Salzkörner

Montag, 29. Februar 2016

Keine Alternative

Editorial

Zu der Entscheidung, keine AfD-Politiker auf die Podien des Katholikentags in Leipzig einzuladen, erhalten wir unterstützende Voten und herbe Kritik. Die beleidigenden und auch die anonymen Schmähungen übergehe ich an dieser Stelle. Dunja Hayali hat dazu bei der Verleihung der Goldenen Kamera das Richtige gesagt. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn es wiegt schwer, sich dem Verdacht auszusetzen, man wolle kritische Stimmen unterdrücken. Leider haben wir in den letzten Wochen aber immer wieder erleben müssen, dass sich Repräsentanten der AfD in der Öffentlichkeit einem echten Dialog über unterschiedliche Positionen entzogen und andere Meinungen in polemischer und populistischer Weise diffamiert haben.

 

Schon im November, als die Entscheidung fiel, hat die Katholikentagsleitung darauf hingewiesen, dass es in Leipzig selbstverständlich darum gehen wird, die Sorgen und Nöte der Menschen, gerade auch in der Flüchtlingsfrage, ernst zu nehmen. Deshalb werden wir mit allen das Gespräch suchen, die ernsthaft an Lösungen für dieses schwierige Problem interessiert sind. Gemeinsam werden wir nach Lösungen suchen, die sich an der unverletzlichen Würde der Flüchtlinge orientieren und unserem Grundgesetz und unserer Rechtsordnung entsprechen. Für radikale und populistische Parolen darf auf den Podien des Katholikentags kein Platz sein. Die Ängste und der Protest haben Ursachen, und ihnen muss man nachgehen. Auch das ist Arbeit am gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ganz falsch ist der Vorwurf, wir gingen den "verlorenen Schafen" nicht nach. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Haltung ist kein "Wegducken". Der Katholikentag in Leipzig will sich ausdrücklich öffnen für Menschen, die suchen und fragen, kirchlich wie gesellschaftlich. Ein eigener Veranstaltungsbereich richtet sich an sie und ist ohne Eintrittskarte frei zugänglich. Wir suchen das Gespräch.

 

 

 

Autor: Stefan Vesper

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