Salzkörner

Sonntag, 30. April 2000

Handlungskonzept für das Leben

"Aus dem Vertrauen auf die Liebe und die Zusage Gottes"
In seiner Sitzung im März hat der Vorstand von Donum Vitae das Konzept für die Arbeit seiner Beratungsstellen beschlossen. Dieses für alle Donum Vitae-Beratungsstellen verbindliche Konzept garantiert, dass die bisherige qualifizierte Arbeit der Beratungsstellen in katholischer Trägerschaft in der Weise fortgesetzt wird, dass sie christliches Zeugnis für das Leben ablegt.

Unmissverständlich formuliert die Präambel des Beratungskonzeptes das Selbstverständnis des Vereins und seiner Beratungsstellen: "Auf der Grundlage des christlichen Glaubens geht die Beratung von der Würde jeden menschlichen Lebens aus, unabhängig von seinem Entwicklungsstadium, einer Krankheit oder einer Behinderung. Gerade in Not- oder Konfliktsituationen wird in der Beratung zum Schutz des Lebens eine besondere Herausforderung angenommen, die aus dem Vertrauen auf die Liebe und die Zusage Gottes an alle Menschen die Kraft gewinnt, gemeinsam mit den Rat Suchenden Perspektiven für ein Leben mit dem Kind – auch mit einem kranken oder behinderten Kind – zu entwickeln."

Ausgangspunkt: Die Situation der Frauen

In der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung ist es unerlässlich, sich die Situation vor Augen zu führen, in denen die Frauen stehen, die in die Beratung kommen. Sie fühlen sich in ihrem Konflikt alleingelassen oder gar von verschiedenen Seiten – nicht selten vom Partner – massiv unter Druck gesetzt. Sie wissen nicht ein noch aus und sehen oft nur den einzigen Ausweg darin, die Schwangerschaft abzubrechen.

In dieser Konfliktsituation, die ihrerseits wieder sehr verschiedene Ursachen hat, kommt es auf die persönliche Beratung, das vertrauensvolle Gespräch zwischen der Rat suchenden Frau und der Beraterin an. Diesem Gespräch kommt im wahr- sten Sinne des Wortes eine "lebensnotwendige" Bedeutung zu.

Solche Lebensnot wendende Beratung geht davon aus, dass grundsätzlich jede Person dazu fähig ist, Entscheidungen zu treffen, für die letztlich nur sie die Verantwortung übernehmen kann. Grundlegende Voraussetzung von Beratung ist deshalb, der Rat suchenden Person zu vermitteln, dass ihr Respekt vor ihrer persönlichen Verantwortung entgegengebracht wird. Die Zielorientierung der Beratung auf den Schutz des ungeborenen Lebens hin und die Ergebnisoffenheit der Beratung gehören gleichermaßen zum Wesen des Beratungsprozesses.

Eine zweifache Anwaltschaft: für Mutter und für Kind

"Angesichts des einzigartigen, untrennbaren Lebenszusammenhangs von Mutter und Kind ist der Schutz des ungeborenen Kindes gleichzeitig ein Schutz für die Frau selbst. Die Beratung schließt durch das Angebot einer umfassenden Krisen- und Konfliktbewältigung die zweifache Anwaltschaft für das Kind und die Mutter ein." Dieser Grundansatz des Beratungskonzepts unserer Arbeit ist aus der Erfahrung gewachsen, dass das Leben ungeborener Kinder nicht gegen die Frau geschützt werden kann, sondern mit der Frau geschützt werden muss.

Die Beraterin versucht daher, die Notlage der Frau und ihre Sicht des vielschichtigen Schwangerschaftskonfliktes zu verstehen, und ist so zugleich Anwältin für das ungeborene Kind. "Sich ich-stärkend an die Seite der schwangeren Frau zu stellen heißt, den Lebenszusammenhang von Mutter und Kind zutiefst zu respektieren", formuliert das Donum Vitae-Beratungskonzept als Leitfaden für die Arbeit. Der partnerschaftliche Beratungsprozess soll zu einer verantwortungsvollen Entscheidung führen, mit der die Frau leben kann und die der Verpflichtung gegenüber dem ungeborenen Kind gerecht wird.

Unabdingbar: die hohe Qualität von Beratung und Hilfe

Das vorliegende Beratungskonzept wird dem Prozesscharakter und dem Kontext des Beratungsgeschehens gerecht; das bestätigen erste Reaktionen langjährig erfahrener Beraterinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und der Caritas. Es wird Donum Vitae helfen, die Engführung der Betrachtung auf die Beratungsbescheinigung zu überwinden. Das Konzept macht klar, dass alle relevanten Aspekte im Kontext der Schwangerschaftskonfliktberatung berücksichtigt sind und sehr deutlich die eindeutige Ausrichtung auf den Lebensschutz hin zum Ausdruck gebracht wird: In Wort und Tat, in Beratung und Hilfe.

Deshalb legt das Beratungskonzept großen Wert auf die Sicherung der hohen Qualität der Arbeit. Es soll eine Zusammenarbeit mit Fachkräften unterschiedlicher Disziplinen gewährleistet werden. Jede Beratungsstelle soll mindestens einen Beratungsraum, darüber hinaus Wartebereich und Sekretariat zur Verfügung haben. Donum Vitae wird mit Beratungsstellen in kirchlicher Trägerschaft zusammenarbeiten, mit der Bundesstiftung Mutter und Kind und mit weiteren psychosozialen Diensten auch von Pfarrgemeinden, um der Frau nachhaltig Unterstützung zusichern zu können.

Um die Nachhaltigkeit zu sichern: integrales Angebot

Beratung und Hilfe, dieses integrale Angebot hat die bisherige Arbeit von Beratungsstellen in Trägerschaft von SkF und Caritas ausgezeichnet. Donum Vitae knüpft daran an. Mit der Ausstellung des Beratungsnachweises ist auch eindeutig geklärt, dass Donum Vitae Schwangerschaftskonfliktberatung als Pflichtberatung im Sinne des Gesetzes durchführt (Beratung nach § 219 StGB in Verbindung mit den §§ 5 – 7 SchKG mit Ausstellung des Beratungsnachweises). Hierin sehen wir auf Grund der bisherigen Erfahrungen die Möglichkeit, auch jene Frauen zu erreichen, die ernsthaft einen Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung ziehen.

Der Zentralrat des SkF hat am 31. März 2000 in Trier das von Donum Vitae vorgelegte Beratungskonzept ausdrücklich zur Kenntnis genommen. In dem darin zum Ausdruck kommenden Beratungsverständnis, so der Beschluss des Zentralrates, werde das Konzept der katholischen Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen fortgeführt. Somit sind jetzt von allen Seiten beste Voraussetzungen geschaffen, um auf verschiedenen Ebenen Absprachen über eine konstruktive Zusammenarbeit, insbesondere auch in den konkurrierenden Bereichen der allgemeinen Schwangerenberatung zu treffen. Für das integrale Beratungskonzept, d.h. die Konfliktberatung und die Vermittlung von Hilfen, ist dies eine wichtige Ausgangsbasis.

Anstelle von Verweigerung: Zeugnis geben durch die Tat

Frauen, die in existentielle Not geraten sind, die oft nicht ein noch aus wissen und die häufig allein gelassen sind, diesen Frauen eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu eröffnen, ist die wichtigste Aufgabe von Donum Vitae, und sie lohnt jedes Engagement. Mit dem verabschiedeten Beratungskonzept ist eine entscheidende Voraussetzung geschaffen, um die bewährte Arbeit fortzusetzen und unter den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft aus unserem Glauben heraus eindeutiges Zeugnis zu geben für das Leben!

Autor: Rita Waschbüsch, Vorsitzende von Donum Vitae, Mitglied des ZdK

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