Salzkörner

Freitag, 28. Juni 2013

Lebensqualität

Editorial

Der Bericht der Enquete-Kommission "Wachstum – Wohlstand – Lebensqualität" des Bundestags, der im Juni vorgestellt wurde, ist in der Öffentlichkeit sang- und klanglos untergegangen. Trotz oder wegen des Wahlkampfes?

Der Bericht zeigt, dass die Konzentration auf das Bruttoinlandsprodukt zur Messung von Wohlstand und Lebensqualität in Deutschland nicht länger ausreicht. Deshalb wurden zehn Leitindikatoren entwickelt, die auch soziale und ökologische Aspekte wie Beschäftigung, Bildung oder Treibhausgasemissionen abbilden. Dies ist ein Riesenfortschritt in der Diskussion über die nachhaltigere Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Jetzt kommt es darauf an, durch eine sachgerechte und verständliche Anwendung dieses Wohlstandmaßes die nächsten Schritte für eine zukunftsfähige Bundesrepublik in einer globalisierten Welt zu gehen.

Die Enquete-Kommission hat in wichtigen Themenfeldern wie der Finanzmarktregulierung und der Klimapolitik ordnungspolitische Handlungsempfehlungen erarbeitet und Fördermaßnahmen für nachhaltige Lebensstile vorgeschlagen. Der Bericht mit seinen zahlreichen Sondervoten macht aber auch deutlich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von den nächsten Schritten sind und wie gering der Konsens, über die allgemeinen Ziele hinaus, ist. Vielleicht geht es uns trotz aller berechtigten Sorgen und Probleme in Deutschland zurzeit so gut, dass wir die mittel- und langfristigen Herausforderungen und Risiken aus dem Blick verlieren. Das wäre fatal. Umso wichtiger ist es, den Bericht in großer Breite zu diskutieren und mit allen Akteuren aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und (Zivil-)Gesellschaft um die Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft zu ringen. Als Christinnen und Christen haben wir – in unserer Verantwortung für die Schöpfung und für soziale (globale) Gerechtigkeit – die Pflicht, uns in diesen Diskurs aktiv einzubringen.

 

Autor: Dr. Stefan Vesper

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