Salzkörner

Freitag, 16. Dezember 2016

Gegen alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Eine Aktion des BDKJ

"Zukunftszeit – Gemeinsam für ein buntes Land", so lautet der Titel der Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und seiner Diözesan- und Mitgliedsverbände zur Bundestagswahl 2017. Hinter dem Titel versteckt sich das, was sich der Großteil der jungen Menschen für die Zukunft wünscht: das Leben in einer vielfältigen, solidarischen, offenen und pluralistischen Gesellschaft. Der BDKJ und seine Mitglieds- und Diözesanverbände werden im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 "vier gute Jahre sammeln", das heißt sie werden mindestens 35.000 Stunden Einsatz für die Integration junger Geflüchteter und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zeigen, damit dieser Wunsch in der Gesellschaft und bei den politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern Wiederhall findet.

65 Millionen Menschen sind laut dem Bericht des Hochkommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) derzeit weltweit auf der Flucht. So viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Sie verlassen ihre Heimat und fliehen vor Krieg und Gewalt, vor ethnischen Auseinandersetzungen und Armut, vor Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst. Die meisten Flüchtlinge bleiben im eigenen Land oder zumindest in der Nähe ihres Heimatlandes. Nur wenige nehmen den gefährlichen Weg auf sich, um auf einen anderen Kontinent – beispielsweise von Afrika nach Europa – zu gelangen. Menschen sind auf der Flucht vielen Gefahren ausgesetzt und ihnen ist häufig großes Leid widerfahren. Doch auch im Ankunftsland sind sie vor Demütigungen, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit nicht sicher.

Ausbruch von antidemokratischen Verhalten

Die Debatte um den Umgang mit geflüchteten Menschen hat Deutschland in dem vergangenen Jahr stark polarisiert. Die Beleidigungen und der blanke Hass, der in Diskussionen geäußert wird, beispielsweise im Netz, bei Demonstrationen oder auch im politischen Diskurs haben uns als katholische Jugendverbände schockiert. Aber auch Muslimfeindlichkeit, Homophobie oder der Kampf gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter sind Themen der neuen rechten Bewegungen. Im Jahr 2015 wurden laut Verfassungsschutzbericht 21.993 rechtsextrem einzuordnende Delikte begangen. Das sind 30 Prozent mehr als 2014. Ein besonders hoher Anstieg wurde bei den Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte verzeichnet. 924 Taten im Jahr 2015, darunter etliche Brandstiftungen, sind ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu den 199 Taten im Jahr 2014. Aber woher, fragt man sich, kommt dieser plötzliche Ausbruch von antidemokratischem Verhalten, die Fülle an rassistischem Gedankengut, das hohe Potential für Gewalt gegen das als fremd Empfundene? Die sogenannten "Mitte-Studien" der Universität Leipzig zeigen seit Jahren auf, dass es in Deutschland ein größer werdendes Potenzial an Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Mitte der deutschen Bevölkerung gibt. Hieraus erwächst das Potenzial, sich auch tatkräftig gegen Fremde, schwache Gruppen und "Normabweichende" zu wenden. Gerade im letzten Jahr ist es uns sehr deutlich vor Augen geführt worden: Egal ob in den USA, in Russland, bei unseren europäischen Nachbarinnen und Nachbarn und auch in Deutschland: Rechte Parolen und verschiedene Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, von der Fremdenfeindlichkeit bis hin zum Sexismus sind wieder salonfähig geworden und zugleich werden viele andere Errungenschaften einer liberalen demokratischen Gesellschaft in Frage gestellt.

Aus dieser Gemengelage heraus haben sich die Bundeskonferenzen des BDKJ bereits im November 2015 entschieden, die Zeit vor den Bundestagswahlen 2017 zu nutzen, um sich zum einen mit dem Beschluss der Hauptversammlung 2016 "Wir widersprechen – weil wir glauben!" politisch zu positionieren und zugleich mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion deutlich zu machen: Aus unserem Glauben heraus wollen wir als junge Christinnen und Christen ein wirksames Zeichen gegen alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit setzen und deutlich machen, dass wir für eine offene, integrative und tolerante Gesellschaft einstehen. Dabei geht es auch darum, mit unseren Aktivitäten und unserer Ansprache diejenigen Menschen zu erreichen, die sich bislang nicht in unserem direkten kommunikativen Umfeld befinden. Das bedeutet nicht, den Dialog mit Rassistinnen und Rassisten zu führen, aber: Wir dürfen die Menschen, die Gefahr laufen, verführt zu werden, nicht verloren geben. Wir müssen immer wieder versuchen zu erklären, zu bilden und um der Demokratie willen um jeden und jede Einzelne kämpfen.

Zwei Phasen

Die Aktion "Zukunftszeit – Gemeinsam für ein buntes Land" dauert insgesamt von September 2016 bis September 2017 und unterteilt sich in zwei Phasen:

Phase 1: "klug werden"

Von September 2016 bis März 2017 liegt der Fokus auf der Bildungsarbeit. Es finden Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren statt, die verschiedene Aspekte gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufgreifen und die Sach- und Methodenkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stärken. Diese sollen im Anschluss der Seminare selber als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ihr Wissen weitertragen, Seminare im Verband oder der Region anbieten können und Zukunftszeit-Aktionen durchführen. Zudem wurde eine Arbeitshilfe und eine informative Webseite entwickelt, die den Gruppen vor Ort nicht nur im Rahmen der Aktion, sondern auch darüber hinaus die Möglichkeit geben soll, Argumente gegen rechte Parolen sowie Tipps und Hintergrundinformationen für die Arbeit mit jungen Geflüchteten anwenden zu können.

Phase 2: "aktiv sein"

Im Vorfeld der Bundestagswahl, deren Ergebnis die bevorstehenden vier Jahre, die kommenden 35.000 Stunden, in Deutschland entscheidend prägen wird, wollen wir gemeinsam während des Aktionszeitraumes von März bis September 2017 insgesamt vier Jahre, also 35.000 Stunden unserer Zeit und unseres Engagements für ein buntes Land sammeln. So machen wir deutlich, was wir uns für unser Land in den kommenden vier Regierungsjahren und darüber hinaus wünschen. Konkret heißt das: Kinder und Jugendliche engagieren sich deutschlandweit in ihren verbandlichen Gruppen durch eine Vielzahl von Aktionen für die Integration von Geflüchteten und/oder widersprechen durch konkrete Aktionen jeder Form von Menschenfeindlichkeit. Die Dauer jeder Aktion wird gezählt und summiert. Dabei zählt der Einsatz jeder einzelnen Teilnehmerin und jedes einzelnen Teilnehmers.

Das dezentrale Auftaktwochenende für die Phase des "Aktiv seins" der Aktion wird vom 17. bis 19. März 2017 stattfinden, anschließend sind die Jugendverbände des BDKJ und alle Menschen, die sich ihnen anschließen, aufgerufen, möglichst viele Aktionen vor Ort durchzuführen, die alle an ein gemeinsames Ziel appellieren: gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und für Integration und Weltoffenheit! Das kann der gemeinsame Kochabend mit jungen Geflüchteten ebenso sein wie ein Zeltlager, ein Jugendgottesdienst gegen Fremdenfeindlichkeit, ein Diskussionsabend zur politischen Situation in den Herkunftsländern. Der Kreativität der Gruppen vor Ort sind keine Grenzen gesetzt. Dazu werden auch Politikerinnen und Politiker, Bischöfe und Laien angesprochen, mit den Gruppen vor Ort ein katholisch, politisch, aktives Zeichen zu setzen. Mit einem finalen Aktionstag am 16. September 2017 in Berlin und weiteren bundesweit dezentralen Aktivitäten am selben Tag soll die sechsmonatige Aktionsphase enden.

Mit "Zukunftszeit – Gemeinsam für ein buntes Land" knüpfen wir an das bereits zahlreich stattfindende Engagement in der Jugendverbandsarbeit vor Ort an und bündeln dieses Engagement, um ein positives Signal zu setzen: Als katholische Jugendverbände stehen wir aus unserer christlichen Haltung klar für die vielfältige, solidarische, offene und pluralistische Gesellschaft ein. Diese Haltung machen wir mit der Aktion selbst deutlich und laden dazu viele Menschen guten Willens ein, dies mit uns gemeinsam mit zu tun!

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Lisi Maier BDKJ-Bundesvorsitzende

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