Salzkörner

Freitag, 19. Dezember 2014

Gut leben

Editorial

Nachdem in der letzten Legislaturperiode eine Enquete-Kommission über "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" nachgedacht hatte, regt die Bundesregierung nun einen Bürgerdialog an zu der Frage: "Was macht Lebensqualität in Deutschland aus?"

 

Zwar wird das Vorhaben, wie so oft, von manchen verspottet oder belächelt - es verdient aber, ernst genommen zu werden. Christen haben schon immer danach gefragt, wie das Leben gelingen kann, nicht nur das individuelle, sondern auch das gemeinschaftliche. Für Christen gab es immer schon Maßstäbe und Orientierung durch Grundüberzeugungen zu Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit. Christen engagieren sich seit langem für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Und das alte Misereor-Leitwort: "Anders leben, damit andere überleben" hat für Christen außerordentlich viel zu tun mit der Frage nach einem "guten Leben", einem guten Leben für alle.

 

Im Koalitionsvertrag heißt es: "Fortschritt, Lebensqualität und Wohlstand haben viele Facetten: Gute Arbeit, ein gutes Einkommen, Gesundheit, aber auch immaterielle Werte wie Familie, Freunde und Freiheit. Wir wollen unser Regierungshandeln stärker an den Werten und Zielen der Bürgerinnen und Bürger ausrichten und führen daher einen Dialog mit ihnen über ihr Verständnis von Lebensqualität durch." Hier sollen und müssen wir Christen mitreden. Hunderttausende sind haupt- und ehrenamtlich im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich aktiv. Christen sind Expertinnen und Experten, wenn die Bundesregierung neue Indikatoren- und Berichtssysteme zur Lebensqualität in Deutschland entwickelt, und, wie sie schreibt, "die Information über die sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen von Lebensqualität und Fortschritt verbessern" will.

 

Wir sollten also am Bürgerdialog teilnehmen. Dabei können wir vieles von dem einbringen, was auf unseren eigenen großen "Bürgerdialogen", die Katholikentage und Evangelische Kirchentage eben auch sind, schon längst vorgedacht wurde. Diese Salzkörner berichten davon und zeigen am Beispiel von Klimaschutz und Textilbündnis den weiten Horizont, den das politische Nachdenken über das gute Leben hat.

 

Autor: Stefan Vesper

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