamtlich und dort, wo es keine Geschäftsstellen oder solche mit nur wenigen Mitarbeitenden gibt. Die größeren Bundesgeschäftsstellen, insbesondere die großen mit 70 Mitarbeitenden und mehr, werden hingegen sehr häufig von Männern geführt. In diesen unterschiedlichen Fällen besteht noch ein deutlicher Veränderungsbedarf, um zu einer stärkeren Repräsentanz von Frauen zu gelangen. Insgesamt ist zu beachten, dass es sich bei den untersuchten Leitungspositionen in weiten Teilen – insbesondere bei den Leitungsgremien und ihren Vorsitzen – um ehrenamtliches Engagement handelt.

Mit diesen Ergebnissen liegen nun erstmalig Zahlen zum aktuellen Stand der Teilhabe von Frauen und Männern an Leitungspositionen in einem bedeutenden Segment des organisierten Laienkatholizismus vor, die künftig als Vergleichsdaten herangezogen werden können. Eine erneute Befragung soll im Jahr 2018 durchgeführt werden, um mögliche Entwicklungen aufzuzeigen. Denn auch wenn die Teilhabe von Frauen bereits recht hoch ist, ein gutes Drittel darf nicht zum gemütlichen Drittel werden, auf dem man sich ausruht – ein Drittel ist keine Parität.

Zielvorgabe: Paritätische Teilhabe

Um das Ziel einer weitgehend paritätischen Teilhabe möglichst umfassend zu verwirklichen, sind durchaus noch größere Anstrengungen erforderlich. Und dies sicher auch nicht allein auf den bislang untersuchten Ebenen, sondern auch in den diözesanen und regionalen Ebenen der Organisationen und den pfarrlichen Strukturen der Räte. Das ZdK-Präsidium hat daher an alle katholischen Laienräte und -organisationen appelliert, Frauen gezielt zu fördern und sich auch künftig für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in den eigenen Leitungsstrukturen einzusetzen (soweit sie nicht Frauen- oder Männerverbände sind). Besonders hinzuweisen ist dabei auf das gegenwärtige Projekt des Deutschen Caritasverbandes "Gleichgestellt in Führung gehen", das ein gleichberechtigter Zugang von Frauen und Männern zu Führungspositionen der Caritas anzielt. Darüber hinaus müssen die bereits erreichten Schritte wahrnehmbarer werden. Dazu gehört, dass Frauen in Leitungspositionen öffentlich als Vertreterinnen der Katholiken und als Expertinnen in ihren Themen sichtbar sind. Eine paritätische Beteiligung von Frauen und Männern an Leitungspositionen auf allen Ebenen des Laienkatholizismus und in allen kirchenrechtlich möglichen Bereichen der katholischen Kirche – wie sie in der ZdK-Erklärung "Für ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche" im Jahr 2011 eingefordert wurde – bleibt ein wichtiges Ziel, dem sich das ZdK mit den Ergebnissen dieser Befragung näher und zugleich weiterhin verpflichtet weiß.

Diese und die weiteren Ergebnisse der Befragung sind auf der Homepage des ZdK veröffentlicht: www.zdk.de.

 

 

 

 

 

Autor: Dr. Sabine Schößler Referentin für Bildung, Kultur und Medien im Generalsekretariat des ZdK

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