Salzkörner

Donnerstag, 30. Juni 2016

Freudentränen

Editorial

Erzbischof Dr. Heiner Koch erzählte am Ende des Katholikentags in Leipzig, dass er nach dem Fronleichnamsgottesdienst am Donnerstagmittag über den Augustusplatz ging und einem Mann begegnete, der am Rand des Platzes saß und weinte. Auf die Frage, was ihn bewege, berichtete der Mann: Vor 30 Jahren hatte er auf diesem Augustusplatz Flugblätter verteilt, die zum Fronleichnamsgottesdienst einluden. Dafür wurde er verhaftet und musste ins Gefängnis. Nun, Jahrzehnte später, wurde hier in Frieden und Freiheit Gottesdienst gefeiert. Das berührte ihn tief und rührte ihn zu Tränen.

Solche Geschichten gehören zu den unverhofften Geschenken unserer Katholikentage – wie die Gespräche am Abend im Gute-Nacht-Café, wie der Moment der Stille beim Biblischen Impuls, wie das überzeugende Argument in der Debatte, wie das herzhafte Lachen im Kabarett, wie der scharfe Artikel zur Katholikentagsgeschichte, wie der Friedensgruß der evangelischen Jugendpfarrerin und des katholischen Propstes, wie das Gespräch in der Straßenbahn, wie der Talk an der Theke, wie die Pause im Strandkorb der Diözese Berlin, wie der Künstler, der erzählte, wie er zum Glauben fand, wie die Predigt auf der Kanzel vor dem Hauptbahnhof, wie das stille Gebet im Geistlichen Zentrum, wie der Gottesdienst in der Bahnhofshalle, das Kennenlernen des netten Leipzigers beim Straßenfest, die Predigt von Kardinal Marx, der Beifall für die Schlussansprache unseres Präsidenten.

Danke, Leipzig!

 

 

Autor: Dr. Stefan Vesper

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