Salzkörner

Freitag, 19. Dezember 2014

Gesellschaftlich und ökonomisch ein Gewinn

Zur Finanzierung eines Katholikentags

Rund um die Einladung zum 100. Deutschen Katholikentag 2016 nach Leipzig ist in den politischen Gremien der Stadt und in der Folge auch in der Öffentlichkeit eine Diskussion über die Finanzierung von Katholikentagen entstanden. Auch für den 101. Deutschen Katholikentag 2018 in Münster setzt sich diese Diskussion fort. Im Zentrum stehen die Zuschüsse der öffentlichen Hand, insbesondere der gastgebenden Kommune. Wir sind davon überzeugt, dass gute Gründe dafür sprechen, den Katholikentag mit öffentlichen Mitteln finanziell zu fördern.

Die öffentliche Debatte um die Finanzierung von Katholikentagen, wie wir sie derzeit erleben, ist leider geprägt von vielen Vorurteilen und von Unkenntnis. Und dies, obwohl wir die Finanzierung seit vielen Katholikentagen transparent und öffentlich dargestellt haben. Darum zunächst hier die Fakten.

Fakten

Seit vielen Jahren speist sich die Finanzierung aus drei Quellen: Aus Teilnehmerbeiträgen und anderen eigenen Einnahmen, darunter einer Kollekte in allen katholischen Gemeinden im ganzen Land, zweitens aus Zuschüssen kirchlicher Stellen – des gastgebenden Bistums und der Gemeinschaft der deutschen Diözesen – und drittens aus Zuschüssen der Bundesrepublik Deutschland, des jeweiligen Bundeslandes und der gastgebenden Stadt.

Beispielhaft sei hier noch einmal auf den Haushalt des 99. Deutschen Katholikentages in Regensburg in diesem Jahr verwiesen. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 8.600.000 Euro. Davon kamen 2.830.000 Euro aus Eigenmitteln, 1.500.000 Euro vom Bistum Regensburg, 1.000.000 Euro vom Verband der Diözesen Deutschlands, 400.000 Euro vom Bundesministerium des Inneren, 1.600.000 vom Freistaat Bayern, 1.000.000 von der Stadt Regensburg und 270.000 Euro aus Projektzuschüssen, beispielsweise für Klima- und Inklusionsprojekte. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass sowohl die Teilnehmer selbst, wie auch die Gemeinschaft der Katholiken und die katholische Kirche in Deutschland gemeinsam  mit Bund, Land und Stadt den Katholikentag ermöglichen. Dieses Finanzierungskonzept gilt, mit geringen Abweichungen in der Höhe der Zuschüsse, für alle Katholikentage der letzten 20 Jahre.

Abgesehen von sehr kleinen, radikal antikirchlichen Gruppen, denen es um eine grundsätzliche Trennung von Staat und Kirche geht, wurde die Beteiligung der öffentlichen Hand an der Finanzierung des Katholikentags bisher nicht in Frage gestellt. In die gegenwärtige Diskussion mischen sich aber jetzt neue Töne. Diese Töne sind, wie ich aus vielen Diskussionen erfahre, uns zu einem kleinen Teil aus Vorurteilen und Ablehnung erwachsen, zu einem größeren Teil aber aus Unwissen. Ein Unwissen, dass sich vor allem auf den Charakter der Veranstaltung "Katholikentag", auf die Frage nach dem Veranstalter und nicht zuletzt auf die Rolle der öffentlichen Hand bezieht. Auf diese drei Fragenkomplexe möchte ich mit drei Thesen antworten.

Große gesellschaftliche Bedeutung

These 1: Der Katholikentag ist ein Ereignis von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Katholikentage sind, im jährlichen Wechsel mit den Evangelischen Kirchentagen, die größten, kontinuierlich stattfindenden, mehrtägigen gesellschaftspolitischen Foren in Deutschland. Keine gesellschaftliche Gruppe investiert so nachhaltig in den zivilgesellschaftlichen Dialog, wie die evangelischen und katholischen Christen mit ihren Großveranstaltungen. Die große Präsenz von Vertretern zahlreicher zivilgesellschaftlicher Gruppen oder aus Politik, Arbeitswelt, Wissenschaft und Kultur ist ein Beleg für die Akzeptanz dieses Angebotes, weit über die Grenzen der Kirchen hinaus. Die Themen der Katholikentage sind ein Spiegelbild der aktuellen politischen Debatten in unserem Land, von der Klima-, über die Flüchtlings-, Europa-, Friedens-, Entwicklungs- und Sozialpolitik bis hin zu Fragen der Menschenwürde und -rechte. Kurz gesagt: Katholikentage sind ein bedeutender Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs in unserem Land. Dafür erbitten wir die Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Von Bürgern für Bürger

These 2: Katholikentage sind Veranstaltungen von Bürgern für Bürger. Veranstalter ist nicht die katholische Kirche. Veranstalter sind vielmehr katholische Bürgerinnen und Bürger, die ihre Überzeugungen und Fragen aus ihrem Glauben heraus mit allen Mitbürgern diskutieren möchten. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als höchster repräsentativer Zusammenschluss von Katholikinnen und Katholiken in unserem Land. Allein in den katholischen Verbänden, die im ZdK vertreten sind, organisieren sich bundesweit mehr als drei Millionen Männer und Frauen aller Altersgruppen. Deshalb bitten wir als Bürgerinnen und Bürger Bund, Land und Stadt um ihre Unterstützung.

Subsidiarität

These 3: Die Finanzierung der Katholikentage stützt sich auf das in Deutschland geltende, bewährte Subsidiaritätsprinzip, das im Grundgesetz als ein elementares Strukturmerkmal unserer Sozialordnung festgeschrieben wurde. Demzufolge finanziert die öffentliche Hand – unter bestimmten Voraussetzungen - auch solche Leistungen, die nicht vom Staat selbst erbracht werden. Bekannte Beispiele sind Krankenhäuser und Kindergärten in kirchlicher und anderer Trägerschaft. Es gehören aber auch zivilgesellschaftliche Aktivitäten und Veranstaltungen wie das Reformationsjubiläum, das Deutsche Turnerfest und eben auch Kirchen- und Katholikentage dazu. Sie sind, wie schon gesagt, die größten regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen in unserem Land. Und es sind zivilgesellschaftliche Ereignisse von allerhöchstem Rang. Katholikentage sind ein Beitrag zur gesellschaftlichen Vergewisserung, zur politischen Bildung, zur Wertorientierung, wie sie ein Staat wie die Bundesrepublik nicht selber organisieren kann und soll, ja auf die unsere Gesellschaft fundamental angewiesen ist. Gestützt auf diese subsidiäre Ordnung unseres Gemeinwesens erbitten wir nun finanzielle Unterstützung.

Ökonomischer Gewinn

Neben diesen mehr grundsätzlichen Erwägungen sprechen insbesondere in Bezug auf eine gastgebende Kommune auch ganz handfeste, wirtschaftliche Argumente für die Anschubfinanzierung  eines Katholikentags. Die Investition von 1,5 Mio. Euro in Mannheim 2012 wurde durch einen Rücklauf von rund 9 Mio. Euro in die Stadt mehr als gerechtfertigt. Da sind zunächst die unterschiedlichsten Leistungen einer Stadt und ihrer Wirtschaftsbetriebe, die der Katholikentag ganz real bezahlt, die Mieten für Räume, die Abnahme von Strom und Wasser, den Transport der Teilnehmer mit dem öffentlichen Nahverkehr, die Stadtreinigung und vieles mehr. Viele Aufträge im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung werden an Betriebe aus der Stadt vergeben. All dieses ist öffentlich ausgewiesen, unabhängig geprüft, kann eingesehen und nachgerechnet werden. Dazu kommt das Geld, das die Katholikentagsteilnehmer in der Stadt ausgeben. Studien von vergangenen Katholikentagen belegen, dass jeder Dauerteilnehmer – ein Teilnehmer also, der von Mittwoch bis Sonntag am Katholikentag teilnimmt - rund 35 Euro pro Tag ausgibt. Bei 33.000 Dauerteilnehmern in Regensburg 2014 ergibt das einen Umsatz von 5.775.000 Euro. Hinzu kommen weitere 15 Euro pro Tagesteilnehmer, bei geschätzten 15.000 Tagesteilnehmern sind dies noch einmal 225.000 Euro. Für jede Stadt ist ein Katholikentag eben auch ein ökonomischer Gewinn und ein finanzieller Zuschuss ist damit eine wertvolle Investition, die sich handfest auszahlt.

Imagegewinn

Kein Ereignis in Deutschland, jenseits von großen Sportevents, schafft eine so breite und positive Öffentlichkeit auf allen Medienkanälen wie ein Katholiken- oder Kirchentag, und das ohne negative Begleiterscheinungen, wie sie andere Großveranstaltungen mit sich bringen können. Über 900 Medienvertreter hatten sich beispielsweise in Regensburg akkreditiert und haben fünf Tage lang berichtet. In praktisch jeder Tageszeitung sind drei bis fünf Artikel erschienen, viele Stunden Berichterstattung und Liveübertragungen liefen im Fernsehen. Regensburg war in allen Hauptnachrichtensendungen bundesweit präsent. Insbesondere in den Tagen vor der Veranstaltung richtet sich der Blick der Medien auf Stadt und Land. Katholikentage sind eine Investition in das Image einer Stadt, zugespitzt formuliert, eine preiswerte "Werbekampagne".

Gute Gründe

Es gibt also gute Gründe, warum Menschen zum Katholikentag kommen und dafür bezahlen. Es gibt auch gute Gründe, warum katholische Christen aus ganz Deutschland durch ihren solidarischen Beitrag dafür sorgen, dass ein Katholikentag stattfinden kann und dass die katholische Kirche durch das Bistum und die Gemeinschaft der Bistümer dies finanziell unterstützt. Es gibt aber auch gute Gründe, warum Bund, Stadt und Land dieses gesellschaftliche Ereignis von katholischen Bürgern ganz im Sinne des Subsidiaritätsprinzips unseres Staates fördern. Der Stadtrat von Leipzig hat dies für das Jahr 2016 jedenfalls so beschlossen.

Autor: Stefan Vesper, Generalsekretär des ZdK

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