Salzkörner

Freitag, 31. Oktober 2014

Kinderwunsch auf Eis

Die Unternehmen Apple und Facebook machten in den vergangenen Tagen Schlagzeilen mit der Ankündigung, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen (Social Freezing) zu zahlen. Mitarbeiterinnen sollen erst Karriere machen und die Familienplanung auf später verschieben können. Doch was die Unternehmen als innovative Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf verkaufen, ist alles andere als familienfreundlich.

Sinnvolle betriebliche Maßnahmen für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen Frauen (und Männer) darin, ihr Leben mit Familie und Beruf für alle verträglich zu gestalten. Social Freezing dagegen ermöglicht Familie nicht, es verhindert sie. Es verdrängt die Familie aus dem betrieblichen Alltag. Gleichzeitig machen Unternehmen damit deutlich, was sie von ihren Mitarbeiterinnen erwarten. Mit subtilem Druck zeigen sie Frauen, die beruflich vorankommen wollen, was zu tun ist: bitte keine Kinder bekommen! Denn – und das ist die eindeutige Botschaft dieses Angebots - Karriere und Kinder sind nicht miteinander vereinbar. Das hohe Risiko allerdings, dass eine Schwangerschaft in späteren Jahren trotz medizinischer Hilfe nicht mehr möglich ist, tragen die Frauen alleine. Denn eine Garantie, ein Kind einfach zehn Jahre später zu bekommen, gibt es nicht.

Es gehört zur Freiheit der Menschen, selbst zu entschieden, wann sie Familien gründen. Kinder bleiben aber immer ein Geschenk. Kinder sind kein Projekt, das zu einem festgelegten Zeitpunkt verwirklich wird. Unternehmen, die auf diese Weise Einfluss auf das Privatleben ihrer Mitarbeiter nehmen, überschreiten eine Grenze. Viele Frauen, die das Social Freezing heute schon nutzen, betrachten es als eine Art Vorsorge, eine Absicherung für später. Doch anstelle solcher Vorsorge sollten Menschen darauf vertrauen können, dass es Strukturen am Arbeitsmarkt gibt, die ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen. Die Debatte um das Social Freezing dagegen gibt jungen Menschen das Signal, sich schon sehr früh Gedanken um die Familiengründung machen zu müssen.

Unternehmen, die Social Freezing als innovatives Instrument der Karriereplanung anbieten, betrachten Kinder in erster Linie als potentielle Störfaktoren für die Produktivität ihrer Eltern. Eine familienbewusste Unternehmenskultur dagegen vermittelt ihren Mitarbeiter/innen: Familie ist möglich! Das Ziel einer familiengerechten Wirtschaft ist es, die Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass Familien einen festen Platz im Arbeitsalltag haben. Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann nicht bedeuten, Mütter und Väter möglichst unbeschränkt und ausschließlich für den Arbeitsmarkt verfügbar zu machen.

Anstatt Mitarbeiterinnen darin zu bekräftigten, ihren Kinderwunsch auf später zu verschieben, sollten Arbeitgeber Kinder willkommen heißen – und zwar zu jeder Zeit. Fortschrittliche Arbeitgeber wissen längst, dass Karriere auch mit Kindern möglich ist. Mit der Elternschaft erwerben Beschäftigte neue Kompetenzen, die auch den Unternehmen zugutekommen. Arbeitgeber dagegen, die Beschäftigte mit Kindern ins Aus stellen, werden auch keine zufriedenstellenden Lösungen anbieten für Mitarbeiter, die Pflegeverantwortung übernehmen müssen. Und Krankheit und Pflege lassen sich im Gegensatz zu Kindern nicht planen. Frauen und Männern dürften in unserer Gesellschaft keine Nachteile erfahren, weil sie Familie haben. Denn Familien sind nicht nur die stabile Basis unserer Gesellschaft, sie sind auch für die Arbeitswelt unentbehrliche Leistungsträger.

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Stefan Becker Präsident des Familienbundes der Katholiken

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