Salzkörner

Mittwoch, 31. August 2016

Haushalte als Arbeitgeber

Ein Projekt der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

Entlastung im Haushalt wird für viele Menschen immer wichtiger. Sei es, weil sie selbst pflegebedürftig oder in die Pflege Angehöriger eingebunden sind, sei es, weil sie einen Haushalt mit Kindern führen und gleichzeitig erwerbstätig sind. Ungefähr 90 Prozent aller in Privathaushalten Tätigen – überwiegend Frauen – arbeiten jedoch ohne jede soziale Absicherung "schwarz". Mit dem Projekt "Haushalte als Arbeitgeber" greift der kfd-Bundesverband damit ein zentrales gleichstellungspolitisches Thema auf und sucht nach politischen Lösungen. Das Projekt wird in enger Kooperation mit dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Kompetenzzentrum "Professionalisierung und Qualifizierung haushaltsnaher Dienstleistungen" an der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.

Ausgangspunkt für das Projekt war ein Beschluss der kfd aus dem Jahre 2013:

"Die kfd setzt sich ein für die Entwicklung lokaler Angebote haushaltsnaher Dienstleistungen, die den Beschäftigten sozialversicherte faire Bezahlung bieten, die aber auch für die Kundschaft bezahlbar sind". Darum geht es: Dienstleistungen im Privathaushalt künftig bezahlbar zu machen, dennoch fair und sozialversichert zu entlohnen und qualifizierte Angebote auf dem offiziellen Arbeitsmarkt bereitzustellen.

Das Projekt der kfd startete Anfang 2014 mit der Fachtagung "Von der schwarzen Arbeit zur weißen Weste", die vor allem der Bestandsaufnahme diente. Weiter ging es mit einer qualitativen Studie unter haushaltsführenden Frauen: Was sind die Hintergründe für die Entscheidungen von Privathaushalten, legale haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen? Fazit der Studie: Es gibt viel zu wenig Wissen über legale Möglichkeiten, haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig können oder wollen viele Haushalte den dafür notwendigen Preis nicht zahlen.

Auf einer weiteren Tagung im Frühjahr 2015 wurden vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse Lösungsmodelle vorgestellt. Insbesondere mit dem belgischen Gutscheinmodell setzte die kfd sich auseinander. Hier zahlt der Staat die Differenz zwischen dem Schwarzmarktpreis und sozialversicherter Beschäftigung, um Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren; und hat so ein echtes Entlastungsangebot für Familien geschaffen.

Die Bundesversammlung der kfd beschloss 2015, das Thema verstärkt in die politische Diskussion zu bringen. Es braucht eine Aufwertung und Wertschätzung der in den privaten Haushalten erbrachten Leistungen. Gleichzeitig geht es darum, Fördermöglichkeiten und Subventionen für Haushaltsbezogene Dienstleistung auf die politische Agenda zu setzen.

Die kfd hat 2016 zum Abschluss des Projektes die Broschüre "Haushalte als Arbeitgeber. Haushaltsbezogene Dienstleistungen: fair–legal–bezahlbar" herausgegeben. Sie stellt ausführlich die Vielfalt und Bedeutung der in privaten Haushalten erbrachten Leistungen dar und informiert über die heute schon bestehenden legalen Möglichkeiten, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Modelle der europäischen Nachbarstaaten werden vorgestellt. Zusätzlich finden sich in der Broschüre zahlreiche Anregungen und Tipps, wie zu dem Thema im lokalen Umfeld und in der verbandlichen Bildungsarbeit gearbeitet werden kann.

https://www.kfd-bundesverband.de/projekte/privathaushalte-als-arbeitgeber.html oder E-Mail an shop@kfd.de

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Dr. Heide Mertens | Leiterin der Abteilung Politik/Gesellschaft in der Bundesgeschäftsstelle der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) in Düsseldorf

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