Salzkörner

Samstag, 31. Oktober 2015

Geh ins Offene …

Editorial

Sie passen nicht zusammen – der Produktionsplan dieser Salzkörner und der Zeitablauf der Synode: Wir erscheinen unmittelbar nach Abschluss der Synode, diese Zeilen entstehen aber, während die Beratungen noch in vollem Gang sind und man den Ausgang des bisher wichtigsten Ereignisses dieses Pontifikats nicht erahnen kann.

Dies ist der Moment, noch einmal mit Abstand auf das Geschehen zu schauen: Am Beispiel der Familie ringt die Kirche darum, wie sie dem Anspruch, die "Zeichen der Zeit" zu erkennen und in diese Zeit hinein das Evangelium zu verkünden, es zu leben, heute gerecht wird. Schon das Konzil beschrieb Sorgen und Herausforderungen: "Betroffen von einer so komplexen Situation, tun sich viele unserer Zeitgenossen schwer, die ewigen Werte recht zu erkennen und mit dem Neuen, das aufkommt, zu einer richtigen Synthese zu bringen; so sind sie, zwischen Hoffnung und Angst hin und her getrieben, durch die Frage nach dem heutigen Lauf der Dinge zutiefst beunruhigt." In dieser Spannung zwischen Lehre und Leben ihren Weg zu gehen, bleibt der gesamten Kirche wie ihren Teilkirchen und wie jedem Einzelnen immer aufgegeben.

Wer hier Barmherzigkeit sucht und konkrete Wege zur Lösung konkreter Probleme finden will, dem darf man nicht vorhalten, er verrate die Kirche. Umgekehrt muss man auf diejenigen, die sich sorgen, ob sich die Kirche aus Bequemlichkeit zu sehr gesellschaftlichen Normen anpasse, zugehen, das offene und vertrauensbildende Gespräch suchen.

"Geh ins Offene …" hat ein Freund seiner Kollegin Angela Merkel in Wendezeiten in ein Buch geschrieben. Das ist, ausgerüstet mit dem Evangelium und dem Glaubenszeugnis durch die Jahrhunderte, auch ein Wort für die Kirche, für heute – und für morgen.

 

 

Autor: Stefan Vesper

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