Salzkörner

Montag, 11. Juli 2011

Hassmails

Heute hat das Editorial kein schönes Thema: In vielen Teilen der Gesellschaft und Kirche ist der Ton rauer geworden ist. Internet und Email führen nicht nur zu einer Beschleunigung und zu einer Veränderung des kommunikativen Verhaltens – sie führen, vor allem am rechten Rand von Gesellschaft und Kirche, zu einer beachtlichen, ja einer bedrückenden Verschärfung der Tonlage. Da gibt es üble Verrohung des sprachlichen Umgangs, vom plumpen Anpflaumen per Mail bis zur offenen Verachtung auf Internetseiten. Da gibt es unverschämte Lüge über Bischöfe, Priester und Laien, Ehrabschneidung und Missachtung von Anstand und Ehrlichkeit, Verzerrung der Wirklichkeit mit dem einzigen Ziel, die Atmosphäre zu vergiften. Da gibt es blanken Hass, der sich des Mittels der anonymen Hetze bedient. All dies in öffentlichen anonymen Internetportalen wie kreuz.net und in zahllosen Blogs verschiedener Agitatoren. Und niemand, auch nicht unser Papst, ist davor gefeit, mit Dreck beworfen zu werden.

Nun ist jeder, der solche Hassmails anspricht, in einer kommunikativen Falle. Einerseits weist er nicht nur auf den Missstand hin, sondern ermutigt die Schmierfinken sogar, weil diese glauben könnten, dass ihre Schmähungen Wirkung zeigen. Andererseits ist das pure Verschweigen solchen aggressiven Hasses keine Lösung.

Es ist Zeit zu handeln. Erstens: Keine Chance der anonymen Verunglimpfung! Anonyme Mails oder Schreiben sollte man sofort vernichten. Zweitens: Wir müssen aktiver gegensteuern - Richtigstellungen einfordern, Falschmeldungen korrigieren, der Wahrheit Recht verschaffen. Das kostet Aufwand, Geld und Zeit. Aber soll die Lüge triumphieren? Drittens: Im eigenen Kommunikationsverhalten fair und sachlich bleiben. Alois Glück hat darauf hingewiesen, dass manche Auseinandersetzung in der Kirche schärfer geführt wird als vergleichbarer Streit in der Politik. Das ist eine Mahnung für jeden Katholiken und Bürger zu Fairness, Sachlichkeit und – nicht zuletzt – zu menschlichem Anstand.

Autor: Stefan Vesper

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