Salzkörner

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Interreligiöse Begegnungen im Grünen

Mitten in der Kölner Innenstadt erblüht ein Garten, der zum Dialog mit sich und den Anderen anregt. Es ist zugleich ein Ort des zu sich Findens sowie des Aufmerksam-Werdens auf seine Mitmenschen und der Begegnung mit ihnen.  

"Unser Garten der Religionen lädt die Menschen ein, sich mit dem Glauben zu beschäftigen. Über den Dialog – dieser Überzeugung sind wir – lernen wir Menschen einander erst wirklich kennen und verstehen. Religiöse Verschiedenheit wertzuschätzen ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Frieden", erörtert Sibylle Klings, Geschäftsführerin von IN VIA Köln, die Idee des Gartens der Religionen.  

Diese hat tiefe Wurzeln. Bis 1999 befand sich auf dem Grundstück ein ehemaliger Klostergarten des "Canisiushauses", das 1920 von den Jesuiten erbaut wurde. Der 1750 qm große Klostergarten diente den Patres, die sich in der Jugendarbeit engagierten, als Nutzgarten. Im Jahr 2011 baute IN VIA Köln e. V. den verwilderten Klostergarten zu einem Garten der Religionen um und öffnete seine Tore auch für externe Besucher. "Es gibt jeweils einen Platz für jede der fünf großen Weltreligionen, an denen die Besucher/-innen ihre eigene Tradition wiederfinden und fünf Plätze, die religionsübergreifende Themen aufgreifen und die zwischen den Weltreligionen bestehenden Gemeinsamkeiten symbolisieren", erklärt Anne Plhak, Referentin der Stabsstelle interreligiöser Dialog bei IN VIA e. V.

Die religionsverbindenden Symbole wie die Wüste, die Quelle oder die Sonnenuhr sollen vertraute Reflexionsthemen wie Wüstenerfahrungen und Zeiten der Stille, die Suche nach der Quelle des Lebens oder die eigene Zeitlichkeit ins Gedächtnis rufen.

Seit seiner Eröffnung im September 2011 wird der Garten der Religionen auch pädagogisch genutzt.  Angeboten werden Führungen für alle Altersgruppen, die sich inhaltlich nach der Gruppenstruktur richten. Im Vordergrund steht vor allem der wertschätzende Umgang mit anderen Religionen und Kulturen, der durch thematische Denkanstöße und Diskussionen angeregt wird.

Bislang wurden die Angebote von über 200 Gruppen angenommen. Großen Zuspruch finden die Führungen insbesondere bei Schulklassen, die sie zur Erarbeitung und Vertiefung von interreligiösen (Dialog-) Kompetenzen nutzen. Dieses Ziel verfolgt auch das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt "Ich im Dialog mit Dir", das im September 2012 gestartet ist.

"Es macht uns sehr froh, dass die Idee und die Ausführung des Gartens in der Öffentlichkeit so interessiert und neugierig aufgenommen worden ist – weitaus stärker, als wir zu hoffen gewagt hatten", fasst Professor Dr. Joachim Windolph, Geistlicher Beirat von IN VIA Köln die bisherige Resonanz zusammen. "Wir hätten nicht damit gerechnet, dass der Garten täglich von einzelnen Personen oder Gruppen besucht wird, die sich seiner Thematik meditativ oder im Gespräch nähern und auf weiterführende Anregungen einlassen. Der Dialog hat also wirklich begonnen."


Kontakt: IN VIA Köln e. V.
Stolzestraße 1a, 50674 Köln, Tel: 0221/ 7757-711,
E-Mail: anne.plhak@invia-koeln.de  

 

Autor: Anne Plhak, Julija Slavina

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