Salzkörner

Donnerstag, 27. April 2017

Für einen ambitionierten Klimaschutz!

Die besondere Verantwortung der Wohlhabenden

Seit der industriellen Revolution kommt der Nutzung fossiler Energieträger für die Menschheit eine essentielle Bedeutung zu. Weltweit über sieben Milliarden Menschen auf der Erde sind angewiesen auf die Erzeugung von Industriegütern und Nahrungsmitteln, die ohne Verbrennungskraftmaschinen aktuell nicht zu bewältigen wäre.

Technischer Fortschritt und die Nutzung verschiedener Energieträger helfen dabei, Armut zu verringern, Hunger auf der Welt zu vermeiden und der Menschheit in unter- schiedlichem Maß zu Wohlstand zu verhelfen. Gleichwohl gibt es auch eine Kehrseite der Entwicklung: Durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas emittiert die Menschheit heute jährlich klimaschädliche Gase wie CO2 in ungeahnten Mengen. Die moderne Nahrungsmittelproduktion, insbesondere die Tierhaltung, trägt mit dem Ausstoß von klimaschädlichem Methan einen weiteren wichtigen Anteil.

Längst haben die durch Menschen verursachten Emissionen Einfluss auf das Klima auf unserem Planeten. Weltweit anerkannte Forscherinnen und Forscher beobachten eine Zunahme der durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde um etwa 1.1 Grad im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung1. Immer weitere Temperaturrekorde lassen uns zudem im Alltag einen spürbaren Eindruck des Klimawandels erleben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zudem im letzten Bericht des IPCC dargelegt, dass allein aufgrund der weltweiten Emissionen in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine globale Erderwärmung von etwa 2 Grad nach aktuellem Wissensstand unausweichlich erscheint2. Das veränderte Klima hat Einfluss auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Insbesondere in den südlichen Teilen Afrikas und Asiens führt die Erwärmung zu Trockenheit und zunehmender Desertifikation. Der Entzug von Lebensraum und erschwerte oder verhinderte Möglichkeiten des Nahrungsmittelanbaus sind die tragische Folge dieser Entwicklung, die schlussendlich ihrerseits zu Armut, Hunger und Flucht führt.

Ein Charakteristikum des Klimawandels liegt darin, dass große Industrienationen zwar wesentlich für die schädlichen Emissionen der Gegenwart wie der vergangenen Dekaden verantwortlich, hingegen aufgrund der Geographie vergleichsweise weniger direkt von den Auswirkungen betroffen sind. Gerade weil der Wohlstand, für den auch Länder wie Deutschland dankbar sein dürfen, in den vergangenen Jahrzehnten mit einem unglaublich großen CO2-Ausstoß verknüpft ist, ist auch die besondere Verantwortung der Wohlhabenden für einen ambitionierten Klimaschutz gegeben.

Angesichts der Klimakonferenzen der vergangenen Jahre ist die Frage berechtigt, warum auch 2017 die Thematik nicht aus dem Blick geraten darf. Gab es doch insbesondere auf dem letzten großen Klimagipfel in Paris unter vielen Ländern einen Konsens, auf eine Reduktion der Emissionen hinzuwirken, sodass eine über 2 Grad hinausreichende Erderwärmung verhindert wird. Die damit notwendig werden- den Veränderungen an unserer Verhaltens- und Lebensweise und die industriellen Prozesse sind extrem herausfordernd – sei es für jeden einzelnen oder für die Gesellschaft insgesamt. Bedenklich ist die Beobachtung, dass von verschiedenen Verantwortungsträgern selbst wissenschaftlich belegte Zusammenhänge verneint und die Folgen des Klimawandels schlichtweg negiert werden. Das Außerkraftsetzen von Klimaschutzbestimmungen in den USA durch den neu gewählten Präsidenten ist dabei aber nur eine besonders schmerzliche Folge einer Meinung, die nicht auf Amerika beschränkt ist. Auch in Europa sind die Stimmen, die die Anstrengungen des Klimaschutzes im Hinblick auf wirtschaftliche und sozio- ökonomische Gegebenheiten zurückfahren wollen, nie verstummt. Weil die Folgen des Klimawandels für das Ökosystem der Erde so gravierend sind und sie den Lebensraum des Menschen insgesamt bedrohen, insbesondere im Hinblick auf zukünftige Generationen, erscheint mir eine Politik ohne ambitionierte Anstrengungen im Klimaschutz unverantwortlich. Die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung er- fordert eine Kontinuität im Handeln, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si'" schreibt. Es mag einen Diskurs geben, auf welchen Wegen klimaschädliche Emissionen am wirksamsten reduziert werden, am gemeinsamen Ziel darf es hingegen keine Zweifel geben.

 

1          World Meteorological Organisation: "Climate breaks multiple records in 2016, with global impacts" (21/03/2017)

2          Intergovernmental Panel on Climate Change: "Climate Change 2014"

 

 

 

Autor: Dr. Michael Lentze Programmdirektor "Gruppe Chemie und Ingenieurwissenschaften 2", Deutsche Forschungsgemeinschaft

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