Salzkörner

Dienstag, 30. Juni 2015

Globalisierung der Nächstenliebe

Die "Aktion Neue Nachbarn"

Seit dem Jahr 2000 haben über 23.000 Flüchtlinge bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, ihr Leben verloren. Jedem einzelnen widmete das Erzbistum Köln am 19. Juni 2015 bei einem Solidaritätsabend auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom einen Glockenschlag und fordert so eine "Globalisierung der Nächstenliebe". Die Gedenk-Klänge wurden im Kölner Dom vom "Dicken Pitter", der größten schwingenden Glocke der Welt, angestimmt und waren im Chor mit rund 230 weiteren Kirchenglocken über das gesamte Erzbistum verteilt zu hören.

"Würde eine Glocke alle zwei Sekunden erklingen, bräuchte sie für die 23.000 Schläge 12 Stunden. Jeder Schlag in dieser Zeit steht für einen Toten: Kinder, Väter und Großmütter", erklärte Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. "Die Totenglocken sollen eine europäische Flüchtlingspolitik einfordern, die einen legalen Weg für Flüchtlinge nach Europa schafft." Die 23.000 Glockenschläge waren das zentrale Element der ökumenischen Gedenkfeier, an der unter anderem Christoph Pistorius, Vizepräses der evangelischen Kirche im Rheinland, Bischof Anba Damian von der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland und Metropolit Isaac Barakat von der Antiochenisch-Orthodoxen Erzdiözese von Deutschland und Mitteleuropa beteiligt waren. Interviews mit mehreren Flüchtlingen gaben Einblicke in persönliche Schicksale. Eine Talkrunde mit Vertretern aus Erzbistum, kirchlichen und weltlichen Hilfswerken zeigte die Notwendigkeit einer neu zu gestaltenden Flüchtlingspolitik und Entwicklungshilfe auf. Der Solidaritätsabend ist eine von mehreren Initiativen, mit denen Woelki das Thema Flüchtlingshilfe angeht. So hat er im November 2014 die Aktion "Neue Nachbarn" gegründet. Deren Ziel ist es, die Willkommenskultur für Flüchtlinge im Erzbistum Köln zu fördern, die Bedarfe von Flüchtlingen stärker in das Bewusstsein zu rücken sowie alle kirchlichen und nicht-kirchlichen Akteure und Initiativen zu vernetzen. Das Erzbistum Köln hat dafür eine Soforthilfe von einer Million Euro zur Verfügung gestellt. Flüchtlingsinitiativen in den Gemeinden können diese Soforthilfe beantragen. Nach einem entsprechenden Antrag und in Absprache mit dem Leitenden Pfarrer werden Finanzmittel zur Förderung der Flüchtlingsarbeit vor Ort ausgezahlt. Finanziell unterstützt werden Ideen und Maßnahmen von Pfarrgemeinden und mit ihnen verbundene Gruppierungen und Initiativen, die geeignet sind, die Willkommenskultur in der Nachbarschaft von Pfarrgemeinden und Seelsorgebereichen zu fördern und zu stärken. Dies können zum Beispiel Projekte, Aktionen und Veranstaltungen sowie Bildungsmaßnahmen für Flüchtlinge und Ehrenamtliche sein. Gefördert werden Sach- und Honorarkosten, wenn eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln nicht möglich ist.

Eine weitere Million Euro dient dem Ausbau der Flüchtlingshilfe der Caritas und der Sprachkurse für Flüchtlinge, die von den katholischen Bildungswerken im Erzbistum Köln angeboten werden. Über die Unterstützung der örtlichen Flüchtlingshilfe hinaus ist auf Bistumsebene die Vernetzung der kirchlicher Akteure in der Flüchtlingshilfe verstärkt worden. So wurden im Generalvikariat und im Diözesan-Caritasverband zwei Flüchtlingskoordinatoren benannt. Die Leitung der Aktion "Neue Nachbarn" liegt in den Händen von Dr. Frank Joh. Hensel, Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln.

Was im Erzbistum Köln funktioniert, kann auch bundesweit möglich sein. Die Notwendigkeit zur Flüchtlingshilfe besteht durchaus: In der Bundesrepublik Deutschland wurden von Januar bis März 2015 insgesamt rund 75.000 Erstanträge auf Asyl gestellt. Im Vorjahreszeitraum waren es knapp 32.000 Erstanträge. Die "Aktion Neue Nachbarn" bezieht ihr Selbstverständnis aus der Überzeugung, dass Mitgefühl, Akzeptanz und die Bereitschaft zu helfen Flüchtlingen hilft, in einer Gemeinschaft anzukommen. Unvoreingenommener Kontakt und der Austausch miteinander führen dazu, dass aus Fremden Nachbarn werden, die Deutschland ihre Heimat nennen.

Weitere Infos: http://www.aktion-neue-nachbarn.de

 

 

 

 

Autor: Markus Harmann Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

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